Aurich

Außergewöhnliche Turngruppe im MTV Aurich

Gerd-Arnold Ubben
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Von Gerd-Arnold Ubben
| 11.04.2022 19:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die MTV-Turngruppe: Tobias Mann (von links), Sönke Meyer, Marc Lindtner, Bernd Fuhrmann, Wilfried Theessen, Albert Meyer, Fritz, Malte und Jan Däublin. Foto: Gerd-Arnold Ubben
Die MTV-Turngruppe: Tobias Mann (von links), Sönke Meyer, Marc Lindtner, Bernd Fuhrmann, Wilfried Theessen, Albert Meyer, Fritz, Malte und Jan Däublin. Foto: Gerd-Arnold Ubben
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So etwas gibt es nicht oft: eine Turngruppe, die sich vor 55 Jahren gebildet hat. Und die immer noch existiert. Es gibt sie im MTV Aurich. Einer war daran maßgeblich beteiligt.

Aurich - Vor 55 Jahren etablierte sich beim MTV Aurich eine Männer- und Jugendturngruppe. Noch immer ist die gemeinsame Turnstunde im Programm des ältesten und mitgliederstärksten Auricher Vereins, der zu den größten in Niedersachsen gehört.

Die Gruppe kam in Schwung, als Friedrich „Fritz“ Engels, damals Lehrer an der Grundschule Spetzerfehn, dazustieß. Zu ihr gehörten neben Engels Otfried Würdemann, Günter Miehling und Wilfried Theessen, der MTV-Vorsitzende. Später kamen Albert Meyer, Jürgen Reiß und Albrecht Kottmeyer sowie Carsten Fietz aus Bunde und Rudolf Egberts aus Wittmund hinzu. Gemeinsam trainierten sie unter anderem in der alten Turnhalle des Gymnasiums Aurich, in den Turnhallen in Spetzerfehn und Neermoor und nahmen an landesweiten Wettkämpfen teil. Sie trainieren inzwischen ausschließlich in der MTV-Zingelturnhalle. Betreuer und Förderer der Turner, die für den MTV Aurich starten, waren MTV-Turnlehrer Heinz Lisse, MTV-Geschäftsführer Hermann Kreiner und Heinrich Lührs aus Schirum.

Auch das Gesellige gehört dazu

Die MTV-Turner traten in der Verbandsliga an, eine Saison sogar in der Landesliga. Bei Landes- und Deutschen Meisterschaften waren besonders Engels und Meyer erfolgreich. Die Teilnahme an Landes- und Deutschen Turnfesten war selbstverständlich. Doch auch das Gesellige gehörte dazu, wie gemeinsame Urlaube in der Türkei, den Ostblockstaaten oder auch Marokko.

Im Blickpunkt stand immer wieder der inzwischen 81-jährige Engels. Nach seiner Zeit an der Schule Spetzerfehn kehrte er 1994 beruflich in seine Heimat Nienburg zurück. Dort wurde er durch sein Engagement in der Nienburger Turngruppe „Die alten Knochen“ bekannt. In den vergangenen Jahrzehnten trat die bei etlichen Sportveranstaltungen auf. Sie war im Fernsehen präsent. Mehr als 200 Auftritte kamen zusammen. 2018 begeisterte sie bei der Ostfriesischen Turnshow „Bewegungswelt“ in der Auricher Sparkassen-Arena das Publikum. Erst im Februar trat die Männergruppe in dem Musical „Karneval der Tiere“ in Nienburg als die tobenden Affen auf.

Turnen hält vom Rauchen ab

„Das Turnen war für mich immer wichtig. Es hat mich stark geprägt. Ich bin als Jugendlicher damit angefangen und habe gerade während der Pubertät durch das Turnen ein gewisses Selbstbewusstsein erlangt. Zudem hat es mich vom Rauchen abgehalten“, sagte Engels. Das Turnen an den Geräten sei sehr vielfältig. Es beanspruche und trainiere fast den gesamten Körper und schule die Fein- und Grobmotorik, so Engels mit dem Blick des Lehrers auf seinen Sport.

In jungen Jahren spezialisierte er sich auf den Jahnkampf. Ein Mehrkampf aus den Sportarten Turnen (Boden, Sprung, Barren), Leichtathletik (100-Meter- Lauf, Weitsprung, Kugelstoßen) und Schwimmen (Kunstspringen, 25 Meter tauchen nach Zeit, 100 Meter Freistil). Engels nahm an mehreren Deutschen Meisterschaften teil. Sein bestes Ergebnis war ein sechster Platz.

Gemeinsame Turnstunde ist geblieben

Geblieben ist aus den Anfängen die gemeinsame Turnstunde jeden Dienstag und Freitag um 18 Uhr in der Zingelhalle. Von den „alten“ Turnern sind immer noch Meyer, Reiß, Kottmeyer und Theessen dabei. Seit vielen Jahren gehören Henning Reiter, Jürgen Liebert, Sönke Meyer, Tobias Mann, Dr. Bernd Fuhrmann sowie die Jugendturner Malte, Fritz und Jan Däublin und Mark Lindner dazu.

An die Anfänge erinnert sich der 67-jährige ehemalige Sportlehrer Albert Meyer, der durch Engels nach Aurich in die Turngruppe kam und früher ähnlich erfolgreich war, sehr gerne. Der Kontakt zu Engels besteht nach wie vor. Das Schöne am Turnen sei, so Albert Meyer, dass jeder mitmachen könne. Seine Lieblingsgeräte sind Reck und Barren. „Nicht aufhören, immer ein bisschen weitermachen“ ist das Motto der Gruppe. Einfach, um sich fit zu halten. Trainiert wird nicht mehr wie zu Wettkampfzeiten. Da stand der Leistungsgedanke noch im Vordergrund.

Für Albert Meyers Sohn Sönke ist das Turnen in dieser Gruppe mit verschiedenen Generationen eine tolle Sache. Der inzwischen 31-Jährige hat bis vor einigen Jahren noch leistungsmäßig in Oldenburg geturnt. „Hier hat man einfach unterschiedliche Perspektiven im Training“, so Sönke Meyer. Die Älteren seien alle ehemalige Leistungsturner mit großer Erfahrung und so manchem guten Tipp. Zurück in der Gruppe ist nach 35 beruflichen Jahren in München Dr. Bernd Fuhrmann: „Es ist, als wäre ich nie weggewesen.“

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