Aurich
Kirchenaustritte führen zu Einnahmeverlusten
Der Kirchenkreis Aurich wird in den kommenden sechs Jahren zwölf Prozent seiner Einnahmen verlieren. Das hat Folgen.
Aurich - In den kommenden sechs Jahren hat der Kirchenkreis Aurich deutlich weniger Geld zur Verfügung als bisher. Superintendent Tido Janssen geht davor aus, dass zwölf Prozent der Einnahmen wegfallen. Das hat Folgen. Janssen geht von Stellenkürzungen im Kirchenkreis aus. Außerdem müssten die Gemeinden noch mehr kooperieren. Offen ließ er, ob es weitere Zusammenlegungen von Kirchengemeinden geben wird.
Die Ursache für den Rückgang bei den Einnahmen sind die vermehrten Kirchenaustritte in den vergangenen Jahren. Laut Medienberichten sind jetzt weniger als die Hälfte aller Deutschen noch Mitglied in einer der beiden großen Kirchen. Vor 30 Jahren waren es demnach noch 70 Prozent, vor 50 Jahren mehr als 90 Prozent, die entweder in der evangelischen oder in der katholischen Kirche Mitglied waren. Tido Janssen sieht die Lage für den Kirchenkreis Aurich nicht ganz so dramatisch. Er schätzt, dass hier noch zwischen 60 und 70 Prozent der Menschen Mitglied in den Kirchen sind. „Wir kommen von einem höheren Sockel als die Kirchengemeinden in den Großstädten.“
Janssen: Christen sind weiter in der Mehrheit
Abgesehen davon gebe es noch weitere christliche Gemeinschaften, so Janssen. In Freikirchen und bei orthodoxen Kirchen seien deutschlandweit einige Millionen Christen versammelt. Unterm Strich seien die Christen in Deutschland also noch in der Mehrheit. Und selbst, wenn in den beiden großen Kirchen nur noch 30 Prozent der Einwohner Mitglied sein sollten, sei das immer noch ein großer Wert, sagt Janssen. „Welche Organisation kann das schon von sich sagen?“ Entscheidend sei, wie gesellschaftlich prägend die Kirche noch sei.
„Wir können nichts gegen die Austritte unternehmen“, bekennt Janssen. Er weist aber darauf hin, dass es bei den Kirchen nicht nur um den Glauben geht, sondern auch um die Kultur, die in den vergangenen Jahrhunderten vom christlichen Glauben geprägt worden sei. Deutlich wird das an diesem Wochenende, wenn mit dem Osterfest das wichtigste Fest der Christen gefeiert wird. „Das Problem ist, dass viele Menschen nicht mehr wissen, warum sie Ostern, Weihnachten oder Pfingsten feiern.“ Da müsse mehr Neugier geschaffen werden, denn die gemeinsamen Feste würden das gesellschaftliche Zusammenleben prägen. An der Stelle ist Janssen zuversichtlich. „Die Feiertage werden ihre Prägekraft für die Gesellschaft behalten, sei es Weihnachten, Ostern oder das Erntedankfest.“
„Kirche erfüllt wichtige Aufgaben“
Es würde der Gesellschaft nicht gut tun, wenn ein jeder nur noch seinen Individualismus ausleben würde, ist der Superintendent überzeugt. Auch erfülle die Kirche noch wichtige Aufgaben. Das werde grade in diesen Kriegszeiten bewiesen. „Wir sind bereit, das Leid mit den Menschen zu teilen.“
Viele Gemeinden würden derzeit ukrainische Flüchtlinge aufnehmen. Es fänden Menschen auch Trost angesichts der vielen Kriegsbilder aus der Ukraine. Nicht zuletzt würde die Kirche über die Tafel den Flüchtlingen auch direkt helfen, indem der Zugang zu den Tafel-Ausweisen für Ukrainer erleichtert worden sei.