Aurich
Bisher noch wenige Ukrainer auf Jobsuche
Die aus der Ukraine Geflüchteten sollen schnell eine Arbeit aufnehmen dürfen. Doch im Kreis Aurich wurden aus mehreren Gründen erst wenige Anfragen nach Jobs gestellt, wie Verantwortliche erklären.
Aurich - Wenn es nach den Plänen der Bundesregierung geht, sollen aus der Ukraine nach Deutschland Geflohene schnell eine Arbeit aufnehmen dürfen. Dadurch soll ihnen die Integration erleichtert werden. Doch in Ostfriesland und im Landkreis Aurich haben von dieser Chance bisher sehr wenige Menschen Gebrauch gemacht. Dafür gibt es verschiedene Erklärungsversuche. „Die Sprache ist natürlich ein Riesenthema“, sagt Timo Weise als Abteilungsleiter für Aus- und Weiterbildung der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Ostfriesland und Papenburg in Emden.
Doch hierbei stehe die IHK in engem Austausch mit der Agentur für Arbeit und den Integrationsbeauftragten der Kommunen. „Bisher sind die Zahlen von ausbildungswilligen Ukrainern noch nicht erwähnenswert“, sagt Weise. Dies könne neben der Sprachbarriere aber auch noch an anderen fehlenden Voraussetzungen liegen. Die meisten Geflüchteten aus der Ukraine sind Frauen und Kinder, eventuell ältere Menschen. Den Frauen müsste erst eine dauerhafte Wohnung sowie eine Kinderbetreuung angeboten werden, bevor sie über eine Ausbildung oder einen Berufsstart nachdenken können. „Dabei bietet sich eventuell eine Teilzeitausbildung an“, so Weise.
Viele Akademiker unter Geflüchteten
Momentan nehmen am ehesten diejenigen, die Geflüchtete bei sich aufgenommen haben, mit der IHK Kontakt auf. Einzelne Anrufe, die Weise bekommen hat, waren von einer Zahnärztin und einer Studentin. Die hat er an andere Stellen verwiesen. „Ich habe bisher den Eindruck, viele, die kommen, sind qualifiziert und oftmals Akademiker“, so Weise. Gleichzeitig weiß er von mehreren Betrieben, die schon früh die Bereitschaft signalisiert haben, Ukrainer zu beschäftigen. Dies betreffe die Hotellerie, Gastronomie, aber auch den Handel und Bürotätigkeiten.
Die Bereitschaft der Betriebe kann auch Ewald Focken, Leiter des Jobcenters im Landkreis Aurich, bestätigen. „Doch noch ist es dafür zu früh“, sagt er. Bei der Registrierung in Utlandshörn wurde zunächst eine Dokumentationsstraße eingerichtet. Dort wird auch die berufliche Qualifikation erfragt, wie Kreissprecher Rainer Müller-Gummels erläutert. Von der Registrierung hätten bis Ende vergangener Woche bislang 596 Personen Gebrauch gemacht. Mit dem Jobcenter wurde ein Fragebogen entwickelt, der vor Ort angewandt wird, um die Daten für eine spätere Arbeitsvermittlung vorzubereiten.
Wechselnde Zuständigkeiten
„Noch sind wir aber nicht zuständig“, sagt Focken. Bisher gelte das Asylrecht, so dass die Integration weitgehend über die Agentur für Arbeit erfolgt. Erst ab 1. Juni übernimmt das Jobcenter die Integrationsarbeit. Mit dem Erhebungsbogen habe man bisher lediglich die Arbeit der Kollegen bei der Bundesagentur unterstützt.
Im Bezirk der Agentur Emden-Leer beläuft sich die Anzahl von Ukrainern, die sich zwecks Arbeitsuche gemeldet haben, im niedrigen zweistelligen Bereich, wie Sprecherin Maren Plaisier auf ON-Anfrage erklärt. „In unserem Haus wurden bereits Ansprechpartner zur Koordinierung benannt, die in regelmäßigem Austausch mit den anderen beteiligten Stellen stehen“, sagt sie. Über eine Hotline könnten bei Beratungsgesprächen Dolmetscher hinzugeschaltet werden.
In den kommenden Wochen sollen die erhobenen Daten nun vom Jobcenter ausgewertet werden. Dabei gehe es auch darum, das Verhältnis der familiären Lage sowie der Wohnungssituation zum Arbeitsmarkt zu bewerten. „Ich kann sicherlich viele Menschen in Jobs auf den Inseln unterbringen. Doch dann fehlt es an Wohnraum“, sagt Focken. Denn die Vermittler stoßen bei der Integration der Ukrainer auf die Hürden des normalen Arbeitsmarktes. Eine Sorge kann Focken der Bevölkerung jedoch nehmen: Durch das Gleichbehandlungsgesetz sei es rechtlich gar nicht möglich, Geflüchtete zu bevorzugen. Außerdem entscheide am Ende jeder Betrieb selbst, wen er einstelle.