Hamburg
Hier entstehen 240 Wohnungen in bester Lage auf dem Wasser
Im Baakenhafen werden drei Wohntürme im Wasser gebaut. Im zweiten Anlauf wurden nun die endgültigen Entwürfe für die je 62 Meter hohen Gebäude ausgewählt.
Wohnen auf dem Wasser mit Blick auf die Elbphilharmonie: Der Hamburger Hafen erhält drei weitere markante Gebäude, in denen genau das bald möglich sein wird.
Ab 2023 sollen im Baakenhafen, dem 24 Hektar großen und mit einem Kilometer längsten der zehn Quartiere der Hafencity, drei individuelle Wohntürme entstehen.
Der Clou: Die jeweils 62 Meter hohen Bauten wachsen aus dem Wasser in den Himmel und sind über Stege mit dem Ufer des Hafenbeckens verbunden.
Am Donnerstag wurden die Siegerentwürfe des hochbaulichen Wettbewerbs vorgestellt, der 2012 eigentlich schon einmal durchgeführt worden war.
Doch der ursprüngliche Plan eines Ensembles aus drei Zweiergruppen wurde verworfen, die Stadtplaner befürchteten unter anderem eine Beeinträchtigung der Blickachse im „hochattraktiven“ östlichen Teil der Hafencity. In der Folge wurden die Vorgaben auf drei Türme entschlackt.
Für diese erhielten den Zuschlag nun Architekten aus Rotterdam, Berlin und Basel. Star-Architekt Hadi Teherani ging wie sieben weitere Hamburger Mitbewerber hingegen leer aus. Dafür haben die drei Bauherren Ludger Inholte Projektentwicklung (LIP), Otto Wulff Projektentwicklung und Richard Ditting GmbH ihre Büros in der Hansestadt.
Nach den „langen Vorläufen“ freut sich Oberbaudirektor Franz-Josef Höing nun auf „drei ungewöhnlich schöne Geschwister“ in nachhaltiger Bauweise.
Auf die Wohntürme verteilen sich 240 Wohnungen in gehobenem Segment. Im westlichen „Watertower“, der damit am nächsten zur Elbphilharmonie liegt, entstehen 62 Einheiten zwischen 54 und 128 Quadratmetern.
Konzipiert hat das niederländische Büro KCAP B.V. den Turm für den Bauträger LIP als eine Art Seestern mit fünf unterschiedlich großen Wohnungen pro Etage. Unter dem Gründach mit einer Photovoltaikanlage ist ein Penthouse vorgesehen.
„Es ist ein sehr schwungvolles, schlankes Gebäude“, sagt Architekt Kees Christiaanse, der in der Frühgeschichte der Hafencity eine wichtige Rolle gespielt hat. Der Niederländer war einer der prägenden Köpfe für die Entwicklung des Masterplans für den mondänen Stadtteil am Wasser..
Zum Wohnturm führt ein überdachter Steg, im Eingangsbereich befindet sich unter anderem ein Kinderspielplatz. Rings um die „kompakten und funktionellen Wohnungen“ laufen Balkone, die zur Verschattung der Fensterflächen optimiert sind. Im Keller deckt ein Eisspeicher mit einer Wärmepumpe 70 Prozent des Energiebedarfs ab. Getragen wird das Gebäude von einer hybriden Holz-Beton-Konstruktion.
Auch der hochgedämmte mittlere Wasserturm ist mit Photovoltaik, Geothermie, Dachbegrünung, Regenwassernutzung und Wärmepumpe besonders nachhaltig angelegt. „Durch wiederverwendbare Rohstoffe ist das Haus recyclebar“, sagt die Berliner Architektin Regine Leibinger.
Der radiale Grundriss ermögliche „maximale Blicke an anderen Häusern vorbei“. Jede der 92 Wohnungen in der Größe von 30 bis 230 Quadratmetern bekommt eine Loggia.
„Das Haus hat einen sehr skulpturalen Charakter“, sagt Leibinger. „Der Turm wächst aus dem Sockel heraus, dadurch wird die Vertikalität zusätzlich betont und es entsteht eine elegante Figur. Wir glauben, dass er sich gut in den Baakenhafen einfügt.“
Davon geht auch der Bauherr des Holz-Hybridbaus aus, der in jedem seiner bis zu 15 Geschosse acht Wohnungen unterbringt. „Wir werden die Skyline prägen“, sagt Otto-Wulff-Geschäftsführer Holger Fieseler.
Der dritte und damit östliche Wasserturm wurde für bis zu 85 Wohnungen entworfen. Unter dem Arbeitstitel „Palazzo Verticale“ ließ sich das Schweizer Architekturbüro Buchner Bründler dabei von Bauten aus der Speicherstadt und Venedig, aber auch der ursprünglichen Infrastruktur mit Leuchttürmen und Baken inspirieren.
Die Wohnungen haben die Größe von 50 bis 110 Quadratmetern, dazu kommt eine Kinderspielfläche über zwei Etagen. Der Steg ist als zweistöckige Hängebrücke konzipiert. „Bei der Annäherung an das Gebäude ergibt sich eine Dramaturgie“, sagt Architekt Andreas Bründler.
Konkav geformte Deckenränder sollen die quaderförmige Gebäudefigur optisch in Schwingung versetzen und sie je nach Pegelstand in der Wasserspiegelung unterschiedlich hoch erscheinen lassen. „Wir werden eine Wohnqualität schaffen, die es so auf dem Wasser noch nicht gegeben hat“, sagt Bauherr Nikolaus Ditting.
Und wann könnten die Türme bezugsfertig sein? „Wir wollen sehen, dass vielleicht Ende 2023 oder Anfang 2024 Leute einziehen können“, sagt Ditting. Sowohl zu den Kosten als auch den Preisen halten sich alle drei Bauherren angesichts des volatilen Weltmarktes indes noch zurück.
Oberbaudirektor Höing betont derweil, dass der Standort Baakenhafen auch eine „Pflicht“ enthalte, sich anzustrengen: „Ich bleibe den Bauherren auf den Fersen.“