Aurich

Prozess: „Hirsch“-Mitarbeiter schützten 17-Jährige vor Stalker

Franziska Otto
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Von Franziska Otto
| 03.05.2022 17:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Hand einer Frau öffnet die Nachricht „ich beobachte dich“ auf ihrem Handy. Foto: DPA
Die Hand einer Frau öffnet die Nachricht „ich beobachte dich“ auf ihrem Handy. Foto: DPA
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Ein 21-Jähriger wurde vom Amtsgericht Aurich verurteilt, weil er gegen ein Kontaktverbot seiner Ex-Freundin verstieß. Er verfolgte und bedrohte sie. Die 17-Jährige fand in einem Auricher Restaurant Schutz.

Aurich - Schon wieder hat ein 21-Jähriger wegen Stalkings vor dem Amtsgericht Aurich gestanden. Bereits im Februar lief ein Prozess gegen ihn in einer ähnlichen Sache. Sowohl damals als auch am Dienstag wurde er schuldig gesprochen und insgesamt zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Richterin Maren Hohensee sah es als bewiesen an, dass der 21-Jährige seine Ex-Freundin im vergangenen August verfolgt und bedroht hatte. Wohl nur dank des Eingreifens von Mitarbeitern des Restaurants „Hirsch“ in Aurich konnte damals Schlimmeres verhindert werden.

Die 17-Jährige beschrieb den Ablauf während der Verhandlung wie folgt: Mit einer Freundin war sie in Aurich unterwegs, sie aßen gemeinsam etwas beim City-Grill und kauften sich im Anschluss das Trendgetränk Bubble-Tea. Sie wurde jedoch nervös, hatte Angst, ihrem Ex-Freund über den Weg zu laufen. Er habe sie schon öfter bedroht. „Das Ganze war uns zu unsicher“, sagte sie. Sie machten sich auf den Rückweg Richtung St.-Ludgerus-Kirche am Georgswall.

Niemand griff ein

Schon auf dem Marktplatz sei ihre Befürchtung wahrgeworden, sagte die 17-Jährige. Ihr Ex-Freund sei in der Nähe des Kochlöffels mit Freunden unterwegs gewesen und habe sie entdeckt. Die beiden Mädchen verloren keine Zeit, jedoch sei ihr Ex-Freund ihnen gefolgt. Auf dem Weg durch den Carolinengang suchten sie im „Hirsch“ Schutz. Sie schilderten, was vorgefallen war. „Die Mitarbeiter haben uns ernstgenommen“, sagte die 17-Jährige.

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Der Ex-Freund verschwand, die beiden Mädchen gingen weiter zur Kirche. Dort sei er wieder aufgetaucht, sagt die 17-Jährige. „Ich habe ihm die ganze Zeit gesagt, er soll gehen.“ Sie habe ihn angeschrien und gehofft, dass andere Menschen auf ihre Notlage aufmerksam würden. Aber niemand habe eingegriffen.

Schutz im Restaurant

Die beiden Mädchen gingen wieder zum „Hirsch“ und riefen dort die Polizei. Ihr Ex-Freund habe versucht, das Lokal zu betreten. Ein Mitarbeiter habe ihn davon abgehalten und sich schützend vor die beiden Mädchen gestellt. Auch die Chefin sei dazugekommen und habe ihrem Ex-Freund mit einer Backpfeife gedroht, wenn er ihr Lokal nicht verlasse, sagte die 17-Jährige.

Nachdem er nicht zu ihr habe reinkommen können, habe er vor dem Fenster des Restaurants mit einem Finger an seinem Hals angedeutet, dass er ihr die Kehle durchschneiden wolle, sagte die 17-Jährige. Bestätigt wurde das von dem Mitarbeiter, der dem Ex-Freund den Weg zu den Mädchen versperrte. Auch er sagte am Dienstag im Prozess aus.

Warnschuss für Ex-Freund

Die 17-Jährige hatte Angst, dass ihr Ex-Freund seine Drohung wahrmachen könnte. Schon einmal hatte er ihr aufgelauert, sie in Höhe der Brandkasse in Aurich in eine Ecke gezogen, auf sie eingeredet und angeschrien. Unter anderem dafür wurde er im Februar verurteilt.

Im Prozess im Februar hatte der Ex-Freund keine Spur von Reue gezeigt. „Ich wurde in letzter Zeit nur als Täter gesehen und nicht als Opfer. Das finde ich schade“, hatte er gesagt. Nach der Verhandlung am Dienstag entschuldigte er sich. Richterin Hohensee sah bei dem 21-Jährigen den Willen zur Besserung. Neuere Vorkommnisse mit der 17-Jährigen habe es nicht gegeben, er verhalte sich korrekt, sagte sie. Deswegen bleibe es mit der Bewährung bei einem Warnschuss.