Aurich

Ärger um neues Konzept der „Hafenkiste“

Kim Hüsing
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Von Kim Hüsing
| 05.04.2022 16:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Lage der „Hafenkiste“ hatte bislang viele Gäste angelockt – doch stehen diese nun vor verschlossenen Türen. Foto: Romuald Banik
Die Lage der „Hafenkiste“ hatte bislang viele Gäste angelockt – doch stehen diese nun vor verschlossenen Türen. Foto: Romuald Banik
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Die Pläne von Ewald Maas zum Betrieb der „Hafenkiste“ in Aurich stoßen in der Stadtpolitik auf massive Kritik. Einige raten zu Gesprächen mit dem Pächter, die FDP geht sogar noch einen Schritt weiter.

Aurich – Als eine „mittlere Katastrophe“ bezeichnet Reinhard Warmulla als Fraktionsvorsitzender der Linken im Stadtrat Aurich die Pläne von Ewald Maas zur „Hafenkiste“. Denn statt dort wieder täglich die Türen für Besucher zu öffnen, möchte der Unternehmer das Lokal zunächst für Feiern vorhalten. Für regelmäßige Öffnungszeiten fehle das Personal. Doch die „Hafenkiste“ mit seiner Lage am Kanal ist wichtig für die touristische Infrastruktur, wie auch Harald Bathmann als Vorsitzender der SPD/GAP-Gruppe betont. Dort treffen mehrere Fahrradwege aufeinander, Wassersportler und Besucher kommen am Kanal entlang. Bathmann findet Maas‘ Idee zwar „besser als nichts“, doch befriedigend sei die derzeitige Situation für niemanden.

Bathmann möchte dennoch erst einmal abwarten, wie die Saison anläuft und sich in der Gastronomie alles entwickelt. Vertreter der AWG, der Linken und der FDP sprechen sich stattdessen für kurzfristige Gespräche in den politischen Gremien und mit dem Pächter aus. „Das ist ein Tiefschlag und entspricht nicht dem, was man aus dem Hafen machen sollte“, sagt Menko Bakker, stellvertretender Vorsitzender der FDP-Fraktion. Dort müsse zwingend ein permanentes gastronomisches Angebot vorgehalten werden.

FDP: Auflösungsvertrag als Alternative

In Bakkers Augen ist es nun an der Zeit, den Pächter zu fragen, ob er unter den schwierigen Umständen den Pachtvertrag bis 2024 weiter erfüllen möchte. „Eventuell muss ein Auflösungsvertrag geschlossen werden“, so Bakker. Ein anderer Gastronom könne sich dann an exponierter Lage ansiedeln. „Konkurrenz belebt das Geschäft“, sagt er mit Blick auf die „Stadtperle“, die Maas ebenfalls von der Stadt gepachtet hat. Auch der Leerstand an der Burgstraße lade nicht gerade dazu ein, stattdessen ein Lokal in der Innenstadt aufzusuchen.

Auch Arnold Gossel als Fraktionsvorsitzender der CDU betont, dass es nicht im Sinne der Stadt sei, wenn die „Hafenkiste“ nur für geschlossene Gesellschaften öffnet. Um den Hafenbereich weiter aufzuwerten, brauche es ein Ausflugslokal. Ziel sei, Leben in den Hafen zu bringen. „Das ist mit der jetzigen Ausrichtung nicht zu erreichen“, bedauert Gossel. Dennoch habe die Stadt mit Maas Firma „Marema“ so gut wie überhaupt keine Probleme. „Es wäre nicht fair, ihm jetzt zu kündigen“, meint der Christdemokrat.

Ziel: Tagesangebot für alle schaffen

„Die Situation ist überhaupt nicht schön. Aber was sollen wir machen?“, sagt Grünen-Fraktionsvorsitzende Gila Altmann. Sie habe direkt mit Ewald Maas gesprochen und müsse seiner Darstellung vertrauen. Dabei sei die „Hafenkiste“ symbolhaft für die ganze Branche. „Die Gastronomie krankt an den Folgen der Pandemie“, so Altmann. Alle hätten ähnliche Sorgen, sodass sie wenig Hoffnung habe, jemand anderen für das Lokal zu gewinnen.

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Der Fraktionsvorsitzende der AWG, Richard Rokicki, sieht das vorgestellte Konzept zwar äußerst kritisch, würde sich aber wünschen, weiter mit Maas als Pächter planen zu können. „Die Stadt muss sich langfristig mit dem Thema beschäftigen.“ Denn die Frage sei, ob man bereit sei, dort auf ein gastronomisches Tagesangebot zu verzichten.

Details des Pachtvertrages

Reinhard Warmulla bringt zudem die Frage auf, ob im Pachtvertrag keine Bedingungen für den Betreiber festgelegt wurden. Der Vertrag läuft über die Auricher Bäder- und Hallenbetriebsgesellschaft (ABH). Doch über die Vertragsdetails wurde Stillschweigen vereinbart, wie Harald Bathmann als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender sagt. Sollten Bedingungen nicht erfüllt werden, werde sich die ABH der Sache annehmen.

„Ich bin sehr sicher, dass die Besucher, aber auch die Auricher eine Gastronomie am Hafen erwarten“, so Warmulla. Anhand anderer Restaurants in der Innenstadt könne man sehen, dass sie trotz der schwierigen Lage funktionieren. Daher müsse sich jeder Gastronom über sein Konzept Gedanken machen. „Auf Dauer können wir das Vorhaben nicht akzeptieren“, sagt der Linken-Politiker. Es sei in seinen Augen zudem eine unzureichende Alternative, wenn nicht einmal eine Öffnung nach Buchungslage möglich sei: „Die Hafenkiste darf kein Abfallprodukt werden, dafür ist der Ort zu schade.“