Hannover
Warum tragen Sie beim Einkaufen noch Maske, Frau Behrens?
Sie blieb bisher von einer Infektion verschont und trägt weiter Maske: Im Interview verteidigt Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) den vorsichtigen Corona-Kurs Niedersachsens, räumt aber auch ein Versäumnis ein.
Frage: Frau Ministerin Behrens, Corona ebbt ab. Befürchten Sie, dass Ihnen als Gesundheitsministerin jetzt langweilig wird?
Antwort: Nein, die Sorge habe ich nicht. Es gibt neben Corona bei uns im Haus auch viele andere Themen, die wir bearbeiten. Und auch wenn in der Öffentlichkeit nicht mehr ganz so viel über Corona gesprochen wird, beschäftigt uns das Thema fachlich natürlich auch weiterhin. Schließlich haben wir nach wie vor ein munteres Infektionsgeschehen in Niedersachsen.
Frage: Das kann man wohl sagen. Niedersachsen hatte am Dienstag mit knapp 900 die höchste Sieben-Tage-Inzidenz aller Bundesländer. Dabei gehörte das Land stets zum "Team Vorsicht" und war mit den Corona-Regeln häufig strenger als andere Bundesländer. Oder ist vielleicht genau das der Grund für die hohe Inzidenz?
Antwort: Die hohe Infektionslage hat aus unserer Sicht zwei Hauptgründe: Erstens haben wir noch bis Ende voriger Woche in den Schulen und Kitas täglich getestet und zweitens saust bei uns die Omikron-Subvariante BA.2 später durch als es in anderen Ländern der Fall war. Das liegt sicherlich auch mit daran, dass wir bei manchen Öffnungsschritten zurückhaltender waren und Schutzmaßnahmen länger genutzt haben.
Frage: Also war Niedersachsen zu vorsichtig und holt bei den Infektionen momentan nach, was andere Länder schon hinter sich haben?
Antwort: Niedersachsen war ganz und gar nicht zu vorsichtig. Wenn es nach uns gegangen wäre, hätten wir erst vier Wochen später die wesentlichen Corona-Auflagen aufgehoben. Die hohe Infektionswelle im April wäre uns erspart geblieben, denn Wärme ist schlecht für das Coronavirus. Aber das hat der Bund bekanntlich anders entschieden und wir als Land mussten mitziehen. Es ging in den vergangenen Wochen ja neben dem Schutz jeder und jedes Einzelnen auch darum, zu verhindern, dass zu viele Menschen gleichzeitig erkranken und wesentliche Pfeiler unserer Gesellschaft aufgrund von Personalmangel nicht mehr funktionieren.
Frage: An der Testpflicht für Schulen und Kitas allerdings hätte das Land weiterhin festhalten können, hat sie aber nun abgeschafft. Wie passt das zusammen?
Antwort: In den meisten anderen Bundesländern gab es ja schon keine Testpflicht mehr und Niedersachsen hat nun nach intensiver Bewertung durch das Kultusministerium nachgezogen. Ich halte das für vertretbar, schließlich stellt das Land ja auch weiterhin drei Test pro Woche zur Verfügung, damit die Kinder, Jugendlichen und Lehrer sich freiwillig testen können.
Frage: Das Land könnte die Testpflicht aber jederzeit wieder einführen.
Antwort: Das stimmt, aber die Infektionen gehen zurück und daher zeichnet sich aus meiner Sicht mit Blick auf die Sommermonate keine Rückkehr zur Testpflicht an Schulen und Kitas ab.
Frage: Sind Sie bislang eigentlich ohne Corona durch die Pandemie gekommen?
Antwort: Ja, ich bin bis jetzt glücklicherweise verschont geblieben.
Frage: Liegt das möglicherweise auch daran, dass Sie beim Einkaufen und beim Zusammentreffen von Menschen in Innenräumen weiterhin Maske tragen?
Antwort: Ich weiß es nicht, aber das mag ein Grund sein. Ich finde, dass die Mund-Nasen-Bedeckung ein hervorragendes und einfaches Instrument ist, um Infektionsketten zu unterbrechen und sich selbst zu schützen. Daher kann ich nur an alle appellieren, beim Einkaufen und bei Veranstaltungen in Innenräumen mit vielen Menschen auch weiterhin Maske zu tragen.
Frage: Rückblickend: Welches war Ihr größter Fehler in der Corona-Bekämpfung? Was würden Sie im Nachhinein anders machen?
Antwort: Mit dem Wissen von heute hätten wir früher damit beginnen können, mit unseren Impfangeboten näher an die Menschen zu gehen. Die aufsuchende Impfarbeit über die mobilen Impfteams hat sich als sehr wirkungsvoll erwiesen. Wir wussten damals aber auch noch nicht, wie stabil der Impfstoff beim Transport ist und wie sich das mit der Kühlung verhält. Da sind wir heute schlauer.
Frage: Müssen wir uns auf eine neue Corona-Welle im Herbst einstellen?
Antwort: Das lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt schwer sagen. Fest steht aber: Je mehr Menschen sich impfen lassen, desto geringer ist die Gefahr einer weiteren Corona-Welle im Herbst.
Frage: Wie will Niedersachsen die Sommermonate nutzen und mehr Menschen von einer Impfung überzeugen?
Antwort: Unsere Impfwerbekampagne läuft zunächst bis zum 30. Juni weiter. Es ist eine gute Kampagne. Aber wir müssen leider feststellen, dass wir einige Menschen einfach nicht erreichen oder überzeugen können. Wer sich bis jetzt nicht hat impfen lassen, verweigert sich ja nicht aus Unkenntnis oder mangelnden Möglichkeiten, sondern es ist eine ganz bewusste Entscheidung gegen eine Corona-Schutzimpfung. Daher werden die Fortschritte durch die Kampagne vermutlich überschaubar sein. Aber jede Impfung zählt und ich freue mich über jeden der 700.000 ungeimpften Menschen in Niedersachsen, den wir doch noch von einer Impfung überzeugen können.
Frage: Die Isolation für Corona-Infizierte kann bundesweit künftig in der Regel schon nach fünf Tagen enden - mit einem „dringend empfohlenen“ negativen Test zum Abschluss. Wann setzt Niedersachsen das in die Tat um?
Antwort: Wir arbeiten momentan an der Änderung unserer Absonderungsverordnung und wollen im Laufe dieser Woche damit durch sein. Wir orientieren uns dabei am Rat aus der Wissenschaft. Ich gehe davon aus, dass die verkürzte Corona-Isolation bei uns in Niedersachsen ab Samstag greift.