Hamburg
Bericht: Oligarchen-Jacht „Dilbar“ soll festgesetzt werden
Seit Wochen halten sich Spekulationen um eine Beschlagnahmung der Megajacht „Dilbar“ im Hamburger Hafen. Einem Medienbericht zufolge soll das Bundeskriminalamt sich jetzt sicher sein, wem das Schiff wirklich gehört.
Das 156 Meter lange Luxusschiff „Dilbar“ soll einem Bericht zufolge im Hamburger Hafen festgesetzt werden. Wie NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ vermelden haben Ermittler des Bundeskriminalamtes und der Steuerfahndung herausgefunden, wie es um die genauen Besitzverhältnisse der „Dilbar“ steht.
Die „Dilbar“ wird schon länger dem russischen Oligarchen Alisher Usmanow zugerechnet. Dem Rechercheverbund zufolge ist sich das BKA nun sicher: Das Luxusschiff soll Dulbahor Ismailova gehören, der Schwester Alisher Usmanows. Ismailovas Name stand demnach bislang auf keiner EU-Sanktionsliste. Doch den Medien zufolge soll das BKA dem Auswärtigen Amt in Folge ihrer Ermittlungen von ihren Erkenntnissen berichtet haben. Inzwischen sei nun auch Ismailova unter den Sanktionierten, weshalb die Luxusjacht im Hamburger Hafen wohl nicht mehr bewegt werden dürfe.
Die Ermittlungen um die genauen Besitzverhältnisse der prunkvollen Schiffe sind europaweit kompliziert: Spanische Behörden verwiesen bereits darauf, dass es in den Fällen der Luxusschiffe äußerst schwierig sei, die genauen Besitzverhältnisse um die Jachten zu ermitteln: Konstrukte aus Briefkastenfirmen würden die Zugehörigkeit zu Personen auf den EU-Sanktionslisten verschleiern.
So scheint es auch im Fall um die „Dilbar“ gewesen zu sein: Dem Bericht des Rechercheverbundes zufolge soll das BKA im Zusammenhang ihrer Ermittlungen zu Alisher Usmanow auf 36 Offshore-Firmen und 90 Geldwäsche-Verdachtsanzeigen gestoßen sein. Die Ermittler sollen sich demnach einen 65-seitigen Wartungsvertrag aushändigen lassen haben, den eine deutsche Werft für die Reparatur des Schiffes aufgesetzt hatte. Die Frage: An wen wurde die Rechnung gestellt?
So sollen die Ermittler ein durch Firmen auf den Cayman Islands, Zypern und in der Schweiz verschachteltes System der Besitzverschleierung aufgedeckt haben. Wirtschaftlich Berechtigte soll letztendlich aber die Schwester des Oligarchen sein.
Schon in der letzten Woche hatte sich die Politik in der Sache geäußert: Marcel Schweitzer, Sprecher des Hamburger Senats, bestätigte, dass die „Dilbar“ grundsätzlich beschlagnahmt werden dürfe. Im Anschluss an eine Senatssitzung sagte Schweitzer: „Laut derzeitigem Ermittlungsstand fällt diese Yacht wohl mutmaßlich unter das EU-Sanktionsregime.“ Auch damals war schon von Ermittlungsergebnissen die Rede: Das Bundeskriminalamt (BKA) sei zu diesem Schluss gekommen.
Schweitzer konkretisierte vergangene Woche: „Wie aber die Sanktionen hier anzuwenden sind, wird von den Bundesbehörden weiterhin geprüft, sodass diese Yacht nicht auslaufen darf und zu beschlagnahmen wäre.” Außerdem verwies er darauf, dass die „Dilbar” wegen der andauernden Arbeiten derzeit nicht fahrtüchtig sei. „Sie kann im Moment gar nicht bewegt werden. Deshalb wäre es sehr auffällig, wenn sich diese Yacht bewegen würde.”
Rechtsanwalt Ben Tanis, der in Kiel eine Fachkanzlei für Wassersport betreibt und auf Jachtrecht spezialisiert ist, hatte unserer Redaktion gegenüber Beschlagnahmung von Luxusschiffen als kompliziert beschrieben.
Denn in einem solchen Fall hätten die Behörden die Yacht am Hals: Sie müssten für einen Liegeplatz sorgen, das Schiff sichern und zumindest notdürftig unterhalten. Hier geht es auch um Steuergeld: „Wenn man A sagt, muss man sich auch sicher sein, wie, ob und wann man dann B sagt“, sagte der Anwalt unserer Redaktion.
Das 156 Meter lange Luxusschiff „Dilbar“ liegt seit einigen Monaten im Hamburger Hafen bei der Werft Blohm + Voss. Dort werden Überholungsarbeiten durchgeführt. Der Preis des Schiffes wird auf mehrere hundert Millionen Euro geschätzt. Seit Ausbruch des Krieges gibt es Spekulationen über eine mögliche Festsetzung.