Berlin

Wie Menschen heutzutage beerdigt werden wollen

Torben Kessen
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Von Torben Kessen
| 05.05.2022 14:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der Friedhof ist ein wichtiger Ort der Trauer. Immer öfter finden sich Alternativen zu klassischen Gräbern. Symbolfoto Foto: imago images/Martin Wagner
Der Friedhof ist ein wichtiger Ort der Trauer. Immer öfter finden sich Alternativen zu klassischen Gräbern. Symbolfoto Foto: imago images/Martin Wagner
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Immer weniger Menschen in Deutschland möchten in klassischen Gräbern bestattet werden. Beliebter werden individuelle Angebote. Diese Möglichkeiten gibt es.

Wenn geliebte Menschen sterben, stehen die Angehörigen vor der Entscheidung, wie der Leichnam bestattet werden soll. Besonders schwierig ist die Entscheidung, wenn Partner oder Familien vorher nicht darüber gesprochen haben, wie sie am verabschiedet werden möchten.

In Deutschland war lange Zeit die Erdbestattung mit einem Sarg die gängigste Form, in den letzten Jahren haben allerdings Feuerbestattungen die Beerdigung im Grab überholt. Das Verhältnis beträgt mittlerweile 70 zu 30, wie die Gütegemeinschaft Feuerbestattungsanlagen mitteilt.

Bei der Erdbestattung handelt es sich um die traditionelle Beerdigung mit einem Sarg, der meistens aus Holz besteht. In Deutschland sind Beisetzungen im Erdreich mit einem Sarg nur auf Friedhöfen möglich. Meistens findet vor der Beisetzung eine Trauerfeier statt, die in der Kirche, in der Friedhofskapelle oder direkt am Grab abgehalten wird. Hier haben die Angehörigen und Gäste die Möglichkeit, sich von dem Verstorbenen zu verabschieden.

Außerdem ist es üblich, dass einige Zeit nach der Beisetzung ein Grabstein aufgestellt wird, der bei einem Steinmetz bestellt werden muss. Die Kosten sind höher als bei der Feuerbestattung – laut Stiftung Warentest muss bei einer Standard-Beerdigung mit Kosten in Höhe von etwa 12.000 Euro gerechnet werden.

Bei der Feuerbestattung wird der Leichnam eines Verstorbenen in einem Krematorium eingeäschert. Danach wird seine Asche in eine Urne gefüllt, die an verschiedenen Orten beigesetzt werden kann.

Bei einer Einäscherung muss beachtet werden, dass der ausdrückliche Wille des Verstorbenen zu Lebzeiten vorliegen muss. Am einfachsten kann dieser Wille durch eine Kremations- oder Bestattungsverfügung nachgewiesen werden, die frühzeitig verfasst wird. Die Kremierung dauert etwa 90 Minuten und die Asche wiegt danach etwa zwei bis drei Kilogramm.

Dadurch, dass der Verstorbene bei der Feuerbestattung noch kremiert wird, ist der Zeitraum zwischen Tod und Beisetzung in der Regel etwas länger als bei der Beerdigung mit einem Sarg. In Deutschland ist der Zeitraum zwischen Tod und Bestattung jedoch genau geregelt – in den jeweiligen Gesetzen der Bundesländer. Einheitlich ist, dass mindestens 48 Stunden nach dem Tod vergehen müssen. Die Maximal-Frist reicht von vier bis zehn Tagen.

Nach Angaben von Stiftung Warentest belaufen sich die Kosten bei einer Standard-Feuerbestattung auf etwa 9.500 Euro.

Der einzige Unterschied zur Erdbestattung mit einem Sarg ist hier, dass eine Urne verwendet wird. Der Ablauf ist identisch, nur das Grab ist etwas kleiner, da die Urne weniger Platz als ein Sarg benötigt. Eine spezielle Form der Aufbewahrung sind Kolumbarien, also Urnenwände in einem Gebäude mit mehreren Urnenkammern. Die Kammern sind in der Regel mit Steinplatten verschlossen, auf denen der Name und die Lebensdaten des Verstorbenen stehen.

Hier wird die Urne mit der Asche des Verstorbenen im Meer beigesetzt. Jahrelang war ein besonderer Bezug zum Meer nötig, um seebestattet werden zu können – diese Klausel wurde aber gestrichen. Beisetzungen auf dem Meer sind in vielen Gewässern möglich, etwa in der Nord- und Ostsee oder im Mittelmeer und im Atlantik.

Die Seebestattungen können mit und ohne Anwesenheit abgehalten werden. Mit der durchführenden Reederei kann abgesprochen werden, wie viele Gäste mit an Bord kommen können. Meistens sind das bis zu 50 Personen.

Auf dem Schiff ist die Urne in der Regel im Innenbereich aufgestellt und dekoriert. Die Flagge des Schiffes wird auf Halbmast gesetzt und die Seeglocke mit vier Doppelschlägen betätigt. Zusammen mit dem Kapitän bringen die Angehörigen die Urne zum Heck des Schiffes, wo diese nach der Abschiednahme ins Wasser gelassen wird.

Bei der Baumbestattung wird die Urne Wurzelbereich eines Baumes beigesetzt. Diese Art der Bestattung ist zwar noch relativ neu in Deutschland, wird aber von vielen wegen der Nähe zur Natur und der wegfallenden Grabpflege bevorzugt. Die verbreitetste Möglichkeit der Baumbestattung sind sogenannte Waldfriedhöfe. Dort können zwischen Familien-, Freundschafts-, Partner-, und Gemeinschaftsbäumen ausgewählt werden.

Zehn bis zwölf Urnen können an einem Baum Platz finden. Die Besonderheit bei den Gemeinschaftsbäumen ist, dass Verstorbene unabhängig von Verwandtschaft oder Beziehung ihre letzte Ruhe finden können. Für die Beisetzung wird eine spezielle Bio-Urne verwendet, die aus Bio-Kunststoff gefertigt ist und ökologisch abbaubar ist. Der Gedanke dahinter ist, dass die Urne eine geringere Belastung für die Umwelt sein soll.

Eine besonders kostspielige Art, um einen geliebten Menschen zu verabschieden, ist die Diamantbestattung. Es besteht die Möglichkeit, aus einem kleinen Teil der Kremierungsasche einen Diamanten herzustellen, der dann etwa an einem Ring getragen werden kann. Die restliche Asche kann in einer Urne beigesetzt werden.

Damit Sie am Ende einen fertigen Diamanten erhalten, muss ein Teil der Asche des Verstorbenen an einen Anbieter für die Herstellung von Diamanten aus Asche verschickt werden. Üblicherweise dauert der Prozess mehrere Wochen, manchmal auch Monate, bis Sie den fertigen Diamanten erhalten.

Die Kosten für einen Erinnerungsdiamanten sind abhängig davon, wie viel Karat der Diamant haben soll. Meistens beginnen die Preise für einen Diamanten bei etwa 4.000 Euro.

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