Osnabrück
McDonald’s-Unternehmer: Ich esse völlig ideologiefrei
Der Osnabrücker Unternehmer Christian Eckstein betreibt als Franchise-Nehmer 38 McDonald’s-Restaurants im Norden. Ein Gespräch über schnelles Essen, gesellschaftliche Diskussionen, vegane Herausforderungen und seine persönliche Einstellung zu vegetarischem und veganem Essen.
Frage: Herr Eckstein, Fast Food und vegetarisch/vegan, passt das zusammen?
Antwort: Ja klar, das ist für mich persönlich gar keine Frage! Letztendlich bestimmt der Gast, was auf seinen Burger kommt.
Frage: Wünscht der sich denn eine pflanzliche Alternative, wenn er in eines Ihrer McDonald’s-Restaurants kommt?
Antwort: Unser veganer Burger ist aktuell definitiv noch kein Massenprodukt. Aber die Nachfrage nach pflanzlichen Alternativen zum Fleisch wird immer größer. Damit wird auch das Angebot erweitert, auch wenn es nicht explosionsartig wächst.
Frage: Wie aufwendig ist es, in einem Schnellrestaurant für eine kleine Anzahl an Kunden pflanzliche Alternativen anzubieten?
Antwort: Das kommt darauf an, wie man Aufwand definiert. Schon heute werden Schweine- und Rindfleisch strikt getrennt voneinander zubereitet. Es ist also keine Frage des handwerklichen Könnens. Wenn wir morgen vor der Aufgabe stehen würden, von jetzt auf gleich auf vegetarisch umzustellen, könnten wir das in unseren Küchen darstellen. Voraussetzung dafür ist jedoch die Nachfrage unserer Gäste, und die ist aktuell noch nicht entsprechend hoch.
Frage: Ist das eine Kopfsache? Erwartet man vegetarische und vegane Produkte als Kunde bei Ihnen einfach nicht?
Antwort: Mit McDonald’s verbinden die Gäste Cheeseburger, Pommes frites und Big Mac. Aber Kunden trauen uns auch zu, Trends zu erkennen und auch zügig aufzugreifen. Auf der einen Seite ist McDonald’s also verlässliche Basis: Da weiß man, was man bekommt, und zwar immer und überall. Und auf der anderen Seite weiß der Gast aber auch, dass McDonald’s immer im Trend liegt, sich kontinuierlich verändert und anpasst. Man schaue auf die Digitalisierung im Restaurant. Es gibt bei uns keine Warteschlangen mehr an der Kasse, sondern der Gast bestellt an Terminals selbst. Nach anfänglicher Skepsis empfindet er das inzwischen als bessere Alternative.
Frage: Nun ist Digitalisierung jedoch etwas anderes als vegetarische oder vegane Ernährung. Wo sehen Sie McDonald’s hier?
Antwort: McDonald’s beobachtet den Markt sehr genau und testet lokal zeitweise auch in einigen unserer Restaurants mit verschiedenen Alternativen. Der Ruf nach diesen wird immer lauter – hat aber noch keine Dimension erreicht, welche zu dieser Zeit bereits maßgebliche Auswirkungen auf unser Produktportfolio hat. Ich glaube, dass wir von dem Wendepunkt noch etwas entfernt sind.
Die Statista-Grafik zeigt die beliebtesten Schnellrestaurants in Deutschland:
Frage: Die Wettbewerber sind in Sachen Veggie oft weiter. Warum ist man bei McDonald’s so zaghaft?
Antwort: Um hervorragende Qualität zu günstigen Preisen anbieten zu können, leben wir davon, dass neu einführte Produkte auch in angemessener Menge verkauft werden. Und hier gibt es einen Unterschied zwischen dem Wunsch der Kunden nach mehr alternativen Produkten und den tatsächlichen Bestellungen an der Kasse. Der Wunsch nach Alternativen wird größer, und diesen hören wir auch im Gästefeedback. Aber die Gruppe derer, die Alternativen kauft, ist noch nicht so groß, dass es sich lohnt, das Sortiment im großen Rahmen zu erweitern.
Frage: Für eine kleine Zielgruppe lohnt sich der Aufwand also nicht?
