Wangels  Hier tagen die G7-Außenminister: Dieser Multimillionär baute Weissenhaus

Miriam Scharlibbe
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Von Miriam Scharlibbe
| 12.05.2022 20:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Als Kind gab es an der Ostsee Erbeerkuchen und eine Ferienwohung, später baute Jan Henric Buettner das Luxus-Hotel Weissenhaus auf. (Archivbild) Foto: imago images/Carsten Dammann
Als Kind gab es an der Ostsee Erbeerkuchen und eine Ferienwohung, später baute Jan Henric Buettner das Luxus-Hotel Weissenhaus auf. (Archivbild) Foto: imago images/Carsten Dammann
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Das Luxushotel Weissenhaus ist ein Ort der Superlative – und jetzt für drei Tage Bühne für die Weltpolitik. Hinter der Idee und vielen Millionen Investment steht vor allem ein Mann: Jan Henric Buettner.

Der Multimillionär sitzt auf dem Dorfplatz und genießt sein Frühstück in der Sonne. Irgendwer hat einige Stühle und Tische locker zusammengeschoben, damit die große Gruppe Platz hat. Fast alle jung, vertraut, ein Freundeskreis. Jan Henric Buettner ist der Mittelpunkt. Alle Gespräche orientieren sich in seine Richtung. Die anderen Gäste schielen verstohlen über die Schulter. Ist das wirklich der Mann, dem das alles hier gehört – das Schloss, der Park, das restaurierte Kavaliershaus, in dem das Frühstücksbuffet aufgebaut wurde? Holt der sich etwa selbst seine Marmelade? Kann doch nicht sein, oder? Kann doch.

Buettner, 57 Jahre alt, ist im Gespräch versunken. Die kinnlangen Haare – oben hellbraun, in der Mitte dunkler, unten das erste Grau – hat er aus der Stirn gestrichen. Der Weissenhaus-Schriftzug ziert den schwarzen Kapuzenpullover. Buettner hat sich unter seine Gäste gemischt. Angesprochen werden möchte der Besitzer des Luxus-Hotels aber offensichtlich nicht. Die Servicekräfte – im Resort am Meer heißen sie „Gastgeber“ – achten sehr genau darauf, wer sich dem Tisch nähert.

Wer ist der Mann, der im kleinen Ort Wangels in Ostholstein ein Fünf-Sterne-Hotel erbaut hat, in dem jetzt sogar die Außenminister der G7-Staaten tagen? Weissenhaus – das Hotel schreibt sich mit Doppel-S – ist eine Klasse für sich. Alles ist etwas größer, sehr viel teurer und um einiges exklusiver. Selbst in einer Reihe mit ähnlich teuren Urlaubsdomizilen fällt das Kleinod an der Ostsee aus dem Rahmen. Das liegt in Teilen an der besonderen Geschichte des Ortes, aber auch an dem Mann, der hier 2014 das „Grand Village“ eröffnete.

Über Buettner wurde viel gesagt und noch mehr geschrieben. Auffällig dabei ist, der Zeitpunkt der Schlagzeilen. Schon vor seinem Einstieg in die Hotellerie bot Buettners Lebenslauf ausreichend Gesprächsstoff. Aber erst rund um die Eröffnung des Fünf-Sterne-Hauses suchte der Investor die Öffentlichkeit. Menschen mögen Menschen – und Aufsteigergeschichten. Das weiß Buettner zu nutzen. Auf der Homepage seines Hotels inszeniert er sich selbst als „Der Mann hinter Weissenhaus“. Der älteste Text stammt aus dem Jahr 2012, der jüngste ist von 2017. Es waren die Jahre der Renovierung, der Eröffnung und des Anbaus. Irgendwann lief das Projekt. Inzwischen ist es ruhiger geworden um den Hamburger, der auch mal wahlweise als „Der Prinz von Hohwacht“ oder „Der Gutsherr von nebenan“ betitelt wird.

