Bodrum
Türkei: Abramowitsch-Jacht von ukrainischer Segelgruppe gestellt
Vermutlich um EU Sanktionen zu umgehen, läuft der 140 Meter lange Luxuskoloss „Solaris“ den türkischen Badeort Bodrum an. Eine Gruppe jugendlicher Segler aus der Ukraine greift aus Protest ein: mit Flaggen und einem Schlauchboot.
In einer spektakulären Protestaktion hat eine Gruppe von jugendlichen Seglern aus der Ukraine am Dienstag für Aufsehen gesorgt. Als die 140 Meter lange Megajacht „Solaris“, die dem russischen Oligarchen Roman Abramowitsch zugerechnet wird, im Hafen des türkischen Ortes Bodrum zum Vertäuen ansetzt, drängt sich ein kleines Schlauchboot mit ukrainischen Flaggen vor den Bug des Schiffes. Mit Rufen wie „Du bist hier nicht willkommen“, „Hau ab“ und „Nein zum Krieg in der Ukraine“ versucht die Gruppe Protestler, das Luxusschiff am Anlegen zu hindern. In den sozialen Medien gehen Videos der Aktion viral.
Vermutet wird, dass die Megajacht die türkischen Gewässer zur Umgehung von EU-Sanktionen anlief. Die ukrainische Segelgruppe, die in Bodrum in Vorbereitung auf Regatten trainiert, sah das als Anlass, ein Zeichen zu setzten.
In einigen Medienberichten wurde die Aktion mit dem Kampf Davids gegen Goliath gleichgesetzt: Nicht nur ist das jüngste Mitglied des Segelteams erst neun Jahre alt. Auch der Unterschied zwischen dem 140 Meter langem Luxusschiff und dem Schlauchboot der Segelgruppe machte die Szenerie schnell zu einem Netz-Hit. „Es war die Entscheidung der gesamten Mannschaft, die Annäherung an die Yacht des russischen Oligarchen Abramowitsch zu blockieren“, sagte Teamtrainer Pavlo Dontsov gegenüber CNN.
Dem Sender „Sky News“ gab der Trainer der Kinder im Anschluss an die Aktion ein Interview. Denstov formulierte als Botschaft der spektakulären Protestaktion: Alle Länder dieser Welt sollten Maßnahmen ergreifen, um den Krieg in der Ukraine zu stoppen. Denn es sei nicht nur ein Konflikt der Ukraine, sondern ganz Europa und die Welt seien betroffen. Er halte es daher für angebracht, Menschen, die in Verbindung mit der russischen Führung stehen, in anderen Teilen der Welt unter Druck zu setzen.
Er habe von einem Freund aus Odessa die Information erhalten, dass das Schiff eines russischen Oligarchen auf dem Weg nach Bodrum sei. Das Team hätte dann entschieden, für seine Heimat einzutreten. Sie nahmen sich die ukrainischen Flaggen und starteten die Aktion.
Laut Sky-News wurden die Protestierenden nach dem Zwischenfall von türkischen Behörden vorübergehend in Gewahrsam genommen. Man gehe außerdem davon aus, dass Abramowitsch selbst nicht an Bord der Jacht gewesen war.
Denstov verwies darauf, dass er ein professioneller Segeltrainer ist und es bei der Situation zu keinerlei Unsicherheiten gekommen sei. Seinen Angaben zufolge rief die Hafenbehörde in Bodrum ihnen zu, dass es sich bei der Aktion um ein heikles Manöver handelt.
Mit Blick auf seine Heimat sagte Denstov, er und sein Team seien in einer schwierigen Situation: Es sei schwer zu ertragen, dass in der Ukraine ein „militärischer Horror“ herrsche. Man wolle irgendwie seine Verwandten und Freunde unterstützten.
Bereits vergangene Woche führte das „YACHT-Magazin“ ein Interview mit Pavlo Dontsov. Dabei ging es auch um die Frage, wie die jungen Segler die Nachrichten des Krieges aufgegriffen haben: „Mit Angst und Sorgen“, antwortete er. Es gäbe Kinder, die aus Kiew stammen und deren Eltern sich in einer dramatischen Situation befänden. Glücklicherweise könne man ab und zu mit ihnen telefonieren. Die Eltern hätten Destov nach Ausbruch des Krieges angewiesen, mit den Kindern nicht mehr in die Ukraine zurückzukehren. Um mit den Sorgen umzugehen, verfolge er folgende Strategie:
Zu Sky News sagte Denstov, sein Team und er bekämen von Segelvereinen in ganz Europa Unterstützung. Das sei wichtig für die Kinder, sagte Dentsov dem Sender: „Die Kids sollen spüren, dass sie in dieser schrecklichen Situation nicht alleine sind.“ Er wünscht sich, „dass dieser Wahnsinn in unserer Heimat aufhört!“
Zwei Superyachten, die mit dem russischen Oligarchen und Besitzer des FC Chelsea, Roman Abramowitsch, in Verbindung stehen, haben Berichten zufolge in den vergangenen Tagen in den sanktionsfreien Gewässern der Türkei festgemacht. Neben dem Luxusschiff „Solaris“ soll auch die mehr als 160 Meter lange Megajacht „Eclipse“ in türkischen Gewässern aufgekreuzt sein. Beide Schiffe stammen aus norddeutscher Fertigung und werden mit mehreren hundert Millionen Dollar bewertet.
Die Jacht „Solaris“ verließ Angaben der Nachrichtenagentur Reuters vergangene Woche die Gewässer Montenegros und fuhr in südöstlicher Richtung in die Türkei, wobei sie europäische Gewässer mied. Am Montag soll sie dann in der Hafenstadt Bodrum angekommen sein. Reuters stützt sich bei diesen Angaben auf die elektronische Schiffsüberwachung.
In den vergangenen Wochen setzten EU-Behörden von Italien bis Frankreich, aber auch Deutschland, die schwimmenden Vermögenswerte der russischen Oligarchen fest, die auf der Sanktionsliste der EU stehen. Spanische Behörden machen auf Schwierigkeiten aufmerksam: Oftmals sind die Megajachten über Briefkastenfirmen keinem eindeutigen Besitzer zuzuschreiben. Die Prüfung dieser Firmenkonstrukte ist aufwendig. Nachdem die EU mit der Beschlagnahmung begonnen hatte, liefen einige Jachten hastig aus EU-Gewässern aus.