Aurich/Frankreich
Präsidentschaftswahl: Franzosen in Aurich haben noch Hoffnung
Emmanuel Macron und Marine Le Pen kämpfen um die Präsidentschaft Frankreichs. Die ON haben mit zwei in Aurich lebenden Franzosen über die Wahl gesprochen. Sie erhoffen sich vor allem Eines.
Aurich - Seit Sonntagabend steht fest: Bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich geht es in die zweite Runde. Amtsinhaber Emmanuel Macron tritt am 24. April bei einer Stichwahl gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen an. Noch weiß niemand, wie es ausgeht. Doch unter den beiden, von den ON befragten, in Aurich lebenden Franzosen zeichnet sich ein eindeutiger Wunsch ab.
Patrice Sineux ist ganz und gar nicht überrascht davon, dass es zur Stichwahl zwischen den beiden Favoriten kommt. Der im Westen Frankreichs geborene Auricher geht davon aus, dass der Amtsinhaber das Rennen macht. Trotzdem blickt er mit gemischten Gefühlen in seine Heimat. „Man merkt, dass viele Menschen bereit sind, zu verhindern, dass Frankreich bunter wird“, sagt er besorgt. In einer französischen Tageszeitung informiert er sich täglich über die Geschehnisse.
Le Pens Idee gleicht der von Trump
Es gebe auch um seinen Heimatbezirk herum einige Orte, an denen die Rechtspopulistin Marine Le Pen die Nase vorn hat. „Was Le Pen will, geht in die Richtung der Idee von Donald Trump. La france d’abord ist von America First nicht weit entfernt“, sagt Patrice Sineux. „Sie verspricht mehr Butter als Brot.“ Und trotzdem ist er optimistisch. „Als alter Demokrat hoffe ich auf die Wählerschaft von Jean-Luc Mélenchon. Seine Worte machen mir Mut“, sagt er. Der Drittplatzierte hatte am Sonntag mit „Es darf keine einzige Stimme für Le Pen in der zweiten Runde geben“ an seine Anhänger appelliert.
Gerne hätte Patrice Sineux am Sonntag selbst mit abgestimmt. Er hätte nach Bremen reisen müssen, um seine Stimme im französischen Konsulat abgeben zu können. Aus familiären Gründen hat er das nicht geschafft. Zur Stichwahl in rund zwei Wochen will er die Fahrt jedoch auf jeden Fall auf sich nehmen, um zu verhindern, dass Le Pen die nächste Präsidentin Frankreichs wird.
Unzufriedenheit in der französischen Bevölkerung
Yvan Arnaud sagt: „Ich würde gerne optimistisch bleiben.“ Doch leicht fällt ihm das nicht. Der Familienvater kommt gebürtig aus Frankreich und lebt seit acht Jahren in Aurich. Auch er verfolgt die Wahl und ist besorgt, dass Le Pen das Rennen machen könnte. Es schockiert ihn, wie viele Franzosen sich der Rechtspopulistin anschließen. Das zeige, wie groß die Unzufriedenheit in der Bevölkerung sei. Der Auricher kann die Anhänger Le Pens nicht verstehen. Wenn man lese, was die Rechtspopulistin vorhabe, zum Beispiel mit Blick auf die Klimapolitik, sehe man sofort, dass das nicht der richtige Weg sein könne. „Ich fände es ganz schlimm, wenn es so weit kommen würde, dass Le Pen Präsidentin wird“, sagt er.
Der Auricher ist am Sonntag nach Bremen gefahren, um seine Stimme abzugeben. Auch wenn er in Deutschland lebt, sei es ihm wichtig, an der Wahl teilzunehmen, sagt Yvan Arnaud. Dafür hat er mehrere Gründe: Er möchte immer wieder nach Frankreich zurückkehren können und sorgt sich um den Teil seiner Familie, der noch dort wohnt. Aber auch die Auswirkungen, die unter einer Präsidentschaft von Le Pen auf Deutschland zukommen könnten, beschäftigen ihn. Gerade jetzt, wo deutlich werde, wie mächtig die Rechtspopulisten werden könnten. Bei der letzten Wahl sei er sich ziemlich sicher gewesen, dass Macron gewinnen würde. Vor fünf Jahren hatte der französische Präsident in der Stichwahl mit 66 zu 34 Prozent gegen Le Pen gesiegt. So zuversichtlich wie damals ist der Auricher nun nicht mehr, doch er hofft weiter.