Preise steigen an  Auricher Gastronomie: Von einer Krise in die nächste

Neelke Harms
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Von Neelke Harms
| 19.05.2022 16:42 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Im März 2021 blieben die Stühle der Auricher Lokale leer. Noch immer haben die Gastronomen mit den Folgen zu kämpfen. Foto: Romuald Banik
Im März 2021 blieben die Stühle der Auricher Lokale leer. Noch immer haben die Gastronomen mit den Folgen zu kämpfen. Foto: Romuald Banik
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Auricher Restaurants und Hotels können die Kosten nicht mehr abfedern. Nicht nur Lebensmittel- und Energiepreise machen den Gastronomen zu schaffen.

Aurich – Der Restaurant- und Hotelbesuch wird jetzt teurer: Die Auricher Gastronomen haben die Preise teilweise schon erhöht. Und das liegt nicht nur an den steigenden Lebensmittelkosten.

„Die Gastronomie kommt vom Regen in die Traufe“, sagt Arno Fecht (Altstadt Gastronomie Aurich). Gerade erst komme wieder Bewegung in die Lokale. Nachdem zum 1. Mai einige Corona-Maßnahmen für Restaurants fallengelassen wurden, kommen wieder mehr Gäste. Doch nun machen ihm und seinen Kollegen, die steigenden Preise zu schaffen. Dabei sind die Lebensmittelkosten nur ein Teil des Problems. Die Lieferanten würden nun Lieferkosten berechnen, die es vorher nicht gegeben habe, kritisiert Fecht. Bei einer seiner Bestellungen im Wert von 100 Euro seien 30 Euro Lieferkosten dazugekommen. Je weniger man bestelle, desto höher seien diese zusätzlichen Kosten. Gerade für kleinere Betriebe sei das ein Problem, sagt Fecht.

Personalmangel bleibt ein Problem

„Ich weiß nicht, wo wir noch sparen sollen“, sagt er. Die einzige Lösung sei es, die Einkäufe selbst zu erledigen und zum Beispiel auf Mehl aus dem Discounter zurückzugreifen. Das koste jedoch auch Zeit und Personal. Und das ist das nächste Problem: Nach wie vor herrscht in der Gastronomie Personalmangel. Einige seien immer noch besorgt, in der Gastronomie zu arbeiten. Zu groß sei die Sorge, wegen eines erneuten Lockdowns im Herbst den Job zu verlieren, sagt Fecht.

Trotz alledem merke er noch nicht, dass durch die gestiegenen Preise weniger Gäste in die Lokale kämen. Bis jetzt sei man grundsätzlich auf Verständnis gestoßen. Ihm sei es wichtig, über das Problem zu sprechen. „Wir können im Grunde ja nichts dafür“, sagt Fecht. Er könne jedoch auch verstehen, dass einige seiner Kollegen Respekt vor der Preiserhöhung haben. Denn gerade jetzt, wo viele Gastronomen noch mit den Rückzahlungen aus der Corona-Krise zu tun hätten, wolle man die Gäste mit den steigenden Preisen nicht vergraulen.

Mittlerweile füllen sich die Lokale der Auricher Innenstadt wieder. So zum Beispiel vor einigen Wochen bei „Aurich rockt in den Mai“. Foto: Gerd-Arnold Ubben
Mittlerweile füllen sich die Lokale der Auricher Innenstadt wieder. So zum Beispiel vor einigen Wochen bei „Aurich rockt in den Mai“. Foto: Gerd-Arnold Ubben

Kleine Betriebe sind besonders gefährdet

Auch Mareike Zägel sorgt sich um die Überlebensfähigkeit der kleinen Betriebe. Sie ist Kreisvorsitzende des Dehoga Ostfriesland in Aurich und Geschäftsführerin des Hotel Stadt Aurich. Von der Corona-Krise habe man sich noch lange nicht erholt. „Die Betriebe haben nach zwei Jahren Krise einfach kein finanzielles Polster mehr“, sagt sie. Teilweise seien die Einkaufspreise um bis zu 70 Prozent gestiegen. Manchmal fehle es der Industrie sogar an Rohstoffen, wie Glas und Korken, wodurch einige Getränke knapp würden. Dazu käme, dass den Angestellten, wenn man denn welche bekomme, nun mehr gezahlt werde. „Die Tariferhöhung für Mitarbeiter ist richtig und wichtig“, sagt Mareike Zägel. Schließlich würden sich auch für die alle Kosten erhöhen.

Sie beobachtet schon jetzt, dass sich das Verhalten der Gäste verändert. Die Verweildauer werde kürzer. Anstelle von drei bis vier Getränken werde nur noch eines bestellt und zum Beispiel auf das Dessert verzichtet. Eine Option, den steigenden Preisen entgegenzuwirken sei, das Angebot zu verändern. Denn wenn die Gerichte zu teuer würden, habe es keinen Sinn mehr, sie anzubieten, sagt sie.

Manches wurde von der Karte gestrichen

Frank Köhler vom Ringhotel Köhlers Forsthaus in Wallinghausen hat schon manches auf seiner Karte verändert. Einige Waren seien nicht nur zu teuer, sondern gar nicht zu kriegen, sagt er. Wild könne er momentan zum Beispiel nicht anbieten. Und da man keine Maispoularden bekomme, greife er auf herkömmliche Hähnchen zurück.

Ob wegen der angezogenen Preise weniger Kunden kommen, kann er noch nicht abschätzen. Denn auch bei ihm laufe das Geschäft nach den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie gerade erst wieder an. Er hofft, wie seine Kollegen auch, auf das Verständnis der Gäste.

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