Hamburg Schauspieler Oliver Mommsen hatte Startprobleme mit den Norddeutschen
Die Tatort-Zeit für Oliver Mommsen ist vorbei. Dafür feiert er im St.-Pauli-Theater an der Reeperbahn nächste Woche Premiere mit „Das perfekte Geheimnis“, in der ARD ist er ab 20. Mai in der in Flensburg angesiedelten Reihe „Schule am Meer“ als Foodblogger zu sehen.
Auf einer Bank an der Alster erzählt der 53-Jährige von seiner Zeit im Internat, „Deutschlands schönstem Flecken“ und seinem Lebensmotto.
Frage: Herr Mommsen, vermissen Sie den Tatort?
Antwort: Zurzeit kann ich mit einem strahlenden Gesicht sagen: Nee, ich habe gerade so viel Spaß ohne Plastikwaffe und so viele schöne Geschichten ohne Mord und Totschlag, dass sich die Frage gar nicht stellt.
Frage: Also leiden Sie nicht unter Phantomschmerz?
Antwort: Der Phantomschmerz geht bei mir so: Manchmal lege ich meinen Arm ins Leere, wo normalerweise die kleine Blondine gewesen wäre – Sabine Postel. Die fehlt mir. Und mir fehlt die Bremer Filmfamilie, aber es rückt jetzt ein Projekt in der Nähe von Bremen in greifbare Nähe, bei dem vielleicht ein paar von den Filmfuzzis wieder ins Spiel kommen.
Frage: Als Sie damals aus dem Tatort ausgestiegen sind, haben Sie mir gesagt: Wer Türen öffnen will, muss andere laut zuschlagen. Welche Türen haben Sie seitdem geöffnet?
Antwort: Die Türen in die bunte Welt, die ich mir gewünscht hatte. Wer mir wirklich treu geblieben ist, das ist die ARD. Da durfte ich vom Paketboten, der im Lotto gewinnt, über einen autistischen Wolkenforscher bis zum Weltenbummler und Footblogger, der an eine Berufsschule kommt, alles spielen.
Frage: Eine andere Tür ist das Theater.
Antwort: Die war schon immer offen. Durch die Tatort-Bekanntheit bin ich auch für das Boulevard-Theater interessant geworden, ganz gleich ob in der Komödie am Kudamm oder hier im Winterhuder Fährhaus. Da kommen die Leute, weil sie jemanden aus dem Fernsehen kennen und jetzt mal sehen wollen, wie der riecht und schwitzt.
Frage: Und am 18. Mai haben Sie hier im St.-Pauli-Theater auf der Reeperbahn Premiere mit „Das perfekte Geheimnis“.
Antwort: Das ist das Auffangbecken für ehemalige Plastikwaffenträger mit gefälschtem Dienstausweis (lacht). Sebastian Bezzel ist ja auch dabei und war mal Tatort-Kommissar. Für mich ist es das erste Mal an diesem Theater, und ich freu mir einen Ast ab. Das habe ich Johanna Gehlen zu verdanken. Die hat gesagt: Dieser Schönheitschirurg, der sagt „Zwei Titten zum Preis von einer“, das ist was für den Mommsen (lacht).
Frage: Haben Sie vor so einer Premiere eigentlich noch Lampenfieber?
Antwort: Lampenfieber fängt bei mir in dem Augenblick an, in dem ich das Drehbuch zu lesen bekomme. Die Aufregung ist immer da – die Frage ist, in welchen Dosen sie dich überkommt und ob man sie im Griff hat. Früher war es so, dass sie teilweise meinen Spieltrieb gehemmt hat und ich verkrampft war. Manchmal habe ich damit geliebäugelt, einfach vom Set abzuhauen – da hatte ich noch keine Kinder und dachte: Was soll der Scheiß? Jetzt ist es so, dass ich etwas vermissen würde, wenn die Aufregung nicht da wäre. Dann wäre ich wahrscheinlich tot. Aber natürlich geht mir immer noch die Muffe.
Frage: Haben Sie eine Technik, damit umzugehen?
Antwort: Ich bereite mich leidenschaftlich gerne richtig gut vor. Es gibt ja den Theaterspruch: „Wer probt, ist feige, und wer Text lernt, fällt seinen Kollegen in den Rücken.“ Und es gibt das Boulevardgesetz „Text flüssig, den Kollegen keinen Schlagschatten machen und nicht gegen die Möbel stoßen“ (lacht). Aber im Ernst: Ich versuche, das durch Fleiß in den Griff zu kriegen und mich körperlich auszutoben, damit ich den Kopf mal leer kriege. Ansonsten geht es ums Spaßhaben.
