Hamburg/Sylt

Sylt Low Budget: So weit kommt man mit 20 Euro auf der Luxusinsel

Karolina Meyer-Schilf
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Von Karolina Meyer-Schilf
| 05.05.2022 13:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Was kostet die Welt? Wenig, wenn man gut plant und etwa das Neun Euro-Ticket nutzt. Foto: Imago Images/PantherMedia/Jenny Sturm
Was kostet die Welt? Wenig, wenn man gut plant und etwa das Neun Euro-Ticket nutzt. Foto: Imago Images/PantherMedia/Jenny Sturm
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Es ist die einzige Nordsee-Insel, die per Bahn erreichbar ist – und gilt außerdem als „Insel der Reichen und Schönen“. Das stimmt allerdings nur bedingt: Auch mit nur 20 Euro kann man dort einen Tag Spaß haben – und sogar (eine) Auster(n) essen.

Die Vorfreude der Sylter auf den Touristenansturm hält sich in Grenzen: Das 9-Euro-Ticket bereitet ihnen Sorge, denn die Insel erwartet ab dem 1. Juni einen Besucherzuwachs, der zusätzlich zu den vielen Pendlern und Touristen auf der ohnehin strapazierten Marschbahnstrecke alles zum Erliegen bringen könnte. Außerdem gilt das Ticket nicht nur für die Fahrt über den Hindenburgdamm im Regionalexpress, sondern auch in den Bussen der Insel.

Andersherum ist die Freude wahrscheinlich groß. Denn mit dem vergünstigten Ticket bietet sich auch für jene eine Gelegenheit zum Syltbesuch, die sich bislang aus finanziellen Gründen einen solchen Ausflug gespart haben.

Sylt gilt als „Insel der Reichen und Schönen“, auch wenn sich viele Gastronomen und Touristiker gegen das Image wehren: Mit den Jugendherbergen in List und in Hörnum und auch günstigen Apartments für Selbstversorger kann die nördlichste deutsche Insel nämlich durchaus ein Urlaubsziel für Preisbewusste sein.

Denn tatsächlich gilt: Viel braucht es nicht zum Glücklichsein auf Sylt. Mit ein bißchen Vorbereitung lässt sich ein Tag Sylt auch mit 20 Euro genießen – Austern inklusive! Hier eine Anleitung zum Billig-Urlaub auf der Luxusinsel:

Wir wären deutsche Strände ohne die Kurtaxe? Vermutlich deutlich vermüllter als ohne, auch wenn das Vorzeigen einer Gästekarte in immerhin eigentlich freier Natur immer etwas allzu Preußisches hat. Auf Sylt kostet eine Tagesgästekarte vier Euro für Erwachsene und zwei Euro für Kinder. Darin enthalten ist nicht nur der freie Zutritt zum Strand, sondern auch allerlei Ermäßigungen in bestimmten Geschäften und Museen. Vorab informieren kann sich also lohnen – zu den Rabatten geht es hier.

Natürlich kann man sich für einen Tagesausflug an die Küste Stullen schmieren. Auch der günstige Prosecco aus dem heimischen Aldi findet in einer Kühltasche Platz, so dass dem preiswerten Picknick am Strand nichts im Wege steht. Aber mindestens ein Fischbrötchen muss einfach sein, wenn man denn schonmal am Meer ist. Das Krabbenbrötchen schlägt derzeit beim Klassiker Gosch mit 6,50 Euro zu Buche.

Wer nicht ganz so hungrig ist, weniger Geld ausgeben will und es trotzdem etwas mondäner mag, kann sich auch Austern bestellen – oder erstmal nur eine: Mit einem Stück Baguette und Zitronenschnitz kostet die nur 3,80 Euro.

Gut, im Promi-Ort Kampen kommt man mit 20 Euro minus Fischbrötchen und Kurtaxe nicht wirklich weit – jedenfalls nicht, wenn man etwas kaufen will. Gucken aber ist auf alle Fälle erlaubt, und zwar nicht nur Klamotten und Schmuck, sondern vor allem: Leute. Die trifft man hauptsächlich auf der „Whiskymeile“, dem Strönwai. Hier liegen nicht nur die teuren Modeboutiquen, sondern vor allem Kultlokale wie das „Pony“ oder das „Gogärtchen“.

Die Tage, in denen Rudi Assauer seine Ex-Freundin Simone Thomalla in einem Streit in die Hecke schubste, sind zwar vorbei. Aber zum Sehen und Gesehenwerden eignet sich kaum eine Sylter Straße besser als der Strönwai.

Ebenfalls in Kampen liegt der Avenariuspark. Während alle Welt sich am Strand tummelt, gibt es hier Ruhe, Sitzbänke, Toiletten – und einen kostenlosen Bouleplatz. Wer hat, bringt seine Kugeln selber mit oder wird von bereits Spielenden eingeladen mitzumachen. Die Tourismus-Service hilft ansonsten aus: Hier kann man sich Kugeln ausleihen.

Natürlich gibt es auch auf Sylt Museen, und natürlich gibt es dort auch Kunst. Aber auch wenn zumindest Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren mit der museumsCard in viele Museen kostenfreien Eintritt erhalten, kann ein Besuch schonmal teuer werden. Eine Alternative, zumal noch mit aktueller Kunst, Malerei wie auch Plastik, ist hier die Stadtgalerie „Alte Post“. Sie wird im monatlichen Wechsel von den Sylter Kunstfreunden und der Gemeinde Sylt genutzt, der Eintritt ist frei.

9 Euro Ticket, Kurtaxe, eine Auster: Da ist auf jeden Fall noch Platz für einen Kaffee im Budget von 20 Euro. Rechnet man das Ticket nicht mit, das man ja ohnehin für den ganzen Monat kauft und nicht nur für diesen einen Ausflug, ist sogar noch das Krabbenbrötchen drin.

Chillen am Strand, ein kleiner Imbiss, Bummeln und Boulespielen in Kampen und Kunstgenuss in Westerland: Das Programm reicht also fast für mehrere Tage.

Wichtig: Um es sich mit den Syltern nicht zu verscherzen, sollte die An- und Abreise eher auf Randzeiten gelegt werden, typische Pendlerzeiten frühmorgens und frühabends sollte man ebenfalls vermeiden – und das Fahrrad lieber zu Hause lassen. Dann aber steht einem kleinen, preiswerten Ausflug ans Meer nichts mehr im Wege.

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