Hannover

Neue Corona-Regeln: Niedersachsen behält sich Verschärfungen vor

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 05.04.2022 16:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Isolationspflicht für Corona-Infizierte entfällt. Die Landesregierung in Niedersachsen um Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) ist davon wenig begeistert und appelliert an die Eigenverantwortung der Bürger. Foto: dpa
Die Isolationspflicht für Corona-Infizierte entfällt. Die Landesregierung in Niedersachsen um Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) ist davon wenig begeistert und appelliert an die Eigenverantwortung der Bürger. Foto: dpa
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Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zählte sich und sein Bundesland in den zurückliegenden Monaten der Corona-Pandemie stets zum „Team Vorsicht“. Nun fallen nach und nach alle Regeln. Wie geht das Land damit um?

Die Nachricht, dass die Gesundheitsminister von Bund und Ländern die Isolationspflicht zum 1. Mai kippen werden, erreichte Niedersachsens Ministerpräsidenten Stephan Weil in Isolation. Der SPD-Politiker hat sich mit Corona infiziert, wie vergangenen Freitag bekannt wurde. Mindestens sieben Tage sondert er sich nun zu Hause ab.

Bislang ist das Vorgehen des SPD-Politikers noch verpflichtend. Ab dem 1. Mai aber fällt genau diese Pflicht. Stattdessen gilt dann die Empfehlung, sich mindestens fünf Tage lang freiwillig zu isolieren. Ausgenommen sind nur Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten. Das haben die Gesundheitsminister von Bund und Ländern beschlossen.

Offenbar trafen diese Pläne den Ministerpräsidenten in Isolation recht überraschend. Zumindest habe die Landesregierung wohl erst am Wochenende davon aus dem Umfeld von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (ebenfalls SPD) erfahren. Das erklärte jetzt Regierungssprecherin Anke Pörksen.

Ministerpräsident Weil sei seiner Landesgesundheitsministerin Daniela Behrens dankbar, dass sie darauf gedrungen habe, dass die Isolationspflicht nicht sofort fällt, sondern einige Wochen Übergangsfrist bleiben. Das ermögliche den Menschen nun eine Gewöhnung an die neuen Bedingungen.

“Nüchtern, pragmatisch, nicht übervorsichtig, nicht panisch” gehe Weil mit den anstehenden Änderungen um, sagte Pörksen in Hannover. Die Regierung setzt dabei offenbar auf zwei Faktoren: Steigende Temperaturen und ein damit einhergehendes Abflauen der Infektionswelle sowie das Verantwortungsgefühl der Niedersachsen. “Übernehmt bitte die Verantwortung selber”, so Pörksen auch in Richtung Arbeitgeber.

Sprich: Wen Corona erwischt, der möge freiwillig zu Hause bleiben. Und wer Kontakt zu einem Infizierten hatte, ebenfalls. Regierungssprecherin Pörksen nannte die Änderungen “auferlegt”, es herrsche in der Landesregierung “keine Begeisterung” darüber. “Und wir werden mit dem Bund reden, ob wir irgendwann wieder gegensteuern müssen.”

Derzeit aber sind die insgesamt hohen Infektionszahlen im Land rückläufig, erklärte Vize-Krisenstabschefin Claudia Schröder. Die Inzidenz liege bei 1658. Vor einer Woche habe diese noch bei über 2000 gelegen. Es gebe landesweit eine “deutliche Abwärtsbewegung”, so Schröder. Es drohe aktuell keine Überlastung der Krankenhäuser. Insgesamt lägen 125 Menschen mit Corona auf den Intensivstationen, davon würden 65 beatmet.

Dies sei eine gute Ausgangslage für den Sommer. Aber auch Schröder betonte: Man müsse offen dafür bleiben, möglicherweise im Herbst wieder nachzusteuern bei den Regeln, sollten die Infektionen wieder zunehmen oder sollte gar eine neue Corona-Variante auftreten. Sie verwies darauf, dass das Impfangebot weiter aufrecht erhalten werden soll.

Pörksen empfahl zudem, weiterhin in geschlossenen Räumen eine Maske zu tragen. “Das schützt Sie und andere und auch Oma.” Zudem sei die gesetzliche 2Gplus-Regelung zwar aufgehoben. Veranstalter oder Unternehmen dürften aber weiter von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und von Besuchern entsprechende Negativ-Tests einfordern.

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