Frage: Einer Ihrer Gründe, aus dem Tatort auszusteigen, war die Tatsache, dass Ihre Kinder flügge geworden sind.
Antwort: Ja, es war die Möglichkeit, noch mal etwas zu wagen.
Frage: Wie schwer war es denn für Sie, die Kinder ziehen zu lassen?
Antwort: Als Oscar ausgezogen ist, war vier Tage später das Zimmer gestrichen, Nici saß drin und sagte: Jetzt habe ich zum ersten Mal seit 18 Jahren ein eigenes Zimmer. Als Lotte ausgezogen ist, hatte ich am Nachmittag desselben Tages schon gestrichen. Insofern war der Übergang super. Aber die sind ja auch nicht plötzlich gegangen – schon während der Schule haben wir kaum noch zusammen Abendbrot gegessen, und auch unsere „Siedler von Catan“-Schlachten wurden seltener.
Frage: Das Erwachsenwerden der Kinder zeigt einem ja auch, dass man selbst älter wird. Macht es Sie manchmal nachdenklich, jetzt auch schon ein Mann jenseits der 50 zu sein?
Antwort: Im Gegenteil, eigentlich fange ich jetzt erst an, richtig Spaß zu haben, und mag es viel mehr als noch vor Jahren. In meiner Pubertät war ich unglaublich verkopft, mir war immer wahnsinnig wichtig, was die anderen von mir denken. Ich habe mir selbst auf den Füßen gestanden, das ging bis in die Schauspielerei. Ab 40 fing es dann an, dass ich zu meinen ganzen Macken und Fehlern sagen konnte: Ist halt so, scheint wohl zu mir zu gehören. Dadurch bin ich friedlicher und freundlicher mit mir selbst geworden, und das genieße ich total. Na klar – wenn ich sehe, dass meine Tochter in die Welt rausgeht, mein Sohn in Amsterdam studiert und was die alles erleben, denke ich manchmal: Ja, das ist verdammt lang her, dass ich dieses unbeschwerte „Mir gehört die Welt“-Gefühl hatte. Trotzdem freue ich mich über das, was jetzt ist.
Frage: Sie sind ja jetzt nicht nur im Theater, sondern auch in der neuen ARD-Reihe „Schule am Meer“ zu sehen. Da spielen Sie einen erfolgreichen und von Frauen umschwärmten Foodblogger – das war Ihnen wahrscheinlich gar nicht so fremd, oder?
Antwort: (Lacht) Das Projekt wurde tatsächlich bei Studio Hamburg für Anja Kling und mich entwickelt. Wir hatten gerade zusammen einen Film gedreht, uns darin auch mal gestritten – und da sah man, dass es funktioniert. Es hat eine ganze Weile gedauert und sah zwischenzeitlich auch nicht gut aus, aber jetzt finde ich, dass der erste Film schon mal ein schöner Gruß aus der Küche ist, der super für den Freitagabend passt. Aber in Sachen Wortwitz freue ich mich noch auf mehr. Die Weichen sind gestellt: Anja leitet diese Schule, und ich komme als Weltenbummler und Frauenheld dazu – das Prinzip Ordnung trifft auf das Prinzip Chaos. Und ich darf das Chaos sein. Das macht natürlich einen Riesenspaß.
Frage: Das Ganze spielt ja in Flensburg. Seit letztem Jahr gibt’s einen Flensburg-Krimi und jetzt auch noch die „Schule am Meer“. Ist Flensburg das neue Münster?
Antwort: Es ist mir ein Rätsel, warum da noch nicht mehr gedreht wurde. Man hat die Flensburger Bucht, ist schnell in Dänemark und hat Schleswig-Holstein vor der Nase – da kann man unglaublich viel erzählen. Dass die Filmleute jetzt langsam wach werden, war eigentlich nur eine Frage der Zeit. Das Lustige ist: Ich hatte da schon vor 20 Jahren mehrere Drehtage für „Der Fürst und das Mädchen“ mit Maximilian Schell. Damals kam ich ins Hotel an der Flensburger Förde, fast schon in Glücksburg und dachte: Oje, das ist aber alt hier. Nicht so mein Fall. 20 Jahre später komme ich in dasselbe Hotel, guck mir das an und denke: Das ist aber gemütlich. Richtig schön. Um nach ein paar Tagen zu merken: Nein, das ist ja dasselbe Hotel wie damals (lacht). Damals dachte ich: Alter, du kommst hier nie wieder weg, was machst du hier eigentlich abends? Und jetzt radle ich da rum und genieße es in vollen Zügen. Abends schlafe ich jetzt.
