Osnabrück
Erst Hinrichtung, dann Liebesbrief: Eine Kriegsgeschichte
Wie vererbt sich die Kriegserfahrung über die Generationen? Für die Doku „Der Sog des Krieges“ bereist ein Sohn die Einsatzorte seines Vaters, eines Weltkriegssoldaten.
Er habe von den Folgen des Zweiten Weltkrieges und den Wirkungen auf die folgende Generation erzählen wollen, sagt Christoph Boekel über seinen Dokumentarfilm „Der Sog des Krieges“ und: „Ich wollte mehr über die seelische Destruktionskraft des Krieges erfahren, die unsere Familie zerstörte.“
Für die zwei sehr eindrücklichen Stunden seiner Dokumentation reiste Boekel an die Einsatzorte seines Vaters, die der überzeugte Wehrmachtsoffizier in seinen Tagebüchern verschlüsselt beschrieben hat. Zugleich stellt der Sohn einfühlsame Tagebuchnotizen und Briefe seines Vaters an seine Mutter, dem „lieben Cherielein“, gegenüber. Geschrieben von einem Mann, der kurz zuvor noch eine Hinrichtung geplant und durchgeführt hatte.
Boekel spricht mit seinen beiden Brüdern über die Kindheit mit einem Vater, dessen Zorn sich in zerstörerischer Wut entladen konnte. Ihre Mutter sagte später, dass ein anderer Mann aus dem Krieg zurückgekommen war, als der, den sie geheiratet hatte. Später ließ sie sich von ihm scheiden.
Als sein Vater 70 Jahre alt war, hat er das erste Mal mit Christoph Boekel über den Krieg gesprochen. Kurze Zitate von ihm sind zu hören: „Krieg ist das Sinnloseste, was es gibt“. Er bedeute den Verlust jeglicher Hoffnung auf ein sinnvolles Leben. Sein Ich habe er während des Krieges zur Aufbewahrung abgegeben. Es sind Sätze mit erschreckend aktuellem Bezug. Auch deshalb ist der Film so sehenswert.
Sendetermin: „Der Sog des Krieges - Eine Familiengeschichte“, 9. Mai, 22.25 Uhr, 3sat