Osnabrück
Popsalon Osnabrück bietet Überblick über aktuelle Musik
Club-Festivals gibt es nicht allzu viele im norddeutschen Raum. Aber der Popsalon in Osnabrück könnte sich auch gegen größere Konkurrenz behaupten.
Bosse. Cro. Katzenjammer. Boy. Starke Bands und Künstler, die in den letzten Jahren auf deutschen Bühnen abgeräumt haben. Starke Bands, die beim Popsalon Osnabrück aufgetreten sind, bevor sie so erfolgreich wurden, dass es für das Clubfestival unerschwinglich geworden sind. Starke Bands, die belegen, welch gutes Gespür Festivalleiter Guido Remmert für Bands mit Erfolgspotenzial hat. Und eine Visitenkarte für die Besucher: Wer zum Popsalon kommt, hat spannende Neuigkeiten aus der Welt des Pop kennengelernt.
Kommende Woche, vom 7. bis 9. April 2022 geht das Festival in die zehnte Runde – endlich, muss man sagen. Denn wie so vieles hat die Pandemie das Jubiläum zwei Jahre hintereinander vereitelt.
Remmert verbindet damit einen Schritt nach vorn oder, um in Karrierekategorien zu sprechen, nach oben, hin zu größerer überregionaler Strahlkraft. Dabei hat sich das Festival in den zehn Jahren seines Bestehens als feste Größe etabliert: beim regionalen Publikum sowieso. Aber auch in der Branche hat der Popsalon auf sich aufmerksam gemacht.
Schon durch seine Struktur darf das Festival Alleinstellungsmerkmale für sich verbuchen: An mittlerweile sieben Spielorten präsentiert der Popsalon die ganze stilistische Breite aktueller Popmusik, vom Singer-Songwriter bis zum Hiphop, vom Elektropop bis zum Indierock. Dem Popsalon vergleichbar sind das Reeperbahnfestival in Hamburg, das Eurosonic Noorderslag im niederländischen Groningen und das Polimagie Festival in Dresden - das für 2022 allerdings abgesagt wurde.
Der Popsalon hingegen erweitert in diesem Jahr sogar sein Angebot, will sich neben den Konzerten zum Szenetreffpunkt entwickeln. Mittelfristig denkt Remmert dafür in Richtung Kongress: „Angebote, die tagsüber stattfinden“, sagt Remmert, „auf denen sich Musiker, aber auch Veranstalter fortbilden.“ Ein Branchentreff: Das schwebt dem Festivalmacher vor.
Der Start in dieses Segment fällt allerdings eine Nummer kleiner aus. Aber ein wichtiger Partner ist schon gefunden: Der Workshop findet in Kooperation mit dem Musikland Niedersachsen statt, also einer Institution, die bei der Stiftung Niedersachsen und damit indirekt beim Land Niedersachsen angesiedelt ist. Dort hat die derzeitige Leiterin Sina-Mareike Schulte den Kontakt zum Bündnis Pop NDS hergestellt und gemeinsam mit dem Popsalon einen Workshop organisiert. Ziel: „Dem Pop-Nachwuchs die Chance geben, sich zu qualifizieren“, sagt Schulte.
Konkret heißt das: Dem Festivalbeginn am Donnerstag im soziokulturellen Zentrum Lagerhalle ist ein Workshop vorgeschaltet. Dabei wird Nina Graf, als Musikerin unter dem Künstlernamen Miu bekannt, den Teilnehmern erklären, wie Selbstmarketing auf den Social-Media-Plattformen funktioniert. Denn: „Es ist schwieriger denn je, sein Publikum zu erreichen“, sagt Graf. Mit anderen Worten: Aus Sicht des Nachwuchses bewegt sich der Popsalon am Puls der Zeit.
Sina-Mareike Schulte vom Musikland Niedersachsen erkennt darin Potenzial für die Zukunft. „Wir würden das gern fortsetzen und ausbauen“, sagt sie. Das deckt sich mit den Vorstellungen von Guido Remmert. „In diesem Jahr war der Workshop mit heißer Nadel gestrickt“, sagt er. Nächstes Jahr möchte er mit längerem Vorlauf den Programmpunkt „Branchentreff“ ausbauen.
Damit würde er weiter aufschließen zu Reeperbahn Festival und Eurosonic. Doch sehen lassen kann sich das Festival auch heute schon. Kontinuierlich hat Remmert es ausgebaut; dieses Jahr ist zum ersten Mal der Hyde Park dabei, ein Liveclub für bis zu 1500 Gästen. Dort tritt am Samstagabend die Band „Provinz“ auf, eine der spannendsten Bands der letzten Jahre, wie sie unter anderem bei „Inas Nacht“ und beim Reeperbahnfestival schon bewiesen haben – und als bester Newcomer bei 1 Live Krone.
Überhaupt verschafft der Popsalon einen umfassenden Überblick über das, was die Popszene derzeit zu bieten hat: Vom erdigen, blechblaslastigen Groove der Band Monobo Son über den Elekropop von Sophia Kennedy bis zu den düsteren Deutsch-Pop-Klängen von Edwin Rosen. So, wie man es von einem bedeutenden Festival erwarten darf.