Aurich

Pflegeheimleiter besorgt über Lockerungen

Franziska Otto
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Von Franziska Otto
| 02.04.2022 09:16 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eine Frau sitzt in einem Pflegeheim in einem Rollstuhl auf einem Gang. Foto: DPA
Eine Frau sitzt in einem Pflegeheim in einem Rollstuhl auf einem Gang. Foto: DPA
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Pflegeheimleiter aus dem Kreis Aurich blicken auf die Lockerungen der Corona-Maßnahmen eher mit gemischten Gefühlen. Aber in die Sorge mischt sich dank einer Sonderregel auch Zuversicht.

Aurich - Schon am Sonntag fällt ein Großteil der Corona-Regeln in Niedersachsen – doch in manchen Bereichen ändert sich fast nichts. Zum Beispiel in Pflegeheimen. Die Testpflicht bleibt dort erst einmal bestehen.

Im Hermann-Bontjer-Haus in Aurich wird sich ab dem 3. April quasi nichts ändern, sagte die stellvertretende Einrichtungsleiterin, Silja Hoffmeyer. Das regelmäßige Testen gehöre inzwischen für Mitarbeiter, Bewohner und Besucher hinzu. Sie hätten sich daran gewöhnt. „Wir beschützen damit ja unsere Bewohner“, sagte Hoffmeyer.

Kein garantierter Schutz

Die Lockerungen sieht Hoffmeyer eher mit gemischten Gefühlen. „Ist das der richtige Zeitpunkt?“, fragt sie sich. Aktuell steckten sich viele Menschen an, vor allem in Schulen. Das belaste Familien. Hoffmeyer sorgt sich, dass auch in Krankenhäusern die Belastung steigt. In den Kliniken der Trägergesellschaft Aurich-Emden-Norden liegen aktuell 34 Corona-Patienten, davon vier auf der Intensivstation, wie die Trägergesellschaft mitteilte. Mit den Lockerungen, so Hoffmeyer, hätte eventuell noch gewartet werden sollen.

Auch der Einrichtungsleiter des Seniorenheims am Rosentor in Aurich, Christoph Nannen, ist hinsichtlich der Lockerungen skeptisch. „Wir versuchen natürlich, größtmögliche Sicherheit zu schaffen“, sagte er. Die Testpflicht für Mitarbeiter, Bewohner und Besucher habe sich bewährt. Jedoch könne auch sie keinen 100-prozentigen Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus garantieren. Außerdem habe es schließlich schon unter strengeren Maßnahmen Ansteckungen mit Corona in Seniorenheimen gegeben. Erst Ende Februar gab es mehrere Infektionen in der Moordorfer Seniorenresidenz und das Liekedeler Seniorenhuus in Marienhafe verzeichnete vor gut einem Monat den zweiten Ausbruch innerhalb von zwei Monaten.

Volles Vertrauen in Mitarbeiter und Besucher

Die Einrichtungsleiter müssen sich beim Schutz ihrer Bewohner auf das Verantwortungsbewusstsein ihrer Mitarbeiter und Besucher verlassen. Die Sorge, dass nun eine größere Ansteckungsgefahr besteht, haben sie aber nicht. Sie haben vollstes Vertrauen in ihre Mitarbeiter und die Besucher der Bewohner. Die Leiterin der Seniorenresidenz in Moordorf, Carina Wiese, hat dazu nur Gutes zu berichten. Die Besucher seien gegenüber den Maßnahmen sehr einsichtig. „Sie wollen ja auch ihre Angehörigen schützen“, sagte sie. Auch Nannen ist zuversichtlich: „Es wird von allen mitgetragen.“ Im Hermann-Bontjer-Haus tauschen sich laut Hoffmeyer wöchentlich die Leitung und die Mitarbeiter miteinander aus, es wird für die aktuellen Maßnahmen sensibilisiert und Fragen werden geklärt. „Alle sind sehr verantwortungsbewusst“, sagte sie.

Die Stimmung in den Einrichtungen ist sowohl bei den Mitarbeitern als auch den Bewohnern gut, da sind sich die Leiter einig. Aber auch sie hoffen so langsam auf ein Ende der Pandemie. „Unsere Bewohner sind es auch leid“, sagte Wiese. Man versuche zwar, so gut es geht, Normalität herzustellen. So könnten sich die Senioren etagenweise in Gruppen treffen, Spiele spielen oder Gymnastik durchführen. Jedoch sehnten auch sie sich langsam wieder, die Gesichter der Pfleger ohne Maske zu sehen, sagte Wiese. Jedoch müsse man darauf wohl noch etwas warten.

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