Schweres Matheabitur? Das sagen Schulleiter aus dem Landkreis Aurich zu den Prüfungen
Das Matheabitur ist für schwere Aufgaben bekannt. Auch in den Auricher Schulen ist dies zu spüren. Allerdings sehen die Leiter noch eine weitere Herausforderung.
Aurich - Viele Lehrkräfte in Niedersachsen sind gerade vollauf mit der Korrektur der Abiturprüfungen beschäftigt. Doch noch bevor die Ergebnisse feststehen, beschweren sich Tausende Schüler über die Schwere der Aufgaben in der Matheprüfung. Auf change.org wurde daher eine Petition gestartet. Bislang haben 2305 Personen unterschrieben. Schulleiter und Verantwortliche für das Abitur in Aurich teilen diese Einschätzung jedoch nur bedingt.
„Mathe ist immer ein schwieriges Feld“, sagt Stephan Hinrichs. Der Leiter der Oberstufe der IGS Aurich hat schon Prüfungen erlebt, aus denen die Jahrgänge heulend herausgekommen sind. „Das ist mir diesmal nicht bekannt“, sagt er. Die Naturwissenschaften und Mathe hätten immer ein sehr hohes Niveau. Deshalb sei es üblich, dass die Ergebnisse im Grundkurs nicht gut ausfallen. Doch auch im Leistungskurs hätten viele damit zu kämpfen. „Bisher sagten die Kollegen, es sei ganz ordentlich gelaufen“, so Hinrichs.
Wissen aus allen Teilbereichen gefragt
Gerade bei den Naturwissenschaften sei Unterricht vor Ort noch wichtiger als in den Geisteswissenschaften. „Ich bin zwei Wochen vor den Prüfungen wegen Corona ausgefallen und konnte meine Schüler in Geschichte nicht so vorbereiten wie ich wollte“, sagt Hinrichs. Deshalb würden ihn die guten Ergebnisse durchaus überraschen. In dem Fach konnten die Schüler einen Bereich wählen, der ihnen am meisten zusagte.
In Mathe hingegen kommen grundsätzlich alle Blöcke aus den zwei Jahren dran. „Das Prinzip der Auswahl ist in den Naturwissenschaften noch nicht so angekommen“, wundert sich der Oberstufenleiter. Als eine Petition gegen die Matheprüfung 2016 Erfolg hatte, habe sich dieses im Vorfeld abgezeichnet. Auch eine Kollegin habe damals gesagt, das könne nicht klappen. Davon sei dieses Jahr jedoch nicht die Rede.
Wiederholungen sind zu kurz gekommen
Ulrike Sieckmann als Direktorin der KGS Wiesmoor will die Korrektur der Klausuren erst einmal abwarten. Doch Mathe sei immer recht anspruchsvoll. Die Schule hatte jedoch nur wenige Nachschreiber, die wegen einer Infektion ausgefallen sind. „Wir sind froh darüber, dass wir ein Abi unter recht normalen Bedingungen hatten“, so Sieckmann.
Am Gymnasium Ulricianum in Aurich sieht Schulleiter Rüdiger Musolf das Thema differenziert. In den Leistungskursen seien weniger Klagen gekommen. Doch im grundlegenden Niveau würde oft Wissen aus der Mittelstufe fehlen. Coronabedingt habe dort die Wiederholung gefehlt. „Es gibt einen Austausch darüber auf Landesebene. Die Sache wird geprüft“, so Musolf. Im Moment tendiere sein Kollegium auch dazu, dass die Aufgaben im grundlegenden Niveau von den Schülern als sehr schwer empfunden wurden.
Abstrakte Aufgaben werfen Fragen auf
Eine Erklärung dafür, warum gerade das Matheabi immer wieder in die Kritik gerät, hat auch Musolf nicht. Als Altphilologe könne er nur mutmaßen und Fragen aufwerfen. So könnte er sich vorstellen, dass nicht mehr so viel geübt werde wie früher. „Vielleicht ist vieles zu abstrakt und das Curriculum überfrachtet?“, stellt er in den Raum.
Das Abitur am Ulricianum an sich sei sehr unauffällig verlaufen. Dabei komme den Schülern zugute, dass das Ministerium anerkannt hat, vor welcher besonderen Situation die Abiturienten in der Vorbereitung standen. „Sie bekommen ein gleichwertiges Abitur zu anderen Jahrgängen“, betont Musolf. Dennoch seien alle von der Corona-Situation geprägt worden.
Berufsschulen sehen Auswirkungen in Jahrgang 12
An den beiden Berufsbildenden Schulen in Aurich wird ebenfalls gerade das Abitur abgenommen. Doch bekommen die Schüler andere Klausuren, die auf den Schwerpunkt Wirtschaft abgestimmt sind. „Meine Kollegen waren ganz angetan von den Vorschlägen“, sagt Schulleiter Wilhelm Mammen von der BBS1. Entgegen der Befürchtungen sei es eine entspannte Zeit mit wenigen Ausfällen.
Auch Matthias Busker, der vertretungsweise die Leitung der Abteilung Berufliches Gymnasium an der BBS2 übernommen hat, hat noch keine Klagen gehört. Die Auswahl der Aufgaben sei von den Lehrkräften positiv kommentiert worden. Doch noch werde fleißig korrigiert. Dieses Jahr gab es an der BBS2 keinen Nachschreiber. Doch Busker befürchtet, dass die Auswirkungen der Pandemie kommendes Jahr deutlich werden.
„Unsere jetzige Zwölfte ist unselbstständiger und weniger fokussiert als die anderen Jahrgänge“, sagt er. Denn sie hätten keinen normalen Schulalltag an der Berufsschule kennengelernt und einen schwierigen Übergang gehabt. Doch wie sehr sich das in den Abschlussnoten spiegele, müsste das kommende Jahr erst zeigen.