Berlin

Warum der Russen-Öl-Boykott das Gegenteil des Ziels bewirken kann

Burkhard Ewert
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Von Burkhard Ewert
| 04.05.2022 17:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 1 Minute
Seit knapp 60 Jahren sprudelt russisches Öl durch die «Druschba»-Trasse - übersetzt „Freundschaft“. Foto: Foto: Patrick Pleul/dpa
Seit knapp 60 Jahren sprudelt russisches Öl durch die «Druschba»-Trasse - übersetzt „Freundschaft“. Foto: Foto: Patrick Pleul/dpa
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Die EU will die Einfuhr von Öl und Ölprodukten unterbinden, um Russland zu schaden. Die offene Frage ist, ob sie damit bewirkt, was sie bezweckt. Es sieht nicht so aus.

Derzeit nehmen der Kreml und seine Konzerne aus dem Verkauf von Gas und Öl so viel Geld ein wie noch nie. Grund sind die bereits in den vergangenen Monaten drastisch gestiegenen Preise. Selbst bei einer reduzierten Abnahme steigt der Erlös.

Legen die Preise infolge eines EU-Boykotts noch mehr zu, profitiert Russland erneut – trotz der Sanktion. Es verkauft sein Öl dann nicht mehr in die EU – aber zu den höheren Weltmarktpreisen in andere Regionen. Alternativ kann es Rabatte anbieten und damit seinen politischen Einfluss ausbauen, während es keine geringere Einnahmen hätte als derzeit.

Die viel geforderte Sanktion kann damit das Gegenteil bewirken. Europas Kosten steigen, während der Schritt Russland nicht schadet und zugleich Probleme für Volkswirtschaften etwa in der Dritten Welt bedeutet.

EU-Kommission und Bundesregierung kennen diese Effekte. Sie haben sich gleichwohl für den Schritt entschieden. Die Idee, den Prozess kontrollieren zu können, wirkt anmaßend.

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