Aurich
Geteilte Meinungen zur abgelehnten Corona-Impfpflicht
Der Bundestag hat entschieden: Die allgemeine Impfpflicht ab 60 Jahren ist vom Tisch – doch unter den sechs von den ON Befragten in der Auricher Innenstadt gehen die Ansichten dazu noch auseinander.
Aurich - Lange hat es Diskussionen darüber gegeben, ob und ab welchem Alter eine allgemeine Impfpflicht gegen das Coronavirus in Kraft treten könnte. Am Donnerstag versuchte die Ampelregierung, mit einem Kompromiss die Pflicht für Personen ab 60 Jahren einzuführen. Im Bundestag fiel dann die Entscheidung: Vorerst wird es keine Pflicht geben. Die ON haben sechs Passanten in der Auricher Innenstadt gefragt, was sie davon halten. Und die Meinungen gingen auseinander.
Birgit Reinert aus Aurich ärgert es, dass es nicht zur Pflicht gekommen ist. „Es gibt einfach zu viele Menschen, die gleichgültig mit der Pandemie umgehen“, sagt die 64-Jährige. „Was soll das? Es gibt doch auch andere Impfpflichten“, sagt sie. Solange man keine Vorerkrankung habe, gebe es keinen Grund, sich nicht gegen Corona impfen zu lassen. Für sie ist eine hohe Impfquote der einzige Ausweg aus der Pandemie. „Wir müssen den verdammten Kram endlich irgendwie loswerden.“
Zweifel an der Impfung
Alexandra Schmidt aus Aurich hat ihre Zweifel bezüglich der Corona-Impfung. „Eigentlich wollte ich mich gar nicht impfen lassen“, sagt die 70-Jährige. Mittlerweile sei sie jedoch zweimal geimpft. Das habe nur einen Grund. „Ich habe mich zwingen lassen. Ohne Impfung hatte man ja fast keinen Zutritt zu öffentlichen Einrichtungen mehr“, sagt sie. Sie ist froh, dass die Impfpflicht abgelehnt wurde. „Jeder sollte selbst entscheiden können. Man darf niemanden zwingen.“
Ann-Christin Albinus aus München sagt: „Jeder ist in der Lage, das selbst zu entscheiden.“ Sie ist der Ansicht, dass eine Impfpflicht nicht der richtige Weg ist und niemand gezwungen werden sollte, sich impfen zu lassen. Ganz wohl fühlt sie sich jedoch auch nicht, wenn sie bei Großveranstaltungen von vielen Menschen umgeben ist, von denen möglicherweise einige nicht geimpft sind. Wieder mehr Einschränkungen für Ungeimpfte zu verhängen, könne eine Alternative zur Pflicht sein, findet die 21-Jährige. „In Pflege- und Gesundheitsberufen finde ich die Impfpflicht allerdings schon gut. Man muss die älteren und immungeschwächten Personen schützen.“
Entscheidung wurde zu spät getroffen
Daniel Wetzel findet, dass die Regierung die falsche Entscheidung getroffen hat. „Jeder weiß, dass eine Impfung die Infektion nicht verhindert. Aber der Verlauf ist halt ein anderer“, sagt der 43-Jährige. Für ihn gibt es keinen Grund, sich nicht impfen zu lassen. „Die Allgemeinheit leidet unter der Unvernunft der ungeimpften Menschen“, sagt er. Die Impfpflicht in den Gesundheitsberufen sei zwar das Wichtigste, sie müsse aber noch ausgeweitet werden. Zumindest in allen Berufen, in denen man viel Kontakt mit anderen Personen habe, solle die Impfung gegen das Corona-Virus verpflichtend sein, findet der 43-Jährige. Als Beispiel nennt er Erzieher und Lehrer. Außerdem habe die Regierung die Entscheidung zu lange herausgezögert. „Hätte man früher über die Impfpflicht abgestimmt und sich dafür entschieden, wäre es auch schneller zu den Lockerungen der Maßnahmen gekommen“, sagt er.
Petra Fricke-Hillebrand aus Uslar ist schon seit rund 30 Jahren in einem Pflegeberuf tätig. Sie ist froh, dass durch die Impfpflicht in ihrem Beruf alle geschützt sind. Von einer allgemeinen Impfpflicht hält sie trotzdem nicht viel. „Ich finde es eigentlich gut, dass die Pflicht nicht kommt. Jeder soll das selbst entscheiden können“, sagt die 52-Jährige. Sie hat Verständnis für Leute, die sich nicht impfen lassen. „Ich habe selbst auch heftig darauf reagiert“, sagt sie.
Ihre Tochter Sophie Hieber will sich nicht für eine Seite entscheiden. „Das ist ein sehr schwieriges Thema. Aber schlecht hätte ich eine allgemeine Impfpflicht nicht gefunden“, sagt die 17-Jährige. Trotzdem könne sie verstehen, wenn man sich vor den Nebenwirkungen der Impfung sorge. „Ich kann es Leuten nicht verübeln, wenn sie sich nicht impfen lassen.“