Aurich

140 Oldies tourten durch Ostfriesland

Folkert Bents
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Von Folkert Bents
| 24.04.2022 19:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein Exot unter den Exoten – zumindest auf deutschen Straßen: Ein Scania L76 aus den 60er Jahren. Foto: Folkert Bents
Ein Exot unter den Exoten – zumindest auf deutschen Straßen: Ein Scania L76 aus den 60er Jahren. Foto: Folkert Bents
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Nach drei Jahren Pause konnte am Sonnabend wieder die Ausfahrt historischer Lastwagen stattfinden. Darunter waren so einige Schmuckstücke.

Aurich - Das dicke Ende kam erst hinterher. Teilnehmer der Oldieausfahrt durch Ostfriesland hatten in Schirum das Deutsche Rote Kreuz (DRK) blockiert, die Schnelleinsatzgruppe konnte nicht zu einem Brand ausrücken. Glücklicherweise war es am Sonnabendvormittag kein Großbrand, wie der Auricher Ortsbrandmeister Bernd Saathoff auf ON-Anfrage sagt.

Davon ahnten die Teilnehmer der Oldtimer-Ausfahrt am Sonnabendmorgen bei der Abfahrt im Gewerbegebiet Schirum nichts. Um 10 Uhr starteten rund 140 alte Nutzfahrzeuge im Industriegebiet Schirum zur 19. Ausfahrt dieser Art. Durch das östliche Kreisgebiet fuhren die betagten Lastwagen und Busse zu ihrem ersten Ziel, dem Schützenplatz in Esens.

Vorbeifahrt dauerte 40 Minuten

Bei der Fahrt durch Popens, Egels und Wallinghausen wurde die lange Kette der Fahrzeuge schnell durch Ampelstopps unterbrochen. In Spekendorf dauerte es fast 40 Minuten, bis das letzte Fahrzeug vorbeigefahren war. Das hielt die staunenden Zuschauer jedoch nicht ab, solange am Straßenrand auszuharren.

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140 Oldtimer tourten durch Ostfriesland
24.04.2022

„Es ist für uns eine ganz besondere Ausfahrt“ hatte das Team des Oldtimer-Treffs Münkeboe angekündigt. Die Strecke habe noch der im Jahr 2020 verstorbene und damalige 1. Vorsitzende Sieben Phillips ausgearbeitet. Daran erinnerten sich am Sonnabend auch die neuen Organisatoren Dieter Geiken und Karl-Heinz Neemann. Wenige Wochen vor dem Start im Jahr 2020 durchkreuzte Corona die Pläne. Einige Monate später starb Sieben Philipps nach einem langen Leiden. Es war kein gutes Jahr für die Freunde des Oldtimer-Treffs, der Teil der Münkeboer Dorf AG ist.

Drei Jahre lange Corona-Zwangspause

Auch im Jahr 2021 konnte die Fahrt immer noch nicht durchgeführt werden, Corona ließ es nicht zu. Umso mehr freuten sich alle im großen Team, dass es am Sonnabend wieder losgehen durfte. In Gedenken an Sieben Phillips wurde genau die Strecke gefahren, auf der man sich auch 2020 bewegt hätte. „Werbung wurde vorher keine gemacht“, so Dieter Geiken. Die meisten Teilnehmer kennen sich alle untereinander. Der Großteil kam aus Niedersachsen, dazu viele aus Nordrhein-Westfalen, Bremen und Hamburg.

Schon am Vortag war Udo Ackers aus Viersen mit seinem Mercedes LP 811 Lastwagen angereist. Der leichte Frontlenker wurde in zwei Modellvarianten fast 20 Jahre lang produziert: von 1965 bis 1984. Ackers ist leidenschaftlicher Sammler, hat 20 Fahrzeuge. Nach Ostfriesland sollte es mit dem für damalige Verhältnisse schnellen Kleinlaster gehen.

Polizei-Einsatzwagen mit 40 Pferdestärken

Nicht ganz so weit hatte es sein Oldtimerkollege Reinhard Akkermann. Mit seinem Mercedes L 321 Autotransporter aus den 50er Jahren fuhr er am Sonnabendmorgen von Moormerland nach Aurich. Wie alle Liebhaber der alten Gefährte hatte auch Akkermann in den vergangenen zwei Jahren wenig Gelegenheit zu Ausfahrten. Ab und zu die Technik ein wenig bewegen, damit nichts einrostet. Dazu Wartung und Pflege – das waren in der Corona-Zeit die Hauptaktivitäten. Das war bei der Ausfahrt am Sonnabend überall zu hören.

Angeführt wurde die lange Kolonne vom Neuschooer Jörg Wilken in einem alten Polizei VW Käfer. Alte Technik, zuverlässig aber durstig, beschreibt er den kleinen Einsatzwagen. Mit seinen 40 PS und 1,3 Liter Hubraum mag er gerne mal zehn Liter Sprit. Hinter dem Käfer fuhr Mitorganisator Karl-Heinz Neemann, Lohnunternehmer aus Großefehn, in seinem Neoplan Auwärter Jetliner Bus aus dem Jahr 1979. „Den habe ich extra vom Auwärter-Museum aus dem bayrischen Dingolfing für diese Tour geholt“, so Neemann. Damit dürfte dieser Oldtimer die wohl längste Anfahrt gehabt haben.

Mit den meisten Fahrzeugen nahmen wieder die Firmen Herfeld aus Rechtsupweg und Hollander aus Westerholt in Form verschiedener Lastwagen teil. Nach einer Mittagpause führte Wilken die Oldies entlang der Küste nach Carolinensiel und in Richtung Jever. Nach einem weiteren Zwischenstopp in Wiefels fuhr der Tross über Friedeburg und Hesel nach Mittegroßefehn. Für die Sicherheit während der gesamten Tour hatten bis dahin elf Motorradfahrer, allesamt Freunde von Dieter Geiken, gesorgt. Alle Teilnehmer und Helfer wurden nach Rückkehr von Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Oldeborg verköstigt.

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