Berlin
Warum die Nagel-Krise bald für leere Supermarktregale sorgen könnte
Momentan gibt es große Lieferengpässe bei Stahlnägeln, die auch die Lebensmittelversorgung betreffen. Wie es weitergehen könnte, erläutert ein Experte.
In der deutschen Supermärkten könnten bald einige Regale leer bleiben. Der Grund: Es fehlen Nägel für die Paletten, mit denen die Waren transportiert werden. Bis sich die Lieferketten neu organsiert haben, könnte es noch länger dauern.
Die speziellen Konvexringnägel, die für die Herstellung von Europaletten benötigt werden, werden größtenteils in Osteuropa produziert. Aus Kostengründen wurde die Produktion dorthin verlagert, erklärte Marcus Kirschner, Geschäftsführer des Bundesverbands Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackung (HPE) der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ)
Die Hersteller würden den Stahl für die Nägel wiederum aus Russland beziehen; in den vergangenen Monaten seien die Preise für Stahl allerdings schon um das Fünffache gestiegen. Mit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine stockten die Lieferungen dann oder blieben ganz aus, berichtet Kirschner.
„Es geht nicht nur darum, dass im Einzelhandel vielleicht vorübergehend mal Klopapier, Mehl oder Zucker fehlt“, so Kirschner gegenüber der „SZ“. Die Situation betreffe auch Teile Produkte der Industrie, wie Impfstoffe, Maschinen oder Teile für Windkrafträder, die alle auf Paletten transportiert werden. „In den nächsten Wochen werden solche Ausfälle ein echtes Thema sein“, meint auch Klaus-Jürgen Gern vom Kieler Institut für Weltwirtschaft IfW.
Zusätzlich zur Produktion in Osteuropa werden auch in Deutschland jährlich sechs Millionen Kubikmeter Schnittholz zu Paletten verarbeitet. Ein Zehntel des Materials wurde bisher aus der Ukraine, Belarus und Russland bezogen. Auch auf dieses Angebot wird sich der Krieg in der Ukraine laut Kirschner auswirken.
Abseits der Paletten sind Nägel ebenfalls knapp: Für große hölzerne Trommeln, auf denen Kabel oder Seile aufgewickelt sind, fehlen ebenfalls Nägel. Diese werden aber nicht in Osteuropa, sondern in Asien produziert. Da Shanghai als größter Containerhafen Asiens sich aber immer noch im Lockdown befinde, stauen sich die Containerschiffe im Hafen und die Nägel können nicht nach Europa transportiert werden.
Ökonom Klaus-Jürgen Gern rechnet damit, dass sich die Liefersituation in Deutschland im Laufe des Jahres wieder normalisieren wird – aber nicht zum gleichen Preis: „„Ein paar Monate wird es in Deutschland insgesamt Ausfälle von Produkten geben. Das System ist aber gut darin, sich anzupassen, und sich Dinge woanders zu organisieren. Das dauert aber – und wird eindeutig teurer.“ Außerdem sei am Ende weltweit einfach weniger da. Das würde vor allem die ärmeren Länder treffen, die die höheren Preise nicht bezahlen können.