Osnabrück Krieg setzte ESC-Regeln außer Kraft: Schwerter zu Gitarren
Die Ukraine hat den Eurovision Song Contest (ESC) gewonnen - die Sieger kehren zurück in den Krieg. Das war erwartbar.
Wer es gerne spannend mag, hat einen eher enttäuschenden Samstag hinter sich - und das, obwohl mit dem Eurovision Song Contest (ESC) und dem letzten Bundesliga-Spieltag gleich zwei traditionell vielversprechende Termine im Kalender standen. Doch diesmal war einiges anders als in sonstigen Jahren: Der Sieg der Ukraine beim ESC war so vorhersehbar wie der Gewinn des Deutschen Meistertitels für Bayern München. Und das neuerliche ESC-Debakel für Deutschland überraschte kaum mehr als der Abstieg von Arminia Bielefeld.
Seinen Statuten zufolge ist der ESC zwar eine unpolitische Veranstaltung, doch der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat in diesem Jahr nahezu alle Regeln außer Kraft gesetzt. Das Finale in Turin stand quasi unter dem Motto “Schwerter zu Gitarren”, gesucht wurde nicht der musikalisch beste Beitrag, sondern ein Sieger der Herzen. Und der konnte nur Ukraine heißen. Dass der Song des Kalush Orchestras ursprünglich gar kein Stück gegen den Krieg, sondern eine Liebeserklärung von Sänger Oleh Psiuk an seine Mutter ist, spielte da keine Rolle.
Psiuk selbst hatte schon vor dem Finale deutlich gemacht, worum es in diesem Jahr beim ESC ging: “Während wir hier sprechen, wird die ukrainische Kultur zerstört.” Folglich kehrt der Musiker, der an diesem Montag 28 Jahre alt wird, zurück in seine Heimat, zurück in den Krieg, der für die Ukraine noch längst nicht gewonnen ist. Das ist der bittere Beigeschmack seines großen Erfolgs. Denn ob Psiuk noch lebt und nicht auf dem Schlachtfeld gestorben ist, wenn das nächste ESC-Finale tatsächlich - wie von Präsident Wolodymyr Selenskyj angekündigt - in der Ukraine stattfindet, steht in den Sternen.