Frage: Sie waren ja drei Jahre auf dem Internat Louisenlund an der Schlei. Hat der Dreh jetzt auch Erinnerungen an diese Zeit geweckt?
Antwort: Total. Meine Eltern haben ja immer das viele Geld für diese Internate in Salem und Louisenlund in die Hand genommen, weil es darum ging, die bestmögliche Ausbildung zu bekommen und Beziehungen fürs Leben zu knüpfen. Wir hatten tatsächlich fantastische Pädagogen, die wichtigsten für mich waren Sanne Berg und Moody Mauch, die Theaterleiter in Louisenlund. Die sind schuld daran, dass wir beide jetzt hier sitzen. Ich habe heute noch Kontakt zu ihnen und sie auch besucht, als wir hier gedreht haben. Ein Kumpel von mir hat eine Ferienremise in der Nähe von Eckernförde, da habe ich mich eingenistet während der Dreharbeiten. Ich mache ja auch ganz viele Theatertourneen und habe festgestellt, dass Schleswig-Holstein eigentlich der schönste Flecken ist, den wir in Deutschland haben.
Frage: Sagen Sie das auch über die jeweiligen Orte, wenn Sie in Bayern, Mecklenburg oder im Münsterland drehen?
Antwort: Ich fühle mich tatsächlich seit mehreren Jahren überall wohl, wo ich bin. Vielleicht weil ich diesen Berlin-Blick habe: Es muss nicht perfekt sein, und irgendwie kriegt man aus jeder Brache noch einen Club. Wir sitzen hier gerade an der Alster und gucken auf 50 bunte Bötchen – was willste mehr? Könnte passieren, dass ich sage: Hier ist es auch am schönsten (lacht). Aber Schleswig-Holstein ist gerade mein absoluter Favorit. Du hast ja nicht viel – Felder, den Himmel und das Wasser. Und das ist alles so klar. Da sagt meine Seele: Jetzt muss ich mich nicht mehr so aufregen.
Frage: Sie sind ein Düsseldorfer Jung, der in Kehl am Rhein aufgewachsen ist. Wie war es als Jugendlicher für Sie, hier in den Norden zu kommen?
Antwort: Ich kam hier erst mal gar nicht klar und bin auch gleich angeeckt. Der Erste, der sich ein bisschen um mich gekümmert hat, sagte dann: Pass mal auf, wir Norddeutschen brauchen immer ein bisschen, bis man uns hat. Aber wenn man uns hat, dann hat man uns fürs Leben. Und ich als rheinländische Frohnatur sagte ihm: Hömma, so viel Zeit hab ich nicht, können wir das nicht gleich erledigen (lacht)? Es war mühsam, und wir waren auch so doof: Louisenlund ist ein altes Anwesen und liegt direkt an der Schlei, das ist einfach gigantisch. Und wir Vollspacken, wir doofen, verwöhnten, pubertierenden Honks, könnten segeln oder Tennis spielen, sitzen aber bei strahlendem schleswig-holsteinischen Wetter hinter geschlossenen Fenstern, trinken beschissenen Filterkaffee, rauchen eine Kippe nach der anderen und langweilen uns.
Frage: Womit haben Sie damals am meisten gefremdelt?
Antwort: Mit den Menschen, mir war das alles ein bisschen zu schick. Ich kam ja aus Salem, wo die Schüler wirklich aus der ganzen Welt stammten. Und am Wochenende ging ein Zettel rum, auf dem man aufschrieb, wie viel man trinken will, und dann sind wir mit dem Wagen von der Freiwilligen Feuerwehr nach Stefansfeld ins Dorf zur Kneipe an die Laderampe gefahren und dann weiter zur Kiesgrube, wo wir wunderschöne Feste gefeiert haben. Dann bin ich in Salem rausgeflogen – vielleicht auch wegen dieser Feste – und kam in Louisenlund an, hatte erst mal Startschwierigkeiten, aber freute mich aufs Wochenende. Ich komme in den Speisesaal – und dann sitzen da zwei armselige Restschüler. Der Rest war zu Mami und Papi nach Hamburg gefahren. Das war irgendwie nicht meine Welt. Es hat also gedauert.
