Osnabrück

Corona, Geständnisse und freudige Nachrichten aus dem Hause Holt

Nina Kallmeier
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Von Nina Kallmeier
| 07.04.2022 17:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Foto: Archiv
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Der Prozess gegen den Emsländer Hendrik Holt und andere vor dem Landgericht Osnabrück steht kurz vor dem Abschluss. Bevor die Plädoyers beginnen, ging es noch einmal um den Wert des Geständnisses von Holts Schwester. Und es gab freudige Nachrichten.

Der Fall Holt ist zweifelsohne spektakulär. Ein kleines Unternehmen mit Wurzeln im Emsland soll große Energiekonzerne aus ganz Europa um Millionenbeträge betrogen haben. Fast genau zwei Jahre ist es nun her, dass Hendrik Holt, seine Mutter, Schwester und sein Bruder festgenommen wurden – Hendrik Holt im Berliner Luxushotel Adlon, seine Familienangehörigen an unterschiedlichen Orten in Deutschland.

Seit August 2021 läuft der Prozess gegen die Familienmitglieder und den einige Wochen später im Libanon festgenommenen Finanzdirektor Heinz L. vor der Wirtschaftskammer des Landgerichts Osnabrück. Nach acht Monaten Verhandlung war es zuletzt still geworden um die geständigen Betrüger aus dem Emsland. Den Grund dafür nannte Richter Norbert Carstensen am Donnerstag, dem letzten Prozesstag, bevor die Staatsanwaltschaft ihr Schlussplädoyer halten wird: Wie so viele Bundesbürger hatte es auch drei der Angeklagten erwischt: Sie wurden positiv auf das Coronavirus getestet. Mehrere Verhandlungstage mussten deswegen abgesagt werden.

Dass der Fall Holt nicht nur ein beispielloser Betrugsfall, sondern auch der Fall einer Familie ist, die vor einem Scherbenhaufen steht, zeigte sich nun noch einmal am Donnerstag. Es ging um das Geständnis von Hendrik Holts Schwester aus dem Jahr 2020.

Sie war die Erste der fünf Angeklagten, die sich nach dem Auffliegen des Windkraftschwindels den Ermittlern gegenüber zu den Betrugsvorwürfen äußerte. Über zwei Tage befragten Beamte der Zentralen Kriminalinspektion aus Osnabrück Ende Mai 2020 Hendrik Holts Schwester in Nürnberg, wo sie damals in Untersuchungshaft saß. Dabei belastete sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Familienmitglieder, sagte ein leitender Ermittlungsbeamte am Donnerstag noch einmal über das Geständnis aus dem Jahr 2020.

Die Familienmitglieder, das sind: Hendrik Holt, das Gesicht der Unternehmensgruppe Holt, der sich selbst als Windenergievisionär präsentierte und inszenierte; ihr Bruder, der IT-Spezialist, wie sich im Prozess herausstellte; ihre Mutter, die sich bei Terminen um Bewirtung und die Firmenkonten kümmerte. Und Heinz L., der einzige familienfremde Angeklagte, der das Wissen um die Windkraftbranche mitbrachte. Der Betrug, so waren sich die Ermittler schon zu Beginn sicher, funktionierte vor allem deshalb, weil die Familienmitglieder und Heinz L. arbeitsteilig daran arbeiteten. 

Zum Beispiel, wenn es um das Fälschen von Unterschriften ging, das Herzstück des angeklagten Windraftbetrugs. Ihre Beteiligung haben vor allem Mutter, Bruder und Schwester Holt vor Gericht eingeräumt. Die Angeklagten belasteten sich nur gegenseitig, mögliche andere Beteiligte nannten sie nicht. Bei Vernehmungen durch die Polizei im Jahr 2020 war das offenbar noch anders, wie der Polizist am Donnerstag vor Gericht aussagte. So hätte die Holt-Schwester damals noch ausgesagt, auch eine jüngere Schwester sowie eine Schwägerin hätten falsche Unterschriften geleistet - und sich damit mutmaßlich strafbar gemacht. 

Das Geständnis von Holts Schwester, so sagte der Polizist aus, hätte das bestätigt, was die Ermittler aus der Telefonüberwachung ohnehin schon über den mutmaßlichen Millionenbetrug gewusst hätten. Weiterführende Erkenntnisse habe die Angeklagte nicht liefern können.

Nach Ostern wird nun zunächst die Staatsanwaltschaft mit ihrem Plädoyer beginnen. Im Mai könnte dann ein Urteil im Fall Holt fallen.

Eine freudige Nachricht aus dem Hause Holt gab es: Bereits im Februar wurde bekannt, dass Hendrik Holt seine Freundin Jana, ebenfalls Emsländerin, im Gefängnis geheiratet hatte. Auf dem Instagram-Profil des geständigen Windkraftbetrügers war lange Zeit ein Foto des Hochzeitskusses zu sehen. Nun gab es weitere frohe Kunde von seiner Schwester. Wie ihr Verteidiger mitteilte, sei seine Mandantin schwanger.

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