Die Geschichte, die Buettner selbst gerne erzählt, geht so: Ja, er wollte ein Luxus-Hotel bauen, aber eines, in dem sich auch die Superreichen frei und ungezwungen fühlen. Und Buettner wollte sein Geld in einen Ort investieren, mit dem er selbst viel verbindet. Mit seinen Eltern, die bis heute dort ein Ferienhaus besitzen, hat der gebürtige Hamburger an der Hohwachter Bucht schon als Kind viele Sommer verlebt. Sein Abitur machte er am Schlossinternat Plön. 2005 stolperte er über einen Zeitungsartikel, in dem der Verkauf von Schloss Weißenhaus angekündigt wurde. Darüber gibt es unterschiedliche Erzählungen. Mal soll es seine Mutter gewesen sein, die ihm den Text zeigte, mal ein Bekannter. Sicher ist, Buettner fand endlich ein Projekt, in das er sein Geld investieren konnte, kaufte den Bau aus dem Jahr 1896, dessen Geschichte aber insgesamt mehrere Jahrhunderte zurückreicht und erwarb gleich noch 40 Gebäude drumherum.

Die Zahl Sieben ist wichtig in der Geschichte: Sieben Millionen Euro bezahlte Buettner nach eigenen Angaben als Kaufpreis, sieben Jahre Zeit und etliche weitere Millionen wurden durch die Renovierungs- und Umbauarbeiten bis zur Eröffnung verschlungen.

Woher stammt all das Geld? Ein kleiner Teil wurde durch Crowdfunding gesammelt, der größere ist einem beispiellosen Rechtsstreit zu verdanken. Buettner wird auch heute noch häufig als Internetunternehmer und Pionier bezeichnet. Das klingt wie ein Relikt aus einer Zeit, in der die Digitalisierung noch etwas zum Ausprobieren war. 1997 also. Damals zog Buettner nach Santa Barbara in Kalifornien, um als Gesellschafter für den Bertelsmann-Konzern eine Risikokapitalfirma aufzubauen. Zuvor hatte er für den Gütersloher Konzern AOL Deutschland gemanagt. Im Februar 2000 verkaufte Bertelsmann seine 50-Prozent-Beteiligung an AOL Europe – für mehr als 6,5 Milliarden Dollar, und Buettner und ein weiterer ehemaliger Angestellter meldeten sich zu Wort. Für ihren nach eigenen Angaben maßgeblichen Beitrag am Aufbau von AOL Europe forderten sie 3,5 Milliarden Dollar.

Ein dreijähriger Justizkrimi folgte. Am Ende sprach eine kalifornische Jury Buettner und seinem Kollegen 209 Millionen Euro zu, man einigte sich schließlich außergerichtlich auf 160 Millionen. Auf die Hälfte davon - 80 Millionen Euro – folgte beim Hamburger nur kurz Freude, danach die Sinnkrise, die erst durch das Weissenhaus-Projekt beendet werden konnte.

Wer 15 Jahre zurückblättert und Buettners damalige Pläne mit dem Ergebnis vergleicht, stellt fest, nicht alles wurde realisiert. Selbst wenn die Vitalbar im Spa mitgezählt wird, kommt man nicht auf die angekündigten sieben Restaurants. Dafür gibt es im Schloss inzwischen Sterneküche, ein Privatkino und einen unterirdischen Tunnel zum Spa, der es den Gästen „erspart“, im Bademantel über den Schlossplatz laufen zu müssen. Kostenpunkt: eine Million Euro.

Buettners These ist, dass sich auch extrem wohlhabende Menschen im Urlaub über dieselben Sachen den Kopf zerbrechen, wie Pauschaltouristen. Dem Spiegel gegenüber sagte er einst: „Auch ein reicher Mensch hat keine Lust, nachts durstig aufzuwachen und zu überlegen, ob ihm sein Durst jetzt ein Acht-Euro-Mineralwasser aus der Minibar wert ist.“ Die Minibar sei deshalb in Weissenhaus inklusive. Für Preise ab 480 Euro pro Nacht.

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