Frage: Gab’s auch etwas, das Ihnen sofort zugesagt hat?
Antwort: Ich habe irgendwann den großen Einzelgänger gegeben – mit schwarzem Rollkragenpullover und Sartre lesend, ohne ihn zu verstehen. Und so habe ich endlose Spaziergänge an der Schlei gemacht, das habe ich sehr genossen. Da gibt’s Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge, die sind einfach zum Niederknien.
Frage: Dann noch zwei abschließende Schleswig-Holstein-Fragen: „Moin“ oder „Moin moin“?
Antwort: „Moin moin“ ist ja schon wieder ein bisschen geschwätzig (lacht). Also „Moin“. Das sagt doch alles.
Frage: Fischbrötchen oder Krabbenbrötchen?
Antwort: Fischbrötchen, und zwar bis zum Abwinken, die kommen mir schon aus den Ohren raus. Flensburg hat eine gigantische Fischbrötchenbude und Eckernförde auch. Ich habe mal auf dem Darß gedreht, da gab’s auch so eine geile Fischbude. Wir haben dann schon morgens vor dem Dreh Fischbrötchen gefrühstückt, uns dann hintereinandergestellt und gegenseitig angerülpst. Die Aufgabe war dann zu raten, ob es Bismarck, Matjes, Aal, Makrele oder sonst was war. Völlig verroht, aber geil (lacht).
Frage: Ich ahne langsam, warum Sie sich selbst mehrfach schon als Pausenclown beschrieben haben. Wie hat sich das denn zu Schulzeiten bemerkbar gemacht?
Antwort: Ich hab Lehrer parodiert und meine Oma für ’ne Pointe verkauft. Das ist heute noch so: Wenn Leute lachen, weil ich was Lustiges mache, ist es ein schönes Gefühl.
Frage: Das würde die Oma aber jetzt nicht gerne hören.
Antwort: Doch, die war da ganz auf meiner Seite, weil sie auch gerne gelacht hat. Das habe ich von meinem Vater geerbt – der fühlte sich immer an großen Tafeln für die Stimmung verantwortlich. Das ist anstrengend, und bei wachsendem Alkoholkonsum kann die Stimmung dann auch mal kippen. Das bin ich zum Glück losgeworden. Früher konnte es passieren, dass meine Freundin sagte: Du hast dich innerhalb von fünf Sekunden vom charmantesten Menschen der Welt zum größten Arschloch entwickelt. Das lasse ich jetzt weg und kann auch mal über andere lachen.
Frage: Pausenclowns sind ja auch nicht unbedingt Lehrers Liebling.
Antwort: (Lacht) Nee. Dass ich überhaupt in Louisenlund Abitur machen durfte – danke, liebe Pädagogen. Das hatte viel mit Geduld zu tun, da wurde gekittet, geredet, und mal ist auch die Mutti angereist. Irgendwann hat mir auch die Theater-AG den Arsch gerettet. Moody Mauch, also Dr. Helmut Mauch, war der Theaterleiter, und wir sind bis heute Freunde, genauso wie seine Frau Susanne Berg. Moody war auch dafür verantwortlich, dass ich Zivildienst gemacht habe. Er hat mir gesagt, dass ich nicht zur Bundeswehr gehen muss – wovor ich eine Riesenangst hatte, weil ich mit Autoritäten nicht klarkam und befürchtete, dass ich da sofort eingeknastet werde. Moody hat mir erklärt, wie es geht zu verweigern.
Frage: Wir müssen noch übers Kochen sprechen. In der „Schule am Meer“ spielen Sie einen erfolgreichen Foodblogger und Starkoch. Es heißt, Sie hätten dafür ein Praktikum bei Steffen Henssler gemacht.
Antwort: Ein Praktikum war das nicht. Unsere Autoren, die Producerin und ich durften ihn einen Nachmittag mit unseren Fragen nerven. Während dieses Termins sagte er mir: Komm doch mal vorbei ins „Henssler Henssler“, seinen Sushi-Laden am Hafen. Ich hab ihm gesagt: Du machst gerade einen Fehler, ich komme wirklich. Und das habe ich dann auch gemacht. Um 16 Uhr bin ich angetanzt, er hat mich seinem Küchenchef übergeben, und dann stand ich da in der Henssler-Uniform in der offenen Küche. Ich habe tatsächlich den einen oder anderen Teller anrichten dürfen, hab gelernt und alles aufgesogen – das war großartig.
