Osnabrück
Bundeswehr endlich aus der Schieflage befreien
Wenn es für Deutschland eine Lehre aus Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine zu ziehen gilt, dann die: Die Ausstattung der Bundeswehr muss endlich auf die Höhe der Zeit gebracht werden.
Es ist noch nicht lange her, da befand der Inspekteur des Heeres in seltener Deutlichkeit, dass die Truppe „mehr oder weniger blank“ dastehe. Hubschrauber, die nicht fliegen, Schützenpanzer, die nicht fahren, und U-Boote, die nicht tauchen - von all dem gab und gibt es in der Bundeswehr einfach zu viel. Das hat auch der jüngste Bericht der Wehrbeauftragten Eva Högl im März gezeigt.
Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine konnten die alarmierenden Bestandsaufnahmen gar nicht anders, als den politischen Betrieb in Berlin ordentlich durchzuschütteln. Mit einem Sondervermögen von 100 Milliarden Euro soll die Armee deshalb nachgerüstet werden. Die Frage ist nur: Wie schnell wird das gehen?
Wenn die Wehrbeauftragte im Bundestag davor warnt, dass ein Übermaß an Bürokratie die Prozesse der Modernisierung zu verlangsamen droht, so kann man ihr nur beipflichten. Zu groß sind die Versäumnisse, als dass man Zeit vertändeln könnte. Die Widerherstellung der Fähigkeit zur Bündnis- und Landesverteidigung gehört nicht auf die lange Bank geschoben. Verzögerungen bei der Instandsetzung von kaputtem Gerät und der Vergaben von Rüstungsaufträgen, wie wir sie aus der Vergangenheit kennen, sind inakzeptabel. Das Vergaberecht muss vereinfacht, Verwaltungswege müssen entschlackt, das Beschaffungswesen endlich effektiv werden.
Nur so kann die Truppe dem eigenen Anspruch „Train as you fight“ - Trainiere wie du kämpfst“ - auch irgendwann wieder gerecht werden. Hoffentlich früher als später. Schließlich hängt auch die Motivation der Soldatinnen und Soldaten an einer materiellen Ausstattung, mit der sich die aktuellen Aufgaben bewältigen lassen.