Hamburg  Grünen-Politikerin motzt übers Leben als Abgeordnete - ist das ok?

Julia Wadle
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Von Julia Wadle
| 17.05.2022 12:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die 24 Jahre alte Emilia wird lieber „Milla“ genannt und hat auf Instagram mehr als 18.000 Follower. Foto: dpa/Kay Nietfeld
Die 24 Jahre alte Emilia wird lieber „Milla“ genannt und hat auf Instagram mehr als 18.000 Follower. Foto: dpa/Kay Nietfeld
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Die jüngste Bundestagsabgeordnete, Emilia „Milla“ Fester, bekommt den zweiten Shitstorm innerhalb weniger Monate ab. In einem Interview beklagt sie, dass sie für ihr Amt ihre Jugend opfere.

In diesem Artikel erfährst Du:

Bundestagsabgeordnete zu sein, ist kein 9-to-5-Job. Neben der Arbeit in Ausschüssen und Fraktionen, Plenarsitzungen und Besprechungen in Berlin stehen Termine im Wahlkreis an. In Sachen Work-Life-Balance überwiegt die Arbeit eindeutig. Doch das ist weder überraschend noch neu. Als Kompensation bekommen die Bundestagsabgeordneten eine monatliche „Abgeordnetenentschädigung“ in Höhe von 10.012,89 Euro plus diverse Pauschalen. Viel Geld für viel Arbeit ist fair – oder?

Genau daran hängt sich die Kritik an Emilia Fester auf. Die 24-jährige Grünen-Politikerin ist die jüngste Bundestagsabgeordnete. Bekannt wurde sie der breiten Öffentlichkeit vor allem durch ihre flammende Rede zum Thema Impfpflicht.

Hier kannst Du das Video sehen ab 1 Stunde und 28 Minuten:

Nun steht die Hamburgerin in den Sozialen Medien in der Kritik. Grund dafür sind ihre Aussagen in einem „Spiegel“-Porträt. Darin beschreibt sie, dass sie „letztendlich auch ihre eigene Jugend für diesen Job opfern“ würde. Sie arbeitet nach eigenen Angaben 80 bis 90 Stunden in der Woche.

Seit dem Interview ergießt sich vor allem auf Twitter ein Shitstorm über die Grünen-Politikerin. Besonders die Formulierung, dass sie ihre Jungend „opfere“ und die Tatsache, dass sie mehr als 10.000 Euro im Monat verdient, stößt vielen Nutzern auf. Zum Vergleich: Über alle Altersgruppen verteilt liegt das Jahresgehalt in Deutschland bei 49.200 Euro brutto.

Knapp 1700-mal wurde dieser Post geretweetet:

Dieser Nutzer wirft der Abgeordneten vor, manipulativ zu agieren:

Dieser Nutzer kritisiert, dass Andere ein Amt als Privileg und nicht als Opfer sehen würden:

Auch auf Instagram gehen Nutzer hart ins Gericht mit Fester:

Gleiches auf TikTok:

Immer wieder verwenden Nutzer im Kontext auch den Hashtag Wohlstandsverwahrlosung“ und werfen der Bundestagsabgeordneten vor, keine Ahnung vom Leben zu haben.

So wie dieser Nutzer:

Im Spiegel-Interviewe kritisiert Fester, dass Abgeordnete erst nach einigen Wochen, sobald das amtliche Endergebnis feststehe, Diäten erhalten. Gleichzeitig hätte sie regelmäßig für Termine nach Berlin reisen müssen, bei denen sie zunächst aus eigener Tasche Unterkünfte, Fahrten und Essen bezahlen musste. Sie habe sich von Verwandten mehrere tausend Euro leihen müssen.

Emilia Fester steht schon länger in der Kritik. In ihrer gefeierten Bundestagsrede zählte sie auf, was sie alles in den vergangenen Jahren verpasst habe.

Dabei berichtete sie öffentlich auf Instagram von ihrem Dänemark-Urlaub:

Darauf angesprochen sagte sie im Spiegel-Interview, es ginge ihr um all die Reisen, die man als junger Mensch nicht machen konnte. „Ich wollte die Welt kennenlernen und nicht den Urlaubsort, an dem ich schon 20-mal war“, so Fester.

Unterstützung bekommt Fester von Journalisten des Spiegels, unter anderem Jonas Schaible.

Dieser sieht im Shitstorm eine Kampagne gegen die Grünen:

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