Frage: Das war dann Ihre Vorbereitung für den Film?
Antwort: Nee, da das Projekt ja schon länger angedacht war, hatte ich eine enorme Vorbereitungszeit, habe Netflix und Co. leer geguckt, jede Koch-Doku gesehen – es ist unglaublich, auf welche Charaktere man da stößt. Mein Lieblingsfilm in dieser Zeit war „Ratatouille“. Ich habe aber auch „Geheimnisse eines Küchenchefs“ von Anthony Bourdain gelesen – aus den 80er-Jahren, als sie nur gekokst und im Kühlhaus gevögelt haben. Deswegen dachte ich, als ich zu Steffen Henssler kam: Yeah, jetzt geht’s los. Und dann stehst du in der Küche, und alles ist eingetaktet wie in einem Operationssaal.
Frage: Können Sie in der Küche denn jetzt mehr als Sebastian Fitzek?
Antwort: Wieso? Was kann der denn?
Frage: Der hat einem Kollegen letztens verraten, dass er wohl Nudeln kochen kann, beim Spiegelei dann aber Probleme hat.
Antwort: Bei uns war es so: Meine Tochter wusste immer, dass ich vom Drehen wieder zurück bin, wenn sie in die Küche kam und die Bolognese stand auf dem Herd. Mittlerweile kriege ich auch Schweinefilet mit Spargel hin. So langsam kriege ich das mit dem Einkaufen, Planen und dann auch Verwerten auf die Reihe. Aber: Sebastian Bezzel hat uns jetzt während der Theaterproben zu einer Spaghetti bolognese eingeladen – da kann ich mich beerdigen. Der kann richtig kochen.
Frage: Gibt es ein Gericht, das Sie besser können als jedes Restaurant?
Antwort: Nein, definitiv nicht. Aber ich kann ganz passabel Königsberger Klopse.
Frage: Mit Kapern oder ohne?
Antwort: Mit Kapern natürlich. Das Säuerliche mach’s ja auch aus.
Frage: Eine Journalistin hat Ihre Gemütslage mal als „irgendwas zwischen sehr guter Laune und Losfliegen“ beschrieben, und ich habe Sie auch noch nicht anders erlebt. Gibt es etwas, das Sie so richtig auf die Palme bringt?
Antwort: Mit Ungerechtigkeit komme ich gar nicht klar. Und vor brutaler Dummheit habe ich große Angst. Wenn ich mich richtig ärgere, bin ich aber meist alleine, das möchte ich nicht unbedingt zeigen. Und im Zweifelsfall mache ich mich selber fertig, das habe ich jetzt wieder während Corona gemerkt. Als plötzlich alles wegbrach – die Theatertournee, die Filme –, hatte ich erst mal diese großen Projekte wie Keller aufräumen, jeden Tag ein Theaterstück lesen und so weiter, aber irgendwann bin ich mir selbst so was von auf die Nerven gegangen. Ansonsten kann ich aber unheimlich gut immer noch den Punkt entdecken, an dem ich sage: Moment mal, das ist doch eigentlich ganz okay. Das habe ich von den Amis gelernt – ich bin ja ein Kind der 80er-Jahre-Mainstream-Amerika-Kino-Gehirnwäsche. Und die Amis hatten bei allem immer ein Quäntchen Hoffnung und eine Prise Humor. Das hilft mir enorm.
Frage: Als Ihr Lebensmotto haben Sie mal „Hinten kackt die Ente“ ausgegeben. Das müssen Sie mir noch ein bisschen erklären.
Antwort: Das heißt so viel wie: Abgerechnet wird zum Schluss. Oder: Immer an der Wand lang, irgendwo ist die Tür. Ein Beispiel: Oscar und ich wollten ins Kino, wir kommen an, und der Gelbeutel ist weg. Oscar drehte durch, da war er noch ganz klein – und ich sagte: Moment, Moment, vielleicht hat dein doofer Vater ihn einfach nur in der Küche liegen lassen. Wir fahren zurück, und wenn er dann nicht da ist, dann können wir verzweifeln. Das meine ich mit „Hinten kackt die Ente“ – meistens gibt’s immer noch einen Ausweg.