Aurich/Großefehn  Kindesmissbrauch: Aus Angst um Familie geschwiegen

Neelke Harms
|
Von Neelke Harms
| 11.05.2022 17:42 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Der Prozess wird vor dem Amtsgericht Aurich verhandelt. Foto: Romuald Banik
Der Prozess wird vor dem Amtsgericht Aurich verhandelt. Foto: Romuald Banik
Artikel teilen:

Einem 37-jährigen Großefehntjer wird sexueller Missbrauch einer Zehnjährigen vorgeworfen. Am Mittwoch sagte eine Zeugin vor dem Amtsgericht Aurich aus – doch dem Richter reichte das nicht aus.

Aurich/Großefehn – Vor sechs Jahren soll ein 37-jähriger Großefehntjer ein damals zehnjähriges Mädchen sexuell missbraucht haben. Am Mittwoch sagte eine heute 16-jährige Freundin, der das Mädchen sich anvertraut haben soll, gegen den Angeklagten aus. Doch dabei gab es ein Problem.

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, im Jahr 2016 sexuelle Handlungen vor der Zehnjährigen ausgeübt zu haben. Das Mädchen erstatte Anzeige – und am 27. April dieses Jahres begann der Prozess vor dem Amtsgericht Aurich. In der Anklageschrift heißt es, der 37-Jährige habe sich zuerst hinter dem Rücken des Mädchens über der Hose im Intimbereich gekratzt, die Hose daraufhin geöffnet und sie gefragt, ob sie so etwas schon einmal gesehen habe. Der Großefehntjer streitet die Vorwürfe ab.

Ereignisse mehr als fünf Jahre verschwiegen

Am Mittwoch bestätigte die Zeugin zwar die Anschuldigungen. Doch es gab ein Problem: Sie kennt die Vorwürfe selbst nur aus der Erzählung ihrer Freundin. Die 16-Jährige erklärte, mit ihr bei dem Angeklagten zu Besuch gewesen zu sein, um sich einen Film auszuleihen. Da sie ihn nicht gekannt habe, sei sie nicht mit ins Haus gegangen. Nach fünf bis zehn Minuten sei ihre Freundin weinend und ohne Film wieder aus dem Haus gekommen. Erst als sie wieder zu Hause waren, habe sie ihr geschildert, was vorgefallen sein soll.

Man habe sich damals darauf geeinigt, niemandem von dem Vorfall zu erzählen. Der Angeklagte habe gedroht, dass der Familie des Mädchens sonst etwas Schlimmes passiere würde. Mit zehn Jahren habe sie die Situation noch nicht einschätzen können. „Ich habe gedacht, das sei etwas Normales, dass so etwas vielleicht mal passiert“, sagte die 16-Jährige.

Weitere Zeugin soll Klarheit bringen

Dem Richter Simon Breuker reichte die Aussage der Zeugin noch nicht, um sein Urteil zu fällen. Deshalb stimmte er einem Antrag des Verteidigers zu. Dieser wollte eine Verwandte des Angeklagten, die zum Zeitpunkt der vorgeworfenen Tat im Haus war, hören. Zum nächsten Termin wird sie als Zeugin geladen. Der Prozess wird am 1. Juni vor dem Amtsgericht Aurich fortgesetzt.

Ähnliche Artikel