Viele Bedürftige, wenig Ware  Auricher Tafeln haben ihre Grenze erreicht

Kim Hüsing
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Von Kim Hüsing
| 15.05.2022 15:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Viele Regale in der Ausgabestelle der Tafel in Aurich bleiben leer. Foto: Kim Hüsing
Viele Regale in der Ausgabestelle der Tafel in Aurich bleiben leer. Foto: Kim Hüsing
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Diakonie und Caritas in Aurich helfen Bedürftigen mit Lebensmitteln aus. Doch die Ausgabestellen stehen vor einem großen Problem. Nun hoffen sie auf die Bevölkerung.

Aurich – Angesichts steigender Preise und vieler Geflüchtete, die den Landkreis Aurich erreichen, stehen die Tafeln vor einem großen Problem. Die Diakonie hat mit Aurich, Großefehn, Friedeburg und Südbrookmerland vier Ausgabestellen. Dort können Bedürftige einmal die Woche für einen kleinen Obolus Ware abholen. Doch es werden immer mehr Bedürftige. Gleichzeitig werden die Lebensmittel immer weniger. „Wir haben eine Ausnahmesituation“, sagt Matthias Caspers. Der Geschäftsführer der Diakonie Aurich hat sich deshalb mit den Ansprechpartnern der vier Ausgabestellen zu einem Strategiegespräch getroffen.

Denn alle stehen vor dem gleichen Problem. „Der Ansturm hat gewaltig zugenommen“, sagt Christoph Meier aus Südbrookmerland. Dabei kommen nicht nur die Geflüchteten aus der Ukraine zur Ausgabe, sondern auch viele Familien, Rentner und Alleinstehende unterschiedlicher Herkunft. Allein in Aurich werden an drei Ausgabeterminen rund 200 Menschen versorgt. In Großefehn sind es 75, in Friedeburg 50 und in Südbrookmerland 60 Familien. „Die können wir mit 2,5 multiplizieren, um eine ungefähre Personenzahl zu erhalten“, sagt Detlef Teiwes aus Großefehn.

Krisengespräch: In Aurich kommen Detlef Teiwes (v.l.), Hanke Rippen, Matthias Caspers, Christoph Meier und Ernst Kuntner von der Tafel zusammen. Sie suchen nach einer Lösung aus einer schwierigen Situation. Foto: Kim Hüsing
Krisengespräch: In Aurich kommen Detlef Teiwes (v.l.), Hanke Rippen, Matthias Caspers, Christoph Meier und Ernst Kuntner von der Tafel zusammen. Sie suchen nach einer Lösung aus einer schwierigen Situation. Foto: Kim Hüsing

Auf der Suche nach Lösungen

Die Tafeln wurden vor Jahren mit dem Hintergrund gegründet, Lebensmittel zu retten und an Bedürftige weiterzugeben. Mittlerweile gibt es jedoch weniger zu rettende Ware als noch vor ein paar Monaten. Das sollte eigentlich ein gutes Zeichen sein. Aufgrund steigender Preise und der Inflation sind jedoch immer mehr Menschen auf Unterstützung angewiesen. „Wir haben unsere Grenzen erreicht“, sagt Meier.

Nun haben die Tafeln mehrere Möglichkeiten: Sie können einen Aufnahmestopp verhängen und nur noch diejenigen versorgen, die zu ihren Stammkunden gehören. Oder sie müssen die Ware strecken, indem Familien nicht mehr jede Woche, sondern vielleicht nur alle zwei Wochen zur Ausgabe kommen dürfen. Beide Modelle werden bei einigen Tafeln schon eingesetzt.

Caritas verhängt Aufnahmestopp

In Emden hat die Tafel der Caritas Ostfriesland ihre Kapazitätsgrenzen erreicht. „Wir haben einen vorübergehenden Aufnahmestopp“, sagt Geschäftsführerin Stefanie Holle. Nun sollen die kommenden Wochen zeigen, wie sich die Lage entwickelt. Im Moment sei die Tafel eine Art „Notnagel“, das könne so nicht weitergehen. Von den potenziellen Kunden erntet die Caritas mit Sitz in Aurich von Verständnis bis Kritik viele verschiedene Reaktionen.

Die Ehrenamtlichen der Diakonie möchten zunächst einen anderen Schritt gehen. Ziel ist, die Warenmenge zu steigern. „Wir möchten niemanden abweisen“, sagt der Auricher Ansprechpartner Ernst Kuntner. Deshalb bittet die Diakonie um Spenden aus der Bevölkerung. Insbesondere haltbare Lebensmittel wie Konserven, Nudeln und Reis werden gesucht. Doch auch Milchprodukte sowie frisches Obst und Gemüse sind weniger geworden.

Annahme von Warenspenden

Jeder, der Lebensmittel spenden möchte, kann sie an den Ausgabetagen bei den jeweiligen Stellen abgeben. In Aurich ist bis auf mittwochs vormittags immer jemand an der Julianenburger Straße anzutreffen. In Südbrookmerland und Friedeburg ist die Ausgabe jeden Vormittag besetzt. In Großefehn können Spenden montags, mittwochs und freitags abgegeben werden. Kontaktdaten finden Interessierte zudem online. Parallel werden die Ehrenamtlichen auf den Großhandel und Hersteller zugehen.

Ware hinzuzukaufen, kommt für die Verantwortlichen jedoch nicht in Frage. „Das widerspricht den Leitgedanken der Tafel“, so Caspers. Der Geschäftsführer ist allen bisherigen Spendern und beteiligten Geschäften sehr dankbar. Er hofft, dass sich durch den Appell weitere Ware generieren lässt. Denn sonst trifft sich die Runde demnächst, um doch über andere Wege aus der Krise zu diskutieren.

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