Hamburg Kreml-Diktator Putins Krieg an zwei Fronten bedroht Millionen Menschen
So lange wie nötig wollen die G7-Industrienationen die Ukraine mit Waffen im Krieg gegen Russland unterstützen, sagt Außenministerin Annalena Baerbock. Das wird nötig sein, denn der Konflikt wird noch lange dauern. Und er wird auch an einer zweiten Front geführt.
Es ist ein Samstag der deutlichen Worte. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock verkündet zum Abschluss des G7-Außenministertreffens in Schleswig-Holstein, man wolle “niemals” russische Grenzverschiebungen in der Ukraine akzeptieren und so lange Waffen an das angegriffene Land liefern wie nötig, sprich: Bis Russland seine Truppen abzieht.
Das ist deswegen eine bemerkenswerte Feststellung, weil Kreml-Diktator Putin bereits 2014 mit der Annexion der Krim die territoriale Integrität der Ukraine missachtet und Grenzen nach seinem Gusto verschoben hat. Auf die gewalttätige Provokation wurde seinerzeit zwar mit Sanktionen seitens des Westens reagiert. Wirklichen Gegenwind gab es für Putin aber nicht.
Aus heutiger Sicht muss man es so einordnen: Die energiepolitische Sicherheit in Form des billigen Gases aus Russland war Westeuropa und insbesondere Deutschland wichtiger, als die Sicherheit der Ukraine. Baerbocks Worte vom Wochenende bedeuten in letzter Konsequenz, dass auch die Krim-Annexion rückabgewickelt werden muss. Es wäre gleichbedeutend mit dem totalen Scheitern russischer Hegemonie-Ansprüche.
Kaum vorstellbar, dass Putin diese Forderung akzeptieren wird. Mit rationalen Argumenten scheint er ohnehin nicht erreichbar zu sein, wie das Telefonat mit Bundeskanzler Scholz zeigt. Entweder glaubt Putin tatsächlich an die Lügen, die sein Regime der eigenen Bevölkerung eingetrichtert hat, um das Blutvergießen im Nachbarland zu rechtfertigen. Oder, sollte dieser komplette Realitätsverlust noch nicht eingetreten sein, kann Putin zumindest nicht mehr hinter seine Lügen zurück, weil sein politisches Überleben davon abhängt. Die weitgehende Gleichschaltung der Gesellschaft sichert dem Diktator die Macht.
So oder so zeigt dies: Der Krieg in der Ukraine kann noch sehr lange dauern und viele Menschenleben direkt wie indirekt kosten. Außenministerin Baerbock spricht von Millionen. Das könnte durchaus drohen. Denn die Auswirkungen der Hunger-Front, die Putin eröffnet hat, deuten sich gerade erst an. Der Krieg stürzt Millionen Menschen ins Elend und gefährdet den sozialen Frieden in zahlreichen Ländern, weil es schlicht an Nahrung fehlen wird. Klimaturbulenzen wie aktuell die mörderische Hitzewelle in Indien werden die globale Ernährungskrise weiter verschärfen.
Die russische Armee mag angesichts des desaströsen Vormarsches in der Ukraine deutlich schwächer sein, als angenommen. Die Weltordnung erschüttern vermag Putin dennoch.