Ausbildungsmarkt in Ostfriesland  Lehrstellen bleiben häufig unbesetzt

| | 19.05.2022 18:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eine Auszubildende prüft die Servietten beim Eindecken einer Festtafel. Immer weniger Menschen in Ostfriesland entscheiden sich für eine Ausbildung in der Gastronomie. Foto: DPA
Eine Auszubildende prüft die Servietten beim Eindecken einer Festtafel. Immer weniger Menschen in Ostfriesland entscheiden sich für eine Ausbildung in der Gastronomie. Foto: DPA
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In der Tourismusbranche mangelt es an Nachwuchs. Das hat laut Industrie- und Handelskammer verschiedene Ursachen.

Ostfriesland - In der Tourismus- und Gastronomiebranche werden dringend mehr Fachkräfte gebraucht. Lehrstellen bleiben aber immer häufiger unbesetzt. „Unbesetzte Stellen sind jetzt eher das Problem als unversorgte Jugendliche“, meint Timo Weise, Abteilungsleiter für Aus- und Weiterbildung bei der Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg (IHK).

Bereits vor der Corona-Pandemie waren Rückgänge bei den Auszubildendenzahlen im Tourismus zu verzeichnen. In der Gastronomie waren es 2019 laut IHK 282 neu abgeschlossene Lehrverträge. „Früher waren wir immer im Bereich um 500“, meint Weise. Durch die Pandemie kam es zu einem Einbruch der Zahlen. 2020 wurden nur 180 Lehrverträge geschlossen. 2021 gab es eine leichte Erholung: 208 Auszubildende nahmen ihre Arbeit auf. Von der 500er-Marke ist man aber weit entfernt.

Bereitschaft bei den Betrieben steigt wieder

Für 2022 geht Weise davon aus, dass das Angebot an Lehrstellen wieder steigt. „Die Betriebe blicken optimistisch auf den Herbst“, meint der IHK-Abteilungsleiter. Mit den Lockerungen steigt die Bereitschaft bei den touristischen Betrieben wieder, Ausbildungen anzubieten. „Durch Corona sind viele Fachkräfte abgewandert“, erklärt Weise. Deshalb werde nun dringend Nachwuchs gebraucht.

Das Problem sei aber, dass es zu wenige Bewerber für die Stellen gibt. Weise führt das zum einen auf den demografischen Wandel zurück. Die Zahl der Schulabgänger ist seit einigen Jahren rückläufig. Zum anderen entscheiden sich immer mehr junge Menschen für ein Studium. „Manche merken erst später, dass es nicht das richtige für sie ist und brechen ab – und stehen somit später dem Ausbildungsmarkt zu Verfügung“, erläutert Weise.

Andere Branchen unterschiedlich betroffen

Auch andere Branchen haben mit diesen Problemen zu kämpfen. Eine „Corona-Delle“ haben laut Weise fast alle Branchen bei den Auszubildendenzahlen erlitten. Die Branchen seien dabei jeweils unterschiedlich betroffen. Beim Handel gab es beispielsweise in 2020 ebenfalls einen Einbruch bei den Lehrverträgen. Im Folgejahr erholte sich die Situation aber wieder. „Einige sind eventuell dorthin abgewandert“, meint Weise mit Blick auf die Situation in der Tourismusbranche.

Die rückläufigen Auszubildendenzahlen haben aber auch Vorteile. So steigen beispielsweise die Übernahmechancen bei den Menschen, die sich für eine Ausbildung entscheiden, bestätigt Weise. Weise hofft, dass sich in diesem Jahr wieder mehr junge Menschen für eine Ausbildung entscheiden.

Arbeitgeberverband: Chancen vor der Tür sind zu wenig bekannt

Der Arbeitgeberverband für Ostfriesland und Papenburg bewertet den Fachkräftemangel als eine der großen Herausforderungen für den künftigen Erfolg der ostfriesischen Wirtschaft, wie der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Jörg Thoma kürzlich sagte. Geburtenstarke Jahrgänge gingen in Rente und viele junge Ostfriesen wüssten zwar die Lebensqualität hier zu schätzen, verließen aber doch die Region. Woran liegt es? Laut Thoma müsse der Bereich berufliche Bildung in Schulen eine weit größere Rolle spielen. Zum einen könne eine gute Kenntnis der möglichen Berufe Fehlentscheidungen im Lebenslauf verhindern. Zum anderen wüssten die Jugendlichen zu wenig über die Betriebe in Ostfriesland und die beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten dort. „Es gibt etliche Hightech-Unternehmen in der Region“, so Thoma. „Das muss bekannter werden.“

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