Aurich
Wallstraße: Baumaschinen stehen in den Startlöchern
Viele Jahre ist auf dem ehemaligen Holert-Gelände in Aurich nichts passiert. Nun könnte alles sehr schnell gehen.
Aurich - Seit fünf Jahren plant die Niedersächsische Landgesellschaft (NLG) Neubauten auf dem ehemaligen Holert-Gelände. Am Donnerstag stellte der Auricher Geschäftsstellenleiter Jacobus Penning zusammen mit einem Architekten die Pläne für das Grundstück zwischen Wallstraße und Großer Mühlenwallstraße vor. Verwundert nahm die Politik zur Kenntnis, dass trotz der langen Planungszeit nur der Neubau in Höhe Wallstraße 20-24 fertig geplant ist. Sobald die Holert-Gebäude abgerissen sind, kann dort mit dem Bau begonnen werden. Penning rechnet mit dem ersten Spatenstich noch in diesem Jahr. Das zweite Gebäude, das an der Großen Mühlenwallstraße entstehen soll, existiert nur als grobe Skizze. Dort ist der Baubeginn erst im Jahr 2024 vorgesehen.
Das Haus an der Wallstraße wird dreigeteilt mit separaten Eingängen sein. Dort sollen sieben Wohnungen entstehen. An der Großen Mühlenwallstraße sind weitere acht Wohnungen vorgesehen. Die Idee, Autos unter den Häusern im Tiefparterre zu verstecken, ist vom Tisch. Es rechne sich nicht, sagt Penning, und technisch mache das Regenwasser dann Probleme.
Politiker erschrocken vom Massivbau mit Staffelgeschoss
Erschrocken zeigten sich einige Ratsmitglieder vom Staffelgeschoss, das im ersten Entwurf an der Großen Mühlenwallstraße angedacht ist. Ein sogenanntes Gründach könnte dort entstehen. Zu massiv, zu wenig verspielt sei der Entwurf. Bodo Bargmann outete sich als Anhänger der Stadthäuser, die Udo Fuhrmann an der Kleinen Mühlenwallstraße (ZOB) gebaut hat. So etwas in der Art könne er sich auch an der Großen Mühlenwallstraße vorstellen.
Penning zeigte sich aber bereit, dort auch mit einem herkömmlichen Satteldach zu planen. Es war Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß, die die Politik darauf hinwies, dass der Bebauungsplan an der Stelle auch ein Staffelgeschoss und eine relativ massive Bauweise zulasse. Das sei von der Politik so beschlossen worden. Rolle man den Bebauungsplan nun noch einmal auf, wäre das gesamte Ziel der Auricher Innenstadtsanierung in Gefahr.
Mehrfach fragten Gila Altmann (Grüne) und Reinhard Warmulla (Linke) nach dem Anteil von bezahlbarem Wohnraum, der in den beiden Gebäuden entstehen solle. Zunächst gab es keine Antwort. Schließlich sagte Penning, dass die NLG die Häuser verkaufen werde. Im Februar hatte er auf ON-Anfrage gesagt, dass an der Wallstraße Eigentumswohnungen entstehen sollen. Das sei auch das gute Recht des Investors, ergänzte Ausschussvorsitzender Manfred Möhlmann (CDU). Denn im Bebauungsplan sei kein bezahlbarer Wohnraum festgeschrieben worden. Mit großer Mehrheit stimmte der Ausschuss schließlich dem Verkauf der Grundstücke an die NLG zu. Per Eilentscheidung war bereits am Montag dieser Woche der Abriss der Holert-Gebäude vergeben worden. Daher werden auf dem gesamten Gelände in Kürze die Bagger rollen – zunächst für den Abriss, dann für die beiden Neubauten mit insgesamt 15 Wohnungen.
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NLG plant acht Wohnungen an der Großen Mühlenwallstraße