Ihlow  Nach und nach kommen die Wörter

| | 09.05.2022 13:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die ehrenamtliche Lehrerin Anna Riegel spricht den Ukrainern die deutschen Wörter vor. Foto: Imke Cirksena
Die ehrenamtliche Lehrerin Anna Riegel spricht den Ukrainern die deutschen Wörter vor. Foto: Imke Cirksena
Artikel teilen:

An der Hermann-Tempel-Schule in Ihlow gibt es zwei Sprachkurse für Geflüchtete aus der Ukraine. Die Verständigung zwischen Lehrern und Schülern ist dabei nicht leicht.

Ihlow - Gespannt blickt eine Ukrainerin auf die Tafel in einem Klassenzimmer der Hermann-Tempel-Schule in Ihlow. Sie hört genau zu, wie die ehrenamtliche Lehrerin Anna Riegel die deutschen Wörter ausspricht, spricht sie nach und schreibt dann eifrig in ihr Notizbuch. Etwa 20 Geflüchtete aus der Ukraine kommen an jedem Donnerstagnachmittag zusammen, um Deutsch zu lernen. Eine weitere Gruppe trifft sich immer dienstags in der Schule.

Die Ukrainer verfolgen neugierig den Unterricht. Foto: Imke Cirksena
Die Ukrainer verfolgen neugierig den Unterricht. Foto: Imke Cirksena

Das Angebot an der Hermann-Tempel-Schule gibt es bereits seit Anfang April. Wenige Wochen, nachdem die ersten Geflüchteten in Ihlow angekommen sind, ging es los. Organisiert werden die beiden Kurse von der Gemeinde Ihlow sowie der Ländlichen Erwachsenenbildung in Niedersachsen (LEB), wie die ehrenamtliche Geschäftsführerin der LEB-Arbeitsgruppe Ostfriesland, Trientje Ehmen, erklärt. Über einen Spendentopf der LEB wurden deutsch-ukrainische Sprachführer für die Kursteilnehmer angeschafft. Die Gemeinde Ihlow stellt die Räumlichkeiten in der Schule zur Verfügung und übernimmt anfallende Kosten wie zum Beispiel für Kopien. Wichtig für das Gelingen des Kurses sind auch die Ihlower Ehrenamtlichen, die die Geflüchteten zur Schule fahren und wieder abholen.

Lehrer sprechen kein ukrainisch

Die Lehrerinnen arbeiten ebenfalls ehrenamtlich. Anna Riegel ist gebürtige Russin und kam für ihr Wirtschaftsstudium an der Hochschule in Wilhelmshaven nach Ostfriesland. Neben ihr übernehmen auch zwei ehemalige Englisch-Lehrerinnen, Maren Junker und Anke Enninga, die Deutschstunden für die Ukrainer. Ukrainisch spricht dabei keiner von ihnen. Riegel kann sich auf Russisch gut mit ihren Schülern austauschen. „Das haben sie in der Schule gelernt“, so die 35-Jährige. „Ansonsten läuft das mit Händen und Füßen“, so Ehmen.

Anna Riegel kann sich auf Russisch mit den Kursteilnehmern verständigen. Die Wörter schreibt sie auf Deutsch an die Tafel. Foto: Imke Cirksena
Anna Riegel kann sich auf Russisch mit den Kursteilnehmern verständigen. Die Wörter schreibt sie auf Deutsch an die Tafel. Foto: Imke Cirksena

Um Grammatik geht es in den Sprachkursen ohnehin noch nicht. Erst einmal stehen einzelne Wörter und Satzteile auf dem Lehrplan. Der Sprachkurs soll die Ukrainer aber auch auf den Arbeitsmarkt in Deutschland vorbereiten. Am Donnerstag stand deshalb das Thema Lebenslauf auf dem Plan. Riegel erklärte zunächst die grundlegenden Vokabeln und fragte die Ukrainer dann auf russisch nach ihren Berufen. Die sind bunt gemischt: Unter anderem sind drei Lehrerinnen dabei, eine Konditorin, eine Schneiderin, eine Krankenschwester, eine Kellnerin, eine Regisseurin sowie eine Sozialarbeiterin. Anschließend wurden die passenden deutschen Vokabeln dazu erklärt.

Nützliches Wissen: Am Donnerstag ging es um das Thema Lebenslauf. Foto: Imke Cirksena
Nützliches Wissen: Am Donnerstag ging es um das Thema Lebenslauf. Foto: Imke Cirksena

Die Gruppe besteht überwiegend aus Frauen, aber auch einige Jugendliche sowie zwei Männer sind dabei. Die Stimmung im Kurs ist entspannt und locker. Auch gemeinsames Lachen gehört dazu. „Ich unterrichte so, wie ich selbst Deutsch gelernt habe“, meint Riegel. Auch Hausaufgaben sind Teil des Kurses. „Viele üben auch zuhause“, meint Riegel, „wir sind schon gut vorangekommen.“ Am schwierigsten für die Ukrainer ist laut Riegel, die Aussprache des Deutschen zu erlernen. Die aktuellen Kurse laufen dabei noch bis Ende Mai. „Dann wird das Angebot wahrscheinlich noch einmal verlängert“, meint Ehmen.

Klassenfoto: Am Donnerstagskurs in der Hermann-Tempel-Schule nehmen etwa 20 Ukrainer teil. Einige fehlen auf dem Bild. Foto: Imke Cirksena
Klassenfoto: Am Donnerstagskurs in der Hermann-Tempel-Schule nehmen etwa 20 Ukrainer teil. Einige fehlen auf dem Bild. Foto: Imke Cirksena

Ähnliche Artikel