Berlin
Würde Putin taktische Atombombe einsetzen? Das Risiko steigt
US-Präsident Joe Biden, die EU und die Nato zeigen demonstrative Geschlossenheit. Die Warnung an Wladimir Putin vor noch größeren Kriegsverbrechen in der Ukraine ist berechtigt. Sollte Russlands Despot notfalls gar taktische Atomwaffen einsetzen?
Der Machthaber in Moskau hat auch nach vier Wochen Ukraine-Krieg weiterhin zwei Trümpfe in der Hand. Da ist zum einen die Rohstoffabhängigkeit Deutschlands und anderer EU-Länder bei Öl, Gas, Kohle und Holz.
Die Ankündigung Putins, alle Gasgeschäfte nur noch in Rubel abwickeln zu lassen, legt die Schwächen der westlichen Sanktionen offen.
Und zum anderen sind da die rund 6000 Atomsprengköpfe sowie chemische und biologische Massenvernichtungswaffen im Arsenal der russischen Armee. Hätte Putin nicht diesen nuklearen Schutzschirm, die USA hätten wohl längst anders in den Ukraine-Krieg eingegriffen.
So ist der Westen verdammt, die ukrainische Armee nur indirekt unterstützen zu können, um eine direkte Konfrontation mit Putins Truppen zu vermeiden. Dass Biden daran festhält, ist richtig. Sonst drohte tatsächlich ein dritter Weltkrieg.
Die Lieferung von modernen Verteidigungswaffen, der Zugang zu US-Nachrichteninformationen und militärische Beratung scheinen aber eine so starke Wirkung zu entfalten, dass Putins Vormarsch ins Stocken gerät.
Was ein an sich erfreulicher militärischer Teilerfolg ist, birgt jedoch auch das Risiko, dass der russische Despot zu noch brutaleren Mitteln greifen wird, um den Willen der Ukrainer zu brechen. Das Grauen von Grosny, Aleppo und Mariupol zeigt, dass Putin vor nichts zurückschreckt. Würde er notfalls auch Chemiewaffen oder taktische Atombomben einsetzen? Natürlich. Deshalb muss der US-Präsident dem russischen Machthaber eine klare rote Linie aufzeigen.
Dass die Nato ihre Ostflanke mit konventionellen Streitkräften stärken will, ist überfällig. Gleichzeitig braucht die EU aber auch eine stärkere nukleare Verteidigungsstrategie zur Abschreckung sowie einen Raketenabwehrschirm. George W. Bush hatte ein solchen schon vor mehr als einem Jahrzehnt angedacht. Jetzt muss er schnellsten kommen.
Putin wird vielleicht die Ostukraine gewinnen, aber am Ende einen Preis dafür bezahlen müssen, der schmerzhaft wird. Russland und China wollen eine Weltordnung der Diktaturen. Das wird der Westen niemals in seinen Machtsphären zulassen.