Hamburg
850 teils skelettierte Schweine in Garrel: Diese Strafe droht Ex-Tierhalter
Ein ehemaliger Landwirt lässt offenbar 850 Schweine in Niedersachsen verhungern. Bestraft wird der Mann voraussichtlich aber nicht für die Tierquälerei, sondern weil er die teils skelettierten Kadaver der Tiere mutmaßlich nicht ordnungsgemäß entsorgt hat.
Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat Strafbefehl gegen einen früheren Landwirt beantragt, in dessen Ställen rund 850 Schweine verhungert sein sollen. Die Kadaver wurden im Spätsommer 2021 nach Hinweisen aus der Bevölkerung in Garrel, Landkreis Cloppenburg entdeckt.
Amtstierärzte stießen zunächst auf dem ehemaligen landwirtschaftlichen Betrieb des Mannes auf 250 tote Tiere, die offenbar Jahre zuvor sich selbst überlassen worden waren. Nach der polizeilichen Vernehmung des früheren Landwirts wurden dann zwei weitere Ställe im September durchsucht. Hier entdeckten Polizei und Behörde nach eigenen Angaben 600 weitere Schweinekadaver.
Die insgesamt rund 850 Schweine sollen bereits in den 2010er Jahren verendet sein, was aber offenbar niemandem aufgefallen war. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat nun ihre Ermittlungen in dem Fall abgeschlossen. Wie ein Sprecher mitteilte, ist Strafbefehl gegen den 49-jährigen früheren Landwirt beantragt worden.
Darin wird ihm aber nicht das Leiden der Schweine vorgeworfen. Die Tiere sind vermutlich elendig verhungert. Die mutmaßlichen Verstöße gegen das Tierschutzgesetz sind verjährt. Viel mehr wird dem Man vorgeworfen, die 850 skelettierten Kadaver nicht ordnungsgemäß entsorgt zu haben. Dies schreibt das sogenannte Tierische Nebenprodukte-Beseitigungsgesetz vor.
Das Gesetz sieht für Verstöße gegen das Beseitigungsgesetz eine Haftstrafe von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe vor. Akzeptiert der 49-Jährige den Strafbefehl, kommt er um eine öffentliche Verhandlung vor Gericht herum. Seine früheren Ställe wurden Ende September 2021 von einer Spezialfirma geräumt. Die Kosten musste seinerzeit er tragen.
Wenige Wochen später kam es zu einem vergleichbaren Fall im Landkreis Osnabrück. Hier hatte der Landwirt allerdings Selbstanzeige bei der Kreisbehörde erstattet. Im Stall entdeckten die alarmierten Veterinäre rund 300 Schweinekadaver. Vier Tiere hatten überlebt, eines musste aber unmittelbar eingeschläfert werden. Die Ermittlungen in diesem Fall stünden kurz vor dem Abschluss, heißt es aus Oldenburg.