Hamburg

„Notruf“ der Produzenten: Wird bald auch Hähnchenfleisch teurer?

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 27.03.2022 11:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Blick in einen Geflügelschlachthof: Die Hähnchenfleisch-Produzenten in Deutschland leiden unter stark gestiegenen Futter- und Energiekosten. Foto: dpa
Blick in einen Geflügelschlachthof: Die Hähnchenfleisch-Produzenten in Deutschland leiden unter stark gestiegenen Futter- und Energiekosten. Foto: dpa
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Ist das Geflügelfleisch zu billig? Zumindest fordern die Produzenten aufgrund gestiegener Futter- und Energiekosten höhere Erzeugerpreise vom Handel. Zieht der mit, wird das bald schon der Verbraucher im Supermarkt merken.

Die Geflügelfleisch-Produzenten haben die Handelskonzerne in Deutschland aufgerufen, mehr für Fleisch zu zahlen. Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG), sagte unserer Redaktion: „Es geht um die Versorgungssicherheit mit Geflügelfleisch. Die Betriebe schreiben derzeit wegen der gestiegenen Futter- und Energiekosten tiefrote Zahlen. Das halten wir nicht lange durch.”

Um kostendeckend zu produzieren, müssten die Erzeugerpreise bei Hähnchen von derzeit 1 Euro pro Kilogramm auf 1,55 Euro und bei Putenfleisch von 1,50 auf 2,10 Euro pro Kilo steigen, so Ripke. Er berief sich dabei auf Angaben von Erzeugergemeinschaften aus dem Geflügelbereich.

Komme es zu keiner Preisanpassung, würden immer mehr Tierhalter die Ställe leerstehen lassen. „Schon jetzt steht jeder fünfte Putenstall leer”, sagte Ripke. Nehme die Zahl weiter zu, sei das auch schnell in den Supermärkten zu spüren. „Das ist kein Weckruf mehr, sondern eher ein Notruf der Erzeuger an Handel , Verbraucher und Politik”, sagte Ripke mit Blick auf gestiegene Futter- und Energiekosten in der Tierhaltung.

Vergleichbare Hilferufe hatten zuletzt auch Schlachtunternehmen aus dem Schweine- und Rinderbereich gesendet. Marktführer Tönnies hatte sich mit einem geradezu dramatischen Appell an seine Abnehmer gewandt und auf höhere Preise gedrungen.

Ripke betonte indes, seine Branche sei trotz allem bereit, den von der Bundesregierung angestrebten Umbau der Tierhaltung mitzugehen. Agrarminister Cem Özdemir dürfe aber nicht bei der von ihm für dieses Jahr angekündigten Haltungskennzeichnung stehen bleiben. „Auch die verbindliche Herkunft muss mit gekennzeichnet werden. Und die Finanzierungsfrage muss geklärt sein.”

Ripke rief den Minister dazu auf, „ein umfassendes Tierwohl-Paket” zu präsentieren. Nur wenn die Landwirte von dem Gesamtkonzept überzeugt seien, würden sie auch mitmachen. „Die meisten Geflügelhalter halten ihre Tiere schon jetzt deutlich über dem gesetzlichen Mindeststandard.”

Grünen-Politiker Özdemir hatte zuletzt angekündigt, noch in diesem Jahr die gesetzliche Grundlage für das staatliche Tierwohlkennzeichen auf den Weg zu bringen. Das hatten schon seine Vorgänger Christian Schmidt (CSU) und Julia Klöckner (CDU) versucht, waren daran aber gescheitert.

Landwirte, die bislang im Stich gelassen worden seien, sollten dabei unterstützt werden, Tiere besser zu halten. „Wie im Koalitionsvertrag festgehalten, arbeiten wir auch an einem solidarischen Abgabesystem auf Fleischprodukte“, erläuterte Özdemir zuletzt. Das Modell soll laut Ministerium auch in diesem Jahr auf den Weg kommen. Im Gespräch ist unter anderem eine „Tierwohlabgabe“, denkbar wären nach Empfehlungen einer Expertenkommission etwa 40 Cent mehr pro Kilogramm Fleisch.

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