Aurich
Drobs: Alkohol bleibt ein großes Thema
Der Drogenkonsum ist in der Pandemie weiterhin auf einem hohen Niveau. Der Leiter der Auricher Beratungsstelle Drobs hat eine Gruppe dabei besonders im Auge.
Aurich – Alkohol und Pfeifentabak sind laut dem aktuellen Suchtbericht, der von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) veröffentlicht wird, weiterhin die häufigsten Alltagsdrogen der Deutschen. Durch die Corona-Pandemie hatten Experten einen starken Anstieg bei Suchtmitteln befürchtet. Doch die Lage ist in Aurich nicht dramatischer geworden. „Der Drogenmissbrauch ist aber weiterhin auf einem hohen Niveau“, stellt Michael Frantz-Wielstra als Leiter der Auricher Fachstelle für Sucht und Suchtprävention (Drobs) Aurich fest.
Im Bereich der illegalen Drogen würde häufig minderwertiges Koks konsumiert. Die Nachfrage nach aufputschenden Mitteln, sogenannten Partydrogen, sei gewachsen. Gleichzeitig steige der Cannabis-Konsum. „Damit rauchen sich viele wieder runter“, so der Fachstellenleiter. Dieses Phänomen beobachte er jedoch schon seit Jahren, nicht erst seit der Pandemie. Was in den vergangenen zwei Jahren gestiegen sei, ist die Nachfrage von Angehörigen und Betroffenen bei erhöhtem Alkoholkonsum.
Viele Klienten nutzen Angebote regelmäßig wieder
Durch die geänderten Lebensumstände hätte manch einer häufiger zum Alkohol gegriffen, um sich trösten zu lassen. Wenn dies Angehörigen auffiel, suchten sie Hilfe bei der Drobs. Dort wurden viele Gespräche geführt, ab wann Alkoholkonsum gefährlich wird. „Das Jahrbuch Sucht vergleicht die Verkaufszahlen. Das hinkt etwas, denn nicht jede Flasche wird gleich ausgetrunken“, kritisiert Frantz-Wielstra das Vorgehen der DHS. Ihm sei es wichtiger, tiefgehender nachzufragen und die Gründe zu analysieren. Denn eigentlich verändere sich nicht so wahnsinnig viel.
Die Drobs Aurich hat etwa 600 Klienten im Jahr, dazu kommen etwa 300 Angehörige in den Beratungen. „Die Hälfte nehmen wir mit ins neue Jahr“, so der Experte. Etwa 30 Prozent der Klienten hätten schon früher Kontakt zur Beratungsstelle gehabt und kommen bei einem aktuellen Problem gerne wieder auf die gleichen Ansprechpartner zurück. Etwa 30 Prozent seien „neue Nasen“, die erstmals die Angebote der Drobs wahrnehmen.
Gespräche mit Jugendlichen als Auflage
Dabei hat die Auricher Beratungsstelle einen großen Anteil Jugendlicher zu betreuen. Dies liegt unter anderem an der Zusammenarbeit mit dem Jugendgericht. Dort werde häufig eine Gesprächsauflage bei der Drobs verhängt. „Wir sehen das nicht als Strafe, sondern verstehen dies als Chance, uns kennenzulernen und frühzeitig eine Beziehung aufbauen zu können“, sagt Frantz-Wielstra. Mit einigen würde man auch über die drei verordneten Termine hinaus im Gespräch bleiben. Andere erinnern sich später an die Drobs und kommen wieder auf die Suchttherapeuten zu.
„Früher hätte ich nie geglaubt, dass Kiffer freiwillig zu uns kommen“, sagt der Sozialpädagoge. Doch in seiner 33-jährigen Laufbahn habe sich das geändert. Er könne aber nicht bestätigen, dass der Cannabiskonsum durch das Rauchen von Wasserpfeifen gestiegen sei. Gerade Jugendliche würden durch die Präventionsarbeit des „Halt“-Projekts darauf aufmerksam, was Kiffen für ihren späteren Führerschein bedeuten kann. Zudem beobachtet Frantz-Wielstra, dass der anhaltende Alkoholkonsum für viele schlimmer sein kann als eine Cannabis-Phase.
„Das Kiffen geht bei vielen vorbei. Aber Alkohol ist gesellschaftsfähig und gehört immer noch bei vielen Anlässen dazu“, so der Fachmann. Dass die Prävention etwas bringt, zeigen laut ihm die Zahlen der Auricher Klinik. Dort würden seitdem wesentlich weniger komatös-betrunkene Jugendliche eingeliefert. „Vor dem Halt-Projekt waren das 180 im Jahr, eine hohe Zahl.“ Nun besucht eine seiner Kolleginnen jährlich die siebten Klassen, um die Jugendlichen für den Missbrauch zu sensibilisieren.