Berlin
Warum der Solardach-Boom ein „gewaltiges Problem“ ist
Ukraine-Krieg und Energiekosten-Explosion haben einen Boom zum Solardach ausgelöst. Was sich gut anhört, drohe aber bald schon „soziale Verwerfungen“ auszulösen, warnt der SPD-Spitzenkandidat in Schleswig-Holstein, Thomas Losse-Müller. Warum?
Im Trend von Eigenheimbesitzern, sich eine PV-Anlage aufs Dach zu setzen, liege „ein gewaltiges Problem“, sagte Losse-Müller im Interview mit unserer Redaktion.
Seine Begründung: „Wenn sich in einer Straße mit zehn Häusern vier Anwohner ein Solardach samt Wärmepumpe leisten können, die sechs anderen aber nicht, wird es für diese bald sehr viel teurer, während die anderen autark sind.“
Die Nachfrage nach Solaranlagen und Wärmepumpen zur Eigenversorgung ist in den zurückliegenden Wochen rasant gestiegen. Für den einzelnen Häuslebauer könne sich das zwar rechnen, sagte der SPD-Politiker. „Aber wer sich das nicht leisten kann, oder Mieter, die es nicht machen können, würden schon bald beim Strom und der Wärme massiv draufzahlen müssen“.
Das Argument ist einfach: Die Kosten des Betriebs würden auf viel weniger Menschen umgelegt. „Hier lauern gewaltige soziale Risiken, denen wir mit einem schnellen Ausbau einer öffentlichen dezentralen Energieversorgung vorbeugen müssen“, so der eindringliche Appell Losse-Müllers. Er warnt:
Zu verhindern sei das, „indem wir jetzt beim Ausbau öffentlicher Wärmenetze sofort aufs Tempo drücken und den Eigenheimbesitzern sagen , wir übernehmen das für Euch!“ Es müsse ein „Wärmeatlas“ aufgestellt werden, in dem für jede Gemeinde und jedes Wohngebiet festgelegt werde, wo bis wann ein öffentliches Wärmenetz errichtet werde. Das sei zwar eine enorme Steuerungsleistung, die das Land erbringen müsse, aber andernfalls „drohen massive soziale Verwerfungen“.
Der von den Grünen zur SPD gewechselte Politiker verwies auf Dänemark: Dort seien nach der letzten Energiekrise mehr als 60 Prozent der Haushalte an Wärmenetze angeschlossen worden, diese kämen nun ohne eigene Gas- oder Ölheizung aus. Die Wärme komme als heißes Wasser ins Haus.
„Das ist ein viel günstigerer Weg als der Umbau jedes einzelnen Hauses. Da große zentrale Wärmequellen effizienter sind, könnte dann auch auf das exorbitant teure Abdämmen aller Häuser verzichtet werden“, sagte Losse-Müller. Die SPD in Schleswig-Holstein fordere deswegen eine neue Infrastrukturgesellschaft des Landes, die diese Wärmenetze aufbaue. Eine gemeinschaftliche Wärmeinfrastruktur sei „um ein Vielfaches effizienter, billiger und sozial ausgewogener als individuelle Lösungen“.