Antwort: Es braucht einen gewissen Durchsatz, damit ein Produkt schnell, in guter Qualität und zu einem vernünftigen Preis hergestellt werden kann. Wenige Verkäufe machen einen Burger nicht besser. Zumal mehr pflanzliche Alternativen auch zur Folge hätten, dass etwas anderes dafür aus dem Angebot entfernt werden müsste.
Frage: Was heißt das für die vegetarische und vegane Zukunft in Ihren Restaurants?
Antwort: Als McDonald’s treffen wir den Geschmack der breiten Mehrheit, daher sind wir an dieser Stelle nach außen nicht die Speerspitze der Innovation für vegane und vegetarische Produkte. Ich bin kein Produktentwickler, sondern Unternehmer im Franchise-System. Doch wir werden Kunden immer das anbieten, was sie von uns erwarten. Und da steht außer Frage: Immer mehr Menschen wünschen sich mehr Tierwohl und wollen sich alternativ ernähren. Aktuell wirkt sich das jedoch noch nicht auf das Bestellverhalten der großen Mehrheit unserer Gäste aus.
Frage: Wie groß muss der Zuspruch sein, damit Sie voll auf den Trend aufspringen?
Antwort: Der Zuspruch der Gäste muss relevant sein. Und bislang ist die Diskussion um das Thema vegane Ernährung größer als die Anzahl der Gäste, die den Trend nachfragen. Das zeigen auch Aktionen in Richtung veganer Angebote. Sie sind nicht in dem Maße angenommen worden, dass wir sagen würden: Wow, darauf müssen wir setzen. Wir haben traditionell schon immer einen Veggie-Burger im Angebot, aber es besteht ein großes Ungleichgewicht in der Nachfrage zwischen traditionellen Burgern und pflanzlichen Alternativen.
Frage: Woran liegt aus Ihrer Sicht die Diskrepanz zwischen Wunsch und Bestellverhalten der Kunden?
Antwort: Das ist total spannend. Mit dem Wunsch nach mehr vegetarischen oder gar veganen Alternativen drückt ein Teil der Gesellschaft in Deutschland auch ein moralisches Gefühl aus. Man möchte sich im Einklang mit der Natur und Gesundheit ernähren. Die Auswahl der Speisen bei uns im Restaurant fällt hingegen meist eher konservativ aus.
Frage: Ist das als Unternehmer manchmal frustrierend?
Antwort: Nein. Wir möchten unsere Gäste mit unserem Angebot zufriedenstellen. Die gesellschaftliche Diskussion über bessere Haltungsbedingungen oder weniger Fleischkonsum verfolgen wir aufmerksam und leisten in Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten unseren Beitrag. Entsprechende Programme von McDonald’s reflektieren die gesellschaftliche Verantwortung.
Frage: Wie halten Sie es persönlich mit der vegetarischen und veganen Küche? Überzeugt Sie die Fleischvariante eher oder die pflanzliche Alternative?
Antwort: Ehrlich gesagt, habe ich da keine Präferenz. Ich bin neugierig auf neue Dinge und probiere gerne vegetarische oder vegane Angebote. Schon allein, um mitreden und mir eine eigene Meinung bilden zu können. Bei McDonald’s in den Niederlanden habe ich vor Kurzem ein veganes Patty probiert, das Hühnerfleisch ersetzen soll. Das zum Beispiel hat mir gut geschmeckt. Ich esse völlig ideologiefrei: So wie heute vielleicht Rindfleisch oder Schweinefleisch auf den Tisch kommt, esse ich morgen vegan – solange es schmeckt.
Frage: Sind Sie beim Probieren auch schon reingefallen?
Antwort: Selten. Ich liebe Burger. Die Geschmackskomposition eines Klassikers wie zum Beispiel des Big Mac wie auch eine gegebenenfalls vegane Alternative.
Frage: Sehen Sie eine Zukunft ohne Fleisch, rein mit pflanzlichen Alternativen – auch beim Fast Food?
Antwort: Am Ende des Tages haben wir das Glück, uns frei entscheiden zu können, wie wir uns ernähren wollen. McDonald’s wird heute und auch in Zukunft Trends und Wünsche bei den Gästen im Angebot berücksichtigen. Ich bin mir sicher, wir werden zukünftig mehr alternative vegane und vegetarische Angebote sehen.