Osnabrück
Tatort „Alles was Recht ist“ aus Wien: Inkasso-Heinzi ist zurück
Der Tatort „Alles was Recht ist“ aus Wien bringt für Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) ein Wiedersehen mit ihrem alten Spezi Inkasso-Heinzi.
Inkasso-Heinzi ist eine Type. Lange war er im Wiener Tatort eine kleine, aber feine Randfigur. Schön schmierig dargestellt von Simon Schwarz verkörperte der verschlagene, aber im Kern doch gutmütige Zuhälter und Kleinganove eine ganz besondere Ausprägung des Wiener Schmähs. Stets protegiert von der Kommissarin Bibi Fellner (Adele Neuhauser), die ihn noch aus ihrer Zeit bei der Sitte kannte – und entsprechend misstrauisch beäugt von Fellners Kollegen Moritz Eisner (Harald Krassnitzer).
Von 2011 bis 2018 hatte Heinz Stepanik, wie Inkasso-Heinzi mit bürgerlichem Namen heißt, regelmäßige Auftritte im Wiener Tatort – dann verschwand er von der Bildfläche. Nun, über drei Jahre später, ist er wieder zurück – allerdings mit eingeschränktem Betätigungsfeld. Denn er sitzt hinter Gittern.
Stefan Weingartner (Johannes Zeiler) ist eine ziemlich traurige Gestalt. Freudlos, pedantisch, von religiösen Selbstbeschränkungen gefesselt. Seiner Tochter zufolge ist er gegen alles, was Spaß macht. Den Auszug der gar nicht mehr so jungen Frau aus dem Elternhaus hält er für falsch, ihren Freund für nicht konservativ genug. Und im Büro ist er vor allem stolz darauf, 27 Jahre lang nicht einen Tag wegen Krankheit gefehlt zu haben. Was für eine Lebensbilanz.
Doch an diesem Tag geht’s ihm so schlecht, dass er vor den Augen eines Kollegen in den Mülleimer kotzt. Die 27 Jahre nehmen ein abruptes Ende, Weingartner fährt mit dem Bus nach Hause – und muss auch da feststellen, dass es einfach nicht sein Tag ist. Denn seine Frau hat mit ihrer besten Freundin ein paar Flaschen Sekt geköpft und berichtet gerade euphorisch vom tollen Sex mit ihrem Fitnesstrainer. Weingartner dreht durch, tötet nicht nur seine Frau, sondern auch die Freundin. Anschließend ruft er die Polizei an und legt ein minutiöses Geständnis ab.
Eigentlich könnte man nach den ersten zehn Minuten des neuen Wiener Tatorts „Alles was Recht ist“ zum Abspann übergehen. Opfer tot, Täter geständig, keine weiteren Fragen. Aber nein, das ist ja erst der Anfang. Was klar wird, als Weingartner in dem Knast untergebracht wird, den Inkasso-Heinzi (Simon Schwarz) gerade als sein „Zuhause“ identifiziert hat.
Der Ganove hat einen Tipp für den Neuen und empfiehlt Weingartner den unter Kriminellen hochangesehenen Anwalt Thomas Hafner (Julian Loidl), vom dem Bibi Fellner weiß: „Der macht seit Jahren unsere Arbeit und die der Staatsanwaltschaft lächerlich oder sogar zunichte“. Tatsächlich erwirkt „der Advokat des Teufels“, wie man ihn später nennen wird, einen kaum für möglich gehaltenen Freispruch – Weingartner, der sich selbst der zweifachen Tötung im Affekt bezichtigt hatte, verlässt das Gericht als freier Mann.
Dem Anwalt jedoch bleibt kaum Zeit, sich über seinen Coup zu freuen. Kurz nach Prozessende wird Hafner an seinem Schreibtisch erschossen, nachdem er dem Täter offenbar selbst die Tür zur Kanzlei geöffnet hatte. Und der Krimi verstrickt sich in immer undurchschaubarere Irrungen und Wirrungen mit jeder Menge Verdächtiger, falschen Fährten und einer ziemlich konstruierten Auflösung. Auch die Einbindung von Inkasso-Heinzi wirkt eher bemüht als gekonnt.
Alles Murks also? Nein. „Alles was Recht ist“ hat auch seine Sahneseiten. Und zwar immer dann, wenn Wiener Schmäh und schwarzer österreichischer Humor aufblitzen. Wie in der Szene, in der Eisner versucht, das Handy des erschossenen Anwalts mittels Gesichtserkennung zu entsperren. Weil dies wegen der geschlossenen Augen der Leiche zunächst nicht klappt, kippt er mit dem Gerichtsmediziner erst mal ein paar Schnäpse aus für andere Flüssigkeiten vorgesehen Bechern. Bis der Kommissar auf die Idee verfällt, den Toten mit ein bisschen Strom noch mal kurz zum Leben zu erwecken.
Preiswürdig ist auch eine Location, in der mehrere Szenen spielen. Zwar haben Eisner und Fellner schon etliche Fälle beim Essen in irgendwelchen Restaurants besprochen, doch eine derartig schauderhaft hässliche, fensterlose Bude wie sie nun Regisseur Gerald Liegel anbietet, hat es wohl in der gesamten Tatort-Geschichte noch nicht gegeben. Da möchte man glatt mit so einem Schnäpschen aus der Pathologie auf den Location Scout anstoßen.
Tatort: Alles was Recht ist. Das Erste, Sonntag, 3. April, 20.15 Uhr.
Wertung: 4 von 6 Sternen