Aurich

Appell: Eltern sollten bei der Schulwahl zuerst an die Kinder denken

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 26.04.2022 17:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Dr. Dorothee Göckel (IGS Aurich, von links), Rüdiger Musolf (Gymnasium Ulricianum) und Kathrin Peters (Realschule Aurich) stellten ihre Schulen vor. Foto: Heino Hermanns
Dr. Dorothee Göckel (IGS Aurich, von links), Rüdiger Musolf (Gymnasium Ulricianum) und Kathrin Peters (Realschule Aurich) stellten ihre Schulen vor. Foto: Heino Hermanns
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In der kommenden Woche finden die Anmeldungen der Grundschüler für die weiterführenden Schulen statt. Eltern entscheiden dabei nicht immer im Interesse ihrer Kinder.

Aurich - In einer komfortablen Lage befinden sich in der Stadt Aurich alle Eltern von Viertklässlern. Sie müssen in diesen Wochen entscheiden, welche weiterführende Schule der Nachwuchs nach den Sommerferien besuchen soll. Im Gegensatz zu anderen Kommunen im Landkreis Aurich stehen mit der IGS Aurich, der Realschule Aurich und dem Gymnasium Ulricianum gleich drei unterschiedliche Schulformen zur Verfügung.

Anmeldungen für Klasse 5

Alle drei Schulen bieten im Internet weitere Informationen über die Schulformen sowie über das Anmeldeverfahren. Bei der IGS Aurich, der Realschule Aurich und dem Gymnasium Ulricianum findet die Anmeldung für den fünften Jahrgang zeitgleich vom 4. bis zum 9. Mai statt.

Jede Schulform hat ihre eigenen Vorzüge, nicht jede Schulform ist für jeden Schüler geeignet. Darauf weisen die Schulleiterinnen Dr. Dorothee Göckel (IGS Aurich) und Kathrin Peters (Realschule Aurich) zusammen mit ihrem Kollegen Rüdiger Musolf (Gymnasium Ulricianum) in einem Pressegespräch hin. Anlass für das Gespräch ist die anstehende Anmeldephase für die weiterführenden Schulen vom 4. bis zum 9. Mai.

„Und dann geht die Irrfahrt der Kinder oft los“

Eine verpflichtende Empfehlung der Grundschulen für die Wahl der weiterführenden Schule gibt es nicht mehr. Es gilt der freie Elternwille. „Und dann geht die Irrfahrt der Kinder oft los“, sagt Kathrin Peters. Denn die Grundschullehrer würden zu 99 Prozent mit ihren Einschätzungen der Kinder richtig liegen und diese den Eltern in den Beratungsgesprächen auch mitteilen. Entschieden werde dann aber oft nach anderen Kriterien. „Wir wohnen in der Wiesenstraße, also geht mein Kind auf die Realschule.“ Auch bestehende Freundeskreise, ergänzt Rüdiger Musolf, würden oft die Schulwahl beeinflussen. Das Problem sei, so Peters, dass viele Kinder, die so auf der „falschen“ Schule landeten, nicht die Ziele erreichen, die sie anderswo erreichen könnten. „Sie quälen sich auf der Realschule immer kurz vor dem Sitzenbleiben, obwohl sie vielleicht mehr Zeit benötigten und eher anders lernen könnten.“ Zeit und andere Lernformen, die die Gesamtschule bieten könne.

Das beobachtet Dr. Dorothee Göckel an der Integrierten Gesamtschule Aurich häufig und kann das mit Zahlen belegen. Im fünften und sechsten Jahrgang gibt es jeweils nur vier Parallelklassen. In Jahrgang sieben ist die IGS fünfzügig, und ein Jahr später kommt eine weitere Klasse hinzu. „Der größte Zulauf in den höheren Klassen kommt von der Realschule“, sagt Göckel. Das sei im doppelten Sinn bedauerlich. Denn der Kampf an der falschen Schule und schließlich der Schulwechsel erzeugten häufig Frust bei den Kindern. Und im System der IGS wäre es das Beste, wenn die Jugendlichen von Klasse fünf an dabei wären und die andere Art des Lernens zusammen mit ihren Klassenkameraden üben würden. Ihr Appell an die Eltern ist daher, vor der Anmeldung ganz genau zu überlegen, was das Beste für das Kind sein könnte.

„Im Zweifel ist die IGS die bessere Schulform“

Die drei Schulleitungen seien alle daran interessiert, dass die Kinder nach der Grundschulzeit gut begleitet würden, so Kathrin Peters. Man wolle sie zu Erfolgen führen und psychisch gesund durch die Schule bringen. „Im Zweifel ist die IGS die bessere Schulform“, sagt Rüdiger Musolf. Denn das Gymnasium zum Beispiel würde vom Ende, vom Abitur her gedacht. „Wir haben immer die Studierfähigkeit im Blick, das ist das Kernziel.“

Das Abitur gibt es an der IGS Aurich auch – neben allen anderen Schulabschlüssen. „Bei uns können alle Schüler angemeldet werden, das ist unsere Sonderstellung“, sagt Dorothee Göckel. So gesehen sei die IGS die Fortführung der Grundschule. Ihre Schule könne zusätzlich mit einem fast neuen Schulgebäude punkten – und viel Platz. Denn die IGS ist auf eine durchgehende Sechszügigkeit ausgelegt.

Das sieht ab dem kommenden Schuljahr an der Realschule Aurich anders aus. Der Stadtrat hat beschlossen, nur noch fünf Klassen pro Jahrgang aufzunehmen, um das ungebremste Wachstum an der Schule aufzuhalten. Nur noch 150 Schüler können dann im fünften Jahrgang aufgenommen werden. Schüler aus anderen Gemeinden werden dann abgewiesen. Sollte es mehr als 150 Auricher Schüler geben, müssen Containerklassen eingerichtet werden. Auch das Ulricianum verfolgt das Ziel, weniger Schüler zu haben. Im Augenblick besuchen rund 2000 Jugendliche das kopfstärkste Gymnasium Niedersachsens. Rüdiger Musolf hätte gerne eine durchgängige Achtzügigkeit. Denn im Augenblick platze die Hauptstelle aus allen Nähten. Die Erfüllung der Wünsche sei möglich, wenn das Beste für die Kinder gewählt werde, meinen die drei Schulleiter. Das letzte Wort haben nun die Eltern.

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