Ihlow

Viel geschafft und noch viel zu tun

| | 11.04.2022 07:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Zogen am Freitag im Ihlower Rathaus Bilanz über die ehrenamtliche Arbeit für Ukrainer: Dr. Andrea Jeschke (von links) und Marianne Gronewold sowie Bürgermeister Arno Ulrichs. Foto: Imke Cirksena
Zogen am Freitag im Ihlower Rathaus Bilanz über die ehrenamtliche Arbeit für Ukrainer: Dr. Andrea Jeschke (von links) und Marianne Gronewold sowie Bürgermeister Arno Ulrichs. Foto: Imke Cirksena
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Die Ehrenamtlichen in Ihlow, die geflüchtete Ukrainer unterstützen sowie Hilfskonvois organisieren, haben viel geleistet. Das Engagement soll aber noch erweitert werden.

Ihlow - Vieles klappt schon gut, bei einigen Themen gibt es aber offene Fragen: Ihlower Ehrenamtliche, die sich für Ukrainer einsetzen, haben sich am Freitag im Rathaus zu einem Austausch getroffen. „Wir dürfen jetzt nicht locker lassen“, appellierte Dr. Andrea Jeschke. Die Gemeinde rechnet damit, dass noch mehr Flüchtlinge in Ihlow ankommen. Und auch die Hilfskonvois aus der Gemeinde sind weiterhin gefragt. Um das ehrenamtliche Engagement auf mehrere Schultern zu verteilen, werden weitere Helfer gesucht. Besonders gefragt sind beispielsweise kräftige Menschen, die beim Transport oder Aufbau von Möbeln unterstützen können. Zwar springt auch der Bauhof der Gemeinde ein, die Kapazitäten sind aber begrenzt. Außerdem werden weitere Fahrer gesucht, die Geflüchtete beispielsweise zu Behördengängen begleiten. „Da gehört dann auch die Kommunikation dazu“, erläuterte Marianne Gronewold.

Die Fahrer müssen auch bei Sprachschwierigkeiten helfen und überprüfen, ob alle notwendigen Dokumente mitgebracht werden. Für die Fahrtkosten ist dabei auch eine Erstattung möglich. Weiter werden noch Ehrenamtliche gesucht, die als Ansprechpartner für die Geflüchteten oder auch für Gastfamilien sowie andere Helfer zur Verfügung stehen. Die Gemeinde arbeitet aktuell zudem daran, eine Übersicht mit wichtigen Informationen für Helfer auf der Webseite zusammenzustellen. Dort sollen zum Beispiel Checklisten für Gastfamilien, Antworten zu bürokratischen Fragen oder die Kontaktdaten von Koordinatoren zu finden sein. Auch eine Zusammenfassung von wichtigen Informationen in der ukrainischen Sprache ist geplant.

Bürokratie wirft Fragen auf

Bei dem Treffen im Rathaus wurden außerdem offene Fragen der Ehrenamtlichen geklärt sowie sich über Probleme ausgetauscht. Vor allem die bürokratischen Vorgänge bei der Aufnahme von Flüchtlingen sorgten für Unklarheiten. Jeschke und Gronewold betonten dabei, wie wichtig eine Registrierung der Geflüchteten ist. Denn erst danach können Sozialleistungen bezogen werden. Fragen gab es zum Beispiel zur Eröffnung eines Bankkontos für die Ukrainer. Das kann ebenfalls erst nach einer Registrierung geschehen. Verärgert zeigten sich die Ehrenamtlichen darüber, dass bei der Sparkasse Gebühren erhoben werden, während die Raiffeisen-Volksbank in Ihlow vorerst nur einen Euro pro Monat je Konto verlangt. Bei anderen Angelegenheiten sei es zudem nicht einfach, den richtigen Ansprechpartner zu finden – hier soll die geplante Online-Übersicht bald weiterhelfen.

Ein weiterer Kritikpunkt der Ehrenamtlichen war, dass noch keine Kindergartenplätze für die ukrainischen Kinder zur Verfügung stehen. Bürgermeister Arno Ulrichs erklärte, dass das Land empfohlen habe, jede Gruppe um einen Platz zu erweitern. „Die Kollegen sind durch Corona aber schon sehr belastet“, gab Ulrichs zu Bedenken. Er hofft darauf, dass sich die Lage nach den Osterferien entspannt und eine Erweiterung der Gruppen dann möglich ist. Viel Klärungsbedarf gab es auch zum Thema medizinische Versorgung. Laut Dr. Andrea Jeschke sind die Geflüchteten krankenversichert. Das Problem ist oft aber die Kommunikation. Zum einen muss den Geflüchteten erst deutlich gemacht werden, dass der Arztbesuch kostenlos ist. Zum anderen gilt es, die Sprachbarriere mit dem Arzt zu überwinden. Viele Ehrenamtliche hatten hier bereits Tipps parat: In einigen Praxen gibt es russischsprachige Ärzte oder Personal, die mit den Ukrainern kommunizieren können. Auch diese Kontakte sollen sich bald in der Online-Übersicht widerfinden.

Sachspenden weiterhin gefragt

Benötigt werden weiterhin auch Sachspenden. Die Kleiderkammer, die im AWO-Heim untergebracht ist, nimmt weiterhin Spenden an. Gebraucht werden aktuell vor allem leichte Damenschuhe in größeren Größen. Die Ehrenamtlichen planen zudem, eine dauerhafte Kleiderkammer einzuführen, die auch sozial schwache Familien unterstützt. Der Bauhof der Gemeinde sammelt außerdem Fahrräder, um den Ukrainern Mobilität zu ermöglichen.

Für den nächsten Hilfskonvoi, der am Osterwochenende in die Ukraine aufbrechen möchte, werden zudem weiter Lebensmittel, Babynahrung, Windeln und Medikamente wie Fiebersaft oder Schmerzmittel entgegengenommen. Der Ehrenamtliche Jens Gebers betonte, dass diese Hilfe immer noch benötigt wird. Das bekräftigte auch Arno Ulrichs. Zwar habe das Land darum gebeten, die private Hilfskonvois zurückzufahren, die Botschaft in der polnischen Hauptstadt Warschau habe aber um die Fortsetzung des Konvois gebeten.

Die Ehrenamtlichen sprachen aber nicht nur über Probleme, sondern zogen auch eine Bilanz über das, was bisher erreicht wurde. Allen Ukrainern in Ihlow konnte bereits Wohnraum vermittelt werden. Zudem gibt es weiterhin viele Spendenaktionen. In der Hermann-Tempel-Schule wurde kurzfristig ein wöchentlicher Sprachkurs organisiert. Zudem liegen von vielen Einrichtungen in Ihlow Angebote vor, Freizeitaktivitäten für Ukrainer durchzuführen. Dadurch soll auch die Integration gefördert werden.

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