Großefehn

Bauchschmerzen-Situation für Großefehntjer Kitaleitungen

Ann-Kathrin Stapf
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Von Ann-Kathrin Stapf
| 24.03.2022 18:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Leiterinnen der Großefehntjer Kitas trugen beim Bildungsausschuss ihre Bedenken vor. Foto: Ann-Kathrin Stapf
Die Leiterinnen der Großefehntjer Kitas trugen beim Bildungsausschuss ihre Bedenken vor. Foto: Ann-Kathrin Stapf
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Die geplante Übernahme der Kitas durch den Landkreis Aurich stößt in Großefehn weder bei der Gemeinde noch bei den Einrichtungen auf Gegenliebe. Die Fehntjer wollen sie nicht hinnehmen und schmieden Pläne.

Großefehn - Fragen, Sorgen und Angst, die Individualität, die man mühevoll geschaffen hat, einzubüßen. Der Landkreis Aurich hat jüngst auf die Forderung der Gemeinde nach mehr finanzieller Unterstützung mit der Aussage reagiert, künftig die Trägerschaft der Kindertagesstätten zu übernehmen. Dazu regt sich an mehreren Stellen im Landkreis Widerstand - auch in Großefehn. Auf dem Bildungsausschuss am Dienstag in Großefehn meldeten sich die Kita-Leiterinnen zu Wort. Was sie vortrugen, waren Ängste und Sorgen. Vor allem aber viele Fragen. Die Leiterinnen, die Elternvertretung, die Gleichstellungsbeauftragte und weitere Akteure wollen sich vernetzen, um Antworten zu bekommen und ihre Interessen zu vertreten. Der Ausschuss empfiehlt dem Gemeinderat einen Beschluss, in dem der Auftrag an die Gemeinde gegeben wird, eine neue Vereinbarung mit dem Landkreis zu finden.

Aktuell ist es der Plan, dass der Landkreis im Januar die Zügel übernimmt. In den Augen der Kita-Leiterinnen utopisch.

„Wir wurden überrumpelt“

Leonie Hassler leitet den Mühlenhof. Sie erklärt als Sprecherin der Leiterinnen: „Wir sollen nicht in die Planungen eingebunden werden, aber stehen am Ende mit der Umsetzung da. Wir wurden überrumpelt.“ Auch in Hinte regt sich Widerstand. Eine Online-Petition läuft gerade. 1500 Unterstützer sind das Ziel, am Mittwochnachmittag waren es bereits 1183.

Hassler und die anderen Leiterinnen haben viele Bedenken und Fragen. Im Mittelpunkt steht die Ankündigung, dass für Einheitlichkeit gesorgt werden soll. Die Kita-Leiterinnen befürchten, dass über Jahre aufgebaute Spezialisierungen darunter leiden könnten. Ebenso wie die Qualität, die in Großefehn hoch sei. Auch, wie es mit der Platzvergabe weiterlaufe und wer Ansprechpartner bei Problemen sei, sei noch unklar. Des Weiteren kritisieren die Kita-Leiterinnen, dass es nach der Übernahme einen landkreisweiten Springerpool geben soll. So könne keine Bindung entstehen. In Großefehn gibt es die immer gleichen Springer, die die Einrichtungen und die Kinder kennen.

Befürchtung: Ende der kurzen Dienstwege

Silke Becker ist die Leiterin der jüngsten Einrichtung Tullums Tuun, die von Trauco übernommen wurde. Sie fürchtet, dass gerade die Belange der kleinen Einrichtungen, so wie ihre, unter die Räder kommen könnten. Derzeit schätze man die kurzen Dienstwege. Ein Anruf genüge und der Bauhof der Gemeinde behebt Probleme. Auch hätten die Einrichtungen ein individuelles Budget, je nach Bedarf.

Sven Ludewig ist für die Bürgerliste im Ausschuss und seit längerer Zeit Elternvertreter. Der Vater dreier Kinder fürchtet, dass Flexibilität und Individualität verloren gehen und weniger auf die Bedürfnisse einzelner eingegangen werden kann. Günstiger werde es durch die Übernahme der Trägerschaft sicher auch nicht und es sei unklar, was aus den Arbeitsplätzen bei der Gemeindeverwaltung im verantwortlichen Fachbereich wird.

Angst vor Investitionsstopp in Fehntjer Kitas

Detlev Schoone (SPD) betont, dass kein Bürgermeister im Landkreis mit dem Plan einverstanden ist. Sein Parteikollege Enno Krüsmann äußert: „Wir haben in den letzten Jahren viel getan. Was, wenn in den Einrichtungen in anderen Gemeinden weniger passiert ist? Werden sie dann erst gefördert und in Großefehn wird erst mal nicht mehr investiert?“

Frank Cramer ist der Stellvertreter des Bürgermeisters und die Kindertagesstätten fallen in seinen Fachbereich. Er sagt: „Wir sind gerne für die Kitas verantwortlich und wollen es auch bleiben.“ Er betonte, wie wichtig der Gemeinde der Ausbau der Strukturen immer war und dass man sich nicht vor Investitionen scheute: „Ich kann mich nicht an eine Gegenstimme im Rat erinnern. Natürlich hat mancher vielleicht auch mit Bauchschmerzen abgestimmt, es geht schließlich um Millionen.“

Sonja Alberts ist die Großefehntjer Gleichstellungsbeauftragte. Sie stellte beim Ausschuss heraus, wie eng die Betreuungsfrage mit der beruflichen Gleichstellung von Frauen verknüpft ist. „Ich war überrascht über den Ablauf. Es gibt keinen Plan, aber viele Fragen, obwohl es im Januar losgehen soll. Und der Landkreis weist weit von sich, dass es um Geld geht.“

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