Aurich

Tafeln: Mehr Bedürftige, weniger Ware

Kim Hüsing
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Von Kim Hüsing
| 03.04.2022 11:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Matthias Caspers als Geschäftsführer der Diakonie Aurich spürt den zunehmenden Druck auf die Tafeln. Lebensmittel werden auch dort knapper. Foto: Romuald Banik
Matthias Caspers als Geschäftsführer der Diakonie Aurich spürt den zunehmenden Druck auf die Tafeln. Lebensmittel werden auch dort knapper. Foto: Romuald Banik
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Die Tafeln im Landkreis Aurich und in Emden werden von vielen Bedürftigen aufgesucht. Durch den Ukraine-Krieg steigt die Nachfrage. Doch es fehlt an der wichtigsten Sache.

Aurich – Immer mehr Menschen im Landkreis Aurich und in Emden sind auf das Angebot der Tafeln angewiesen. Dort bekommen Bedürftige einmal in der Woche Lebensmittel. Doch der Krieg in der Ukraine und seine Folgen stellen die Verantwortlichen bei der Diakonie und der Caritas vor immer größere Probleme. „Nach meiner Prognose werden deutlich mehr Menschen zu unserer Tafel Aurich kommen, die Menge der gespendeten Lebensmittel nimmt aber gleichzeitig ab. Diese Situation wird uns vermutlich unter Druck bringen, weil wir die Not der Menschen hautnah sehen“, sagt Matthias Caspers als Geschäftsführer der Diakonie Aurich.

Schon jetzt kommen weniger frisches Gemüse und Kühlwaren wie Joghurt bei den Tafeln an. Haltbare Lebensmittel wie Nudeln und Konserven werden seltener von den Märkten zur Verfügung gestellt. „Mehl und Nudeln bekommen wir eh nicht. Höchstens mal, wenn eine Packung beschädigt ist“, sagt Detlef Teiwes. Er ist der Ansprechpartner der Ausgabestelle der Tafel der Diakonie in Großefehn. Doch auch Molkereiprodukte sind momentan knapp. Diese können die Ehrenamtlichen zur gezielt herausgeben.

Ukrainische Geflüchtete: Unkomplizierte Anmeldung

„Aktuell sind fünf Familien, also etwa 30 Personen, aus der Ukraine zu uns gekommen“, sagt Teiwes. Seit etwa drei Wochen nehme er hier eine steigende Tendenz wahr. „Wir erwarten weiteren Zuwachs und können noch einige versorgen“, so der Ehrenamtliche. Denn zu den Anfängen der Tafel in Großefehn vor zehn Jahren wurden bis zu 114 Familien versorgt. Momentan sind es 68 Familien, so dass 30 bis 35 weitere kein Problem darstellen würden. Nur würden die Einkaufswagen jedes Einzelnen nach dem Besuch der Tafel dann nicht so voll sein, wie zu anderen Zeiten.

Die Regale für manche Produkte sind infolge des Ukraine-Konfliktes weitestgehend leer gekauft. Foto: DPA
Die Regale für manche Produkte sind infolge des Ukraine-Konfliktes weitestgehend leer gekauft. Foto: DPA

Jeder, der das Angebot der Tafel nutzen möchte, muss sich bei der Diakonie in Aurich anmelden. Dort wird die Bedürftigkeit geprüft. Ukrainische Geflüchtete müssen sich dort lediglich registrieren lassen. Eine Ukrainerin, die in Großefehn bei der Ausgabe war, hatte eine Übersetzungs-App dabei. „Damit konnten wir uns gut verständigen“, sagt Teiwes. Er möchte die Geflüchteten gerne alle am Mittwoch als Ausgabetag bedienen. So könnten sie sich untereinander austauschen und Kontakte knüpfen.

Angebot hängt von Warenmenge ab

In Großefehn können die Menschen aussuchen, welche Lebensmittel in ihrem Einkaufswagen landen sollen. Die Mengen steuern allerdings die ehrenamtlichen Helfer bei der Ausgabe. „Wir haben am ersten Ausgabetag nach Pandemieausbruch Kisten gepackt. Das klappte nicht gut“, schildert Teiwes. Denn viele Menschen hätten aufgrund ihrer Religion Wurstsorten oder wegen Allergien andere Lebensmittel wieder aussortiert oder im schlimmsten Fall weggeschmissen.

In Aurich hingegen ist es aufgrund mehrerer kleiner Räume in Pandemiezeiten nicht möglich, dass die Kunden sich ihre Lebensmittel selbst aussuchen. Stattdessen packt das Team rund um Ernst Kuntner Körbe vor. „Wir haben etwa 20 bis 30 Prozent weniger Waren – vor allem im Kühlbereich“, sagt der Ehrenamtliche. Doch auch Gemüse müsse eventuell rationiert werden. 50 bis 70 Personen kommen pro Ausgabetag, über 300 Ausgabekarten für Aurich sind ausgegeben worden. Wer mehrere Wochen nicht zur Ausgabe kommt, verliert automatisch seinen Platz, so dass andere von der Warteliste nachrutschen können. „Wir werden die Situation irgendwie meistern“, bleibt Kuntner zuversichtlich. Bisher habe er niemanden weggeschickt. Bleibt am Ausgabe-Dienstag in Aurich Ware übrig, werde sie dem Team in Moordorf für den nächsten Tag zur Verfügung gestellt.

Auch die Caritas Ostfriesland mit Sitz in Aurich spürt einen großen Ansturm auf die Tafel, beschreibt Geschäftsführerin Stefanie Holle die Situation in Emden. Sowohl Geflüchtete als auch diejenigen, die aufgrund der gestiegenen Preise auf Hilfe angewiesen sind, nehmen zu. In Emden muss die Tafel der Caritas dabei mit weniger Obst und Gemüse auskommen. „Wir werden das Angebot solange aufrecht erhalten, wie noch Ware da ist“, sagt Holle. Die Tafeln würden sich daher über Spenden von haltbaren Lebensmitteln sehr freuen. Doch man dürfe nicht vergessen, dass es sich bei dem Angebot nur um eine Zusatzversorgung handelt. „Den wirklichen Bedarf können wir nicht abdecken“, so Holle.

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