Ihlow

Fern der Heimat: Es tut weh

Gerd-Arnold Ubben
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Von Gerd-Arnold Ubben
| 03.05.2022 17:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Armando Iglesias (links) begrüßte die Anwesenden im Sand- und Water-Werk. Hier sitzt er mit Tamara und Mykola Aleksuichuk, die aus Kiew geflüchtet sind. Foto: Gerd-Arnold Ubben
Armando Iglesias (links) begrüßte die Anwesenden im Sand- und Water-Werk. Hier sitzt er mit Tamara und Mykola Aleksuichuk, die aus Kiew geflüchtet sind. Foto: Gerd-Arnold Ubben
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Das Sand- und Waterwerk in Simonswolde will Geflüchteten aus der Ukraine helfen. Denn es fällt ihnen schwer, sich einzugewöhnen. Ein Ehepaar berichtet.

Simonswolde - Die Solidarität für ukrainische Flüchtlinge, die in der Ihlower Gemeinde untergekommen sind, ist in der hiesigen Bevölkerung immens groß. Von allen Seiten erhalten sie Hilfe und Unterstützung.

Nun waren die Flüchtlinge mit ihren Gastgebern vom Team des Sand- und Water-Werks nach Simonswolde eingeladen worden. Während die Erwachsenen, überwiegend Frauen, den Tee, Kaffee und selbst gebackenen Kuchen bei herrlichem Sonnenschein in der Einrichtung genossen, spielten und tobten die Kinder unbeschwert in Ostfrieslands größtem Sandspielkasten und gingen auf Entdeckungsreise durch die Wasserlandschaft. Unter ihnen auch Tamara und Mykola Aleksuichuk aus Kiew.

Tamara und Mykola Aleksuichuk falle es schwer, sich hier einzugewöhnen, obwohl sie wunderbar aufgenommen worden seien. Sie möchten so gerne wieder zurück nach Hause, nach Kiew. Sobald der Krieg vorbei sei und die Umstände es zulassen, wollen sie sich wieder auf den Weg machen, übersetzte Armando Iglesias für Tamara Aleksuichuk.

Eheleute haben eine Wohnung in Hinte gefunden

Für eine kurze Zeit wohnten die beiden erst einmal bei Iglesias. Inzwischen haben sie eine Wohnung in Hinte gefunden. Iglesias spricht ukrainisch und russisch und fungierte am Sonntagnachmittag als Dolmetscher. Armando Iglesias kam 2019 im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienstes in das Europahaus nach Aurich. Weil es ihm hier so gut gefiel, stellte er einen Antrag, länger in Deutschland bleiben zu können.

Nun leistet Armando Iglesias, diplomierter ukrainischer Psychologe (das wird jedoch in Deutschland nicht anerkannt), bei der Ostfriesischen Beschäftigungs- und Wohnstätten GmbH (OBW) in Emden den Bundesfreiwilligendienst und sucht für die Zeit danach Arbeit. Seine Eltern halten sich nach wie vor in seiner ukrainischen Heimatstadt Horodyschtsche und seine Großeltern in Kiew auf. „Es war toll zu sehen, wie die Menschen im Laufe des Nachmittags immer mehr miteinander ins Gespräch gekommen sind. Wir möchten unsere Räumlichkeiten auf dem Sand- und Water-Werk Gelände auch zukünftig den Flüchtlingen anbieten, die sie frei und nach ihren Vorstellungen nutzen dürfen. Wir möchten ihnen einen geschützten Raum für jederlei Treffen anbieten“, erklärte Vereinsvorsitzende Erika Bongers. Gemeinsam mit ihrem Team hatten sie den Ukrainern einen wundervollen Nachmittag bereitet.

Weitere gemeinsame Aktionen sind geplant

Hier, so Erika Bongers weiter, können sich die Ukrainer regelmäßig als Gruppe treffen, um zu reden, sich untereinander auszutauschen – oder auch zum Grillen, Kochen oder zu Kaffee und Kuchen. Es bestehe die Möglichkeit, im Garten etwas in den Hochbeeten anzupflanzen, zu ernten und zu verarbeiten. Mütter können sich zusammentun und einfach nur mit den Kindern auf dem Gelände spielen, sich bewegen und die Natur genießen. Das könne alles in eigener Regie passieren, aber auch mit Unterstützung des Teams.

Ihr sei klar, so Erika Bongers, dass das sicher noch seine Zeit brauche. Denn die Flüchtlinge müssen erst einmal richtig ankommen und begreifen, was gerade alles um sie herum geschehe. Dennoch würden sie und ihr Team bereits gemeinsame Aktionen mit ukrainischen und deutschen Kindern planen.

Ohne die Unterstützung der beiden Übersetzer Armando Iglesias und Alexander Pochillenko, der Kasache lebt seit 33 Jahren mit seiner Frau in Deutschland, wäre dieser Nachmittag kaum möglich gewesen, bemerkte Erika Bongers abschließend.

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