Aurich
Ende der Maskenpflicht: Verhaltene Freude
Das baldige Ende der Maskenpflicht löst nicht nur Freude aus. Zum Schutz ihrer Mitarbeiter überlegen Betriebe in Aurich, sie dennoch beizubehalten. Doch es gibt auch Vorbehalte gegen Sonderregeln.
Aurich - Sonntag soll in Niedersachsen eine neue Corona-Verordnung in Kraft treten. Aufgrund des geänderten Infektionsschutzgesetzes auf Bundesebene fallen viele Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie weg. Eine flächendeckende Maskenpflicht in Supermärkten, Restaurants oder beim Friseur wird es nicht mehr geben. Doch eine Nachfrage bei einigen Inhabern im Landkreis Aurich zeigt, dass Betriebe mit Kundenkontakt durchaus verhalten auf die Lockerungen reagieren. „Ich hatte gehofft, dass Niedersachsen ebenfalls durch die Hotspot-Regel vieles aufrecht erhält“, sagt Jens Coordes vom E-Center in Aurich. Da dies nicht der Fall ist, hat sich der Inhaber des Supermarktes mit seinen Marktleitern abgestimmt.
„Unsere Mitarbeiter werden bis Ende April weiter Masken tragen“, sagt Coordes. Seine Kunden werde er mit Hinweisschildern darum bitten, weiterhin einen Mund-Nasen-Schutz zu nutzen. Doch zwingen möchte er sie nicht. „Das führt nur zu Diskussionen, die möchte ich mir und vor allem den Mitarbeitern nicht zumuten.“ Doch müsse er alles dafür tun, dass die Gesundheit des Personals aufrechterhalten wird, gleichzeitig aber auch das Ostergeschäft nicht gefährdet wird. Aktuell hat Coordes zehn coronabedingte Ausfälle zu verzeichnen.
Einige Schutzmaßnahmen haben sich bewährt
Er kann sich aufgrund des guten Betriebsklimas nicht vorstellen, dass sich die Mitarbeiter gegen die verlängerte Maskenpflicht wehren werden. Schutzmaßnahmen wie Plexiglasscheiben an den Kassen und ein Absperrband am Fleischertresen werde er im E-Center auch über die Pandemie hinaus aufrechterhalten: „Sie haben sich bewährt.“ Bei dem Marktbetreiber Bünting hingegen befinde man sich nach Angaben einer Sprecherin noch in der Abstimmung über das weitere Vorgehen.
Kosmetikerin Martina Ihnen aus Aurich hält in ihrem Kosmetikstudio an der 3G-Regel fest. So müssen alle ungeimpften Kunden einen Test vorlegen. Noch lieber wäre es ihr, wenn alle Kunden getestet zu ihr kämen. Doch habe sie Sorge, dass diese dann lieber wegbleiben. Die Maske können die Kunden bei der Behandlung sowieso absetzen. Martina Ihnen behält ihre zum Eigenschutz aber lieber auf.
Hausrecht könnte Kunden verschrecken
Unter den Friseuren in Aurich herrscht Unsicherheit. So möchten zwei Salons, Raap und der Hair Club, lieber abwarten, was ihnen die Handwerkskammer (HWK) oder die Innung vorgeben. Doch ist von der Handwerkskammer Ostfriesland keine Empfehlung zu erwarten: „Es wird keine Vorgaben von uns geben“, sagt Helge Valentien als Leiter der Betriebsberatung. Denn die Kompetenz, eine vom Bund aufgehobene Regelung bindend zu machen, habe die HWK nicht. Das Tragen einer Maske zum Eigenschutz bleibe in der Verantwortung der Bürger und Betriebe. „Es steht jedem frei, sein Hausrecht geltend zu machen“, so Valentien.
Friseursalon-Inhaberin Sandra Hildebrand möchte von der Möglichkeit aber keinen Gebrauch machen. „Es ist schon eine Erleichterung, nicht mehr täglich acht Stunden mit Maske arbeiten zu müssen“, sagt die Auricherin. Doch überlasse sie die Entscheidung letztendlich die Kunden. Sollte sich jemand unwohl fühlen, wenn die Mitarbeiterin ohne Mund-Nasen-Schutz arbeitet, könne dieser jederzeit wieder aufgesetzt werden. Hildebrand ist froh, dass es nun endlich Lockerungen gibt. Denn Kunden, denen der Besuch zu lange dauert, um die ganze Zeit Maske zu tragen, blieben weiterhin weg. „Jede Einschränkung geht mit finanziellen Einbußen einher“, so die Inhaberin.
„Hafen-Extra“ hält an 3G-Regel fest
In der Gastronomie reagieren die Betriebe unterschiedlich auf die Ankündigung der Lockerungen. Vielen sind die Ausmaße noch gar nicht bekannt. Im „Da Sergio“-Restaurant möchte der Filialleiter daher in Absprache mit seinem Chef erst einmal abwarten, bis alles Schwarz-auf-Weiß von der Regierung in Hannover vorliegt. Im „Hafen-Extra“ in Aurich ist man schon einen Schritt weiter.
„Mein Mann und ich werden beim Bedienen OP-Masken tragen“, hat sich Inhaberin Elke Bach überlegt. Dies diene ihrer Sicherheit, zudem könne sie so abwarten, wie die Kunden reagieren. „Am liebsten würde ich die Maske weglegen. Aber unser Restaurant ist mit 30 Sitzplätzen klein“, solle der Schutz nicht ganz verloren gehen. Ob die Gäste ihre Masken aufbehalten, hätten sie selbst in der Hand. Doch die 3G-Kontrolle am Eingang möchte Elke Bach gerne beibehalten: „Unsere Kunden fühlen sich so sicherer.“