Prominente

Schröders Norderney-Besuch sorgt für Unmut

Michael Hillebrand
|
Von Michael Hillebrand
| 02.05.2022 18:49 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Während seiner Zeit als Bundeskanzler war Schröder auch einige Male dienstlich in Ostfriesland gewesen, zum Beispiel anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Emder Hafens im Jahr 2002. Dieses Bild zeigt ihn am 1. Juli 2020 bei der Anhörung im Wirtschaftsausschuss des Bundestags zum Pipeline-Projekt Nord Stream 2. DPA-Archivfoto: Kay Nietfeld
Während seiner Zeit als Bundeskanzler war Schröder auch einige Male dienstlich in Ostfriesland gewesen, zum Beispiel anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Emder Hafens im Jahr 2002. Dieses Bild zeigt ihn am 1. Juli 2020 bei der Anhörung im Wirtschaftsausschuss des Bundestags zum Pipeline-Projekt Nord Stream 2. DPA-Archivfoto: Kay Nietfeld
Artikel teilen:

Altkanzler Gerhard Schröder hat Norderney besucht und kam dabei auch mit Passanten ins Gespräch. Wegen seiner Putin-Nähe gab es jedoch mindestens ein Hausverbot für ihn – und viel Kritik im Internet.

Norderney - „Hol mir mal ’ne Flasche Bier“ – „Nein, die kriegst du nicht bei mir“. Dieser Dialog zwischen Gerhard Schröder (SPD) und Tobias Pape ist zwar fiktiv, aber hätte jetzt theoretisch real werden können. Der Gastronom hat dem Altkanzler nämlich ein Hausverbot für sein Norderneyer Brauhaus erteilt, als er hörte, dass Schröder und seine Frau Soyeon Schröder-Kim auf der Insel Urlaub machen. Es ist nur eine von mehreren Reaktionen auf den Besuch des Gas-Lobbyisten und Putin-Freunds, auf die man auch in den sozialen Medien stößt. Wir haben uns durch die Beiträge geklickt und zudem mit zwei Einheimischen gesprochen, die direkten Kontakt mit dem Altkanzler hatten.

Was und warum

Darum geht es: Altkanzler Gerhard Schröder wurde auf Norderney gesichtet.

Vor allem interessant für: Leser, die sich für den Besuch von prominenten Persönlichkeiten in Ostfriesland interessieren.

Deshalb berichten wir: Uns war ein Foto von Gerhard Schröder aufgefallen, das ihn an der Norderneyer Promenade zeigt.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Pape gehört zwar nicht dazu und er könne sich auch nicht vorstellen, dass Schröder wirklich bei ihm vorbeigekommen wäre, sagt der Gastwirt auf Nachfrage dieser Zeitung. Stattdessen setze das Brauhaus mit dem Hausverbot ein symbolisches Zeichen gegen die nach wie vor bestehenden Kontakte zwischen Schröder und der russischen Staatsführung. Ob Pape der einzige Gastronom ist, der den 78-Jährigen ausschließt, ließ sich am Montag nicht in Erfahrung bringen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) auf der Insel antwortete bislang nicht auf eine Anfrage unserer Zeitung.

Reaktionen in den sozialen Medien

Pape ist allerdings nicht der einzige, der seine Kritik gegenüber Schröder öffentlich zum Ausdruck bringt, der sich nach wie vor nicht deutlich von Russlands Machthaber und dessen Angriffskrieg auf die Ukraine distanziert. So wird unter anderem auch in den sozialen Medien gelästert. „Die Eltern sind zurück von Norderney. Es war zwar schön, ,aber Gerhard Schröder war auch da.‘ Er hat sich 2 Paar Schuhe gekauft. Sagen sie“, frotzelt ein Nutzer der Plattform Twitter.

Auf Facebook wird unter anderem darauf verwiesen, dass sich Schröder während der vergangenen Tage auch öffentlich an der von Ukraine-Flaggen gesäumten Promenade gezeigt und Essen gegangen ist. „[Als Tischnachbar wäre ich] demonstrativ aufgestanden und gegangen. So etwas nennt sich Haltung zeigen“, versichert ein Nutzer. „Eigentlich brauchen wir hier nach der Pandemie so eine Negativ-Reklame nicht“, heißt es von jemand anderem. Eine weitere Person schreibt, dass man „den armen Privatmann“ doch in Ruhe seinen Urlaub auf Norderney genießen lassen soll. Immerhin könne dieser dort sein „Gas-Geld“ ausgeben.

„Auf Norderney ist es schöner“

Wilfried Lührs ist der ehemalige Redaktionsleiter der Norderneyer Badezeitung und einer der Passanten, die die Szene an der Promenade beobachtet und auch Schröder angesprochen haben. Laut ihm gab es einerseits Personen, die Schröder, seine Frau und sein Gefolge nicht erkannten oder erkennen wollten und ihm bewusst den Rücken zudrehten. Andere reagierten positiv und machten gar Selfies zusammen mit ihm. Der Altkanzler habe freundlich reagiert, aber auch den Eindruck vermittelt, als ob es ihm nicht gut gehe und er kränkele.

Lührs selbst habe zu dem 78-Jährigen gesagt, dass ja „offenbar nicht nur Borkum schön“ sei und damit auf Schröders früheres Ferienhaus auf der Nachbarinsel angespielt. „Auf Norderney ist es eigentlich noch schöner“, habe Schröder geantwortet. Lührs könne sich noch gut daran erinnern, wie der Altkanzler vor gut 15 Jahren sein Ferienhaus auf der Nachbarinsel gekauft hatte und damit den Parteigenossen auf Norderney auf den Schlips getreten sei, sagt er. Immerhin sei diese Insel die SPD-Hochburg gewesen – nicht Borkum. Vielleicht habe Schröder aber auch gerade deswegen dort Ruhe vor der Arbeit gesucht, mutmaßt der ehemalige Redaktionsleiter.

„Rein privates Gespräch“ mit Parteigenossen

Auch der ehemalige Marketingleiter der Norderneyer Kurverwaltung, Herbert Visser, hat sich am Wochenende mit Schröder unterhalten. Das bestätigt der ehemalige SPD-Kommunalpolitiker unserer Zeitung, der unter anderem auch schon an Bundesparteitagen teilnahm und vor vielen Jahren eine Landtags-Wahlkampf-Veranstaltung in Emden moderierte, an der auch Schröder als Gast teilnahm.

Das jetzige Gespräch zwischen den beiden Männern auf Norderney hatten auch weitere Passanten wahrgenommen, die es online kommentieren. Visser betont jedoch gegenüber unserer Redaktion, dass der Inhalt „rein privater Natur“ gewesen sei.

Bei seinem jetzigen Besuch auf Norderney soll Schröder im Hotel Seesteg untergebracht sein beziehungsweise gewesen sein. Das Hotel äußerste sich auf Nachfrage nicht dazu und verwies auf den Datenschutz. Auch eine Anfrage, die unsere Zeitung über Schröders offizielle Website verschickte, blieb unbeantwortet.

Ähnliche Artikel