Weissenhaus  Luxus-Hotel am Ostseestrand – hier tagen die Außenminister

Miriam Scharlibbe
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Von Miriam Scharlibbe
| 12.05.2022 10:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Zutritt nur mit Schlüsselkarte: Der Weg vom Weißenhäuser Strand zum Schloss in der Mitte des Grand Village Weissenhaus ist durch ein eisernes Tor versperrt. Foto: Miriam Scharlibbe
Zutritt nur mit Schlüsselkarte: Der Weg vom Weißenhäuser Strand zum Schloss in der Mitte des Grand Village Weissenhaus ist durch ein eisernes Tor versperrt. Foto: Miriam Scharlibbe
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Privatkino und Sterneküche: Im Fünf-Sterne-Hotel Weissenhaus an der Ostsee erwarten die G7-Außenminister neben absoluter Abgeschiedenheit einige Annehmlichkeiten.

Wer dahin möchte, wo die Mächtigen nächtigen, muss sich zuerst durch den Kieler Rund-um-Verkehr schlagen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit tuckert er dann auf den letzten Kilometern zum Luxushotel hinter einer Landmaschine auf der Bundesstraße dahin und verpasst fast den Abzweig nach links zum großen Dorf.

„Großes Dorf“ klingt natürlich nicht besonders imposant, darum hat Multimillionär Jan Henric Buettner sein Hotel lieber „Weissenhaus Grand Village“ getauft. Das „Resort und Spa“ am Meer ist Schleswig-Holsteins wohl teuerstes Hotel – und bis zum Sonnabend Tagungsort für die G7-Außenminister.

Die Zimmerpreise beginnen bei 480 Euro in der einfachsten Kategorie – pro Nacht. Für die „Signature Suite“ in der Premium Villa muss der 5-Sterne-Gast schon 2400 Euro auf den Tisch legen. Wer sein Erspartes für ein besonderes Wochenende zusammengekratzt hat, muss auf Restplätze hoffen – sich nur für ein oder zwei Nächte einzubuchen, das geht in Weissenhaus (das Hotel schreibt sich mit Doppel-S) normalerweise nicht.

Im Zimmerpreis enthalten sind übrigens das Frühstück und die Nutzung des Spas. Jede Massage, jeder Cocktail im Gewölbekeller (ab 15 Euro aufwärts) und vor allem das Abendessen im Sternerestaurant Courtier schlagen natürlich extra zu Buche. Wer in dem Gourmet-Restaurant speisen möchte, muss normalerweise rechtzeitig reservieren. Die Plätze sind abgezählt.

Bevor der erste künstlerisch anmutende Teller zum Gast kommt, passiert etwas Kurioses: die Servicekraft platziert mit weißen Handschuhen einen großen grauen Stein in der Mitte des Tisches. Was zunächst für wenig dekorativen Tischschmuck gehalten wird, enttarnt sich alsbald als findiger Butterteller. Der Stein ist eiskalt, der Brotbelag behält auch im Sommer die Form. Ja, man habe tatsächlich eine eigene Kühlschublade, nur für die Buttersteine in der Küche, versichert die Restaurantleiterin. Selbstverständlich sammle der Küchenchef die Steine bei seinen morgendlichen Spaziergängen am Weißenhäuser Strand selbst.

Schöne Geschichte.

Von der Terrasse des mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichneten Restaurants an der Rückseite des Schlosses haben die Gäste übrigens einen direkten Blick auf den Hubschrauberlandeplatz.

Wer dort ankommt, könnte auch direkt ins Sushi-Restaurant gehen. Oder er nutzt den unterirdischen Tunnel vom Schloss zum Spa im Nebengebäude. Vor den harten Verhandlungen nochmal kurz in die Salzkräutersauna? Warum nicht.

Wenn die Gespräche ins Stocken geraten, könnten sich Annalena Baerbock und ihre kanadische Kollegin Mélanie Joly aber auch auf dem Laufband in dem für Weissenhaus-Verhältnisse eher klein gehaltenen Sportbereich abreagieren.

Oder man gönnt sich eine Auszeit in roten Samtsesseln. Es sind zwar nur zwei Reihen, aber das Mini-Kino im Schlosskeller kann außerhalb von politischen Gipfeln jeder Hotelgast buchen. Das kostet noch nicht einmal extra. Die Filmauswahl ist zwar auf einige Blockbuster beschränkt und für den Preis einer Weissenhaus-Snackbox bekäme man im Standardkino drei große Popcorntüten, aber auch mit höherer Wahrscheinlichkeit störende Sitznachbarn.

Das Hotel, verspricht seinen Gästen übrigens „wohltuende Distanz, sichere Entspannung und echten Freiraum“. Für politische Verhandlungserfolge wäre das allerdings kontraproduktiv.

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