Osnabrück
Ukraine-Krieg verleiht Energiewende sicherheitspolitische Dimension
Russlands Krieg gegen die Ukraine beherrscht die Schlagzeilen. Der Kampf gegen den Klimawandel darf darüber nicht vergessen werden. Tatsächlich hat Europas Energiepolitik durch den Krieg eine sicherheitspolitische Dimension bekommen.
Auch wenn der Ukraine-Krieg derzeit alles überlagert – der Klimawandel schreitet dennoch voran. Das sollten die politischen Entscheidungsträger nicht aus den Augen verlieren. Daran gemahnen die aktuellen „Fridays for Future“-Proteste.
Tatsächlich wirken der Kampf gegen Covid-19 und die russische Invasion im Nachbarland bis in den Alltag hinein und betreffen viele Menschen unmittelbar. Der Klimawandel indes scheint immer noch ein langfristiges Phänomen. In der Wahrnehmung bleibt er deshalb allzu oft vage und nicht wirklich greifbar. Das macht es so schwierig, die Menschen von der Dringlichkeit angemessener Maßnahmen zu überzeugen.
Mit dem Krieg in der Ukraine kommt nun aber ein neuer Impuls in die Debatte, indem er die viel zu hohe Abhängigkeit Deutschlands und der EU von fossilen Rohstoffen aus Russland deutlich macht. So liefert der Krieg ein treffliches Argument, am European Green Deal festzuhalten, jenem großen Investitions-, Gesetzes- und Strategiepaket, mit dem viele Lebensbereiche in Europa klimafreundlich gestaltet werden sollen.
Die beste und einzig dauerhafte Lösung für Europa, energiepolitisch unabhängiger zu werden, ist die massive Förderung von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz. Die Zeitenwende gilt es so schnell wie technisch möglich einzuleiten – im Vertrauen auf „Made in Europe“, damit auch die hiesige Wirtschaft am grünen Wandel partizipieren kann.
Durch den Ukraine-Krieg hat der Green Deal eine sicherheitspolitische Dimension bekommen. Das ist inzwischen auch bei den Bürgern angekommen und spricht dafür, an den ehrgeizigen Klimazielen und dem Ausstieg aus fossilen Energien festzuhalten.
Doch wird es so schnell gehen, wie es Klimaaktivisten gern hätten? Möglicherweise kommt eine zeitweise Rückkehr zur Kohle und eine verstärkte Nutzung von Flüssiggas auf uns zu. Das gilt es, für Versorgungssicherheit in Kauf zu nehmen, so bitter